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Wein-Wissen für Anfänger: Verwirrende Angaben – So lesen Sie das Weinetikett richtig

Eigentlich soll das Etikett möglichst viel über den Wein in der Flasche verraten. Tatsächlich sind viele Angaben aber verwirrend. In Teil 2 unserer Serie erfahren Sie, was sie bedeuten.

Von Sonja Helms

Wenn man den Wein nicht schon probiert hat, liefert das Etikett die einzigen Hinweise auf den Flascheninhalt. Leider sind die Angaben darauf alles andere als selbsterklärend. Mehr noch: Oft sind sie sogar verwirrend und unverständlich.

Wenn man den Wein nicht schon probiert hat, liefert das Etikett die einzigen Hinweise auf den Flascheninhalt. Leider sind die Angaben darauf alles andere als selbsterklärend. Mehr noch: Oft sind sie sogar verwirrend und unverständlich.

Manchmal kennt man den Wein, den man kauft - weil man ihn bei Freunden, im Restaurant oder bei einer Verkostung probiert hat, oder weil man ohnehin kein Risiko eingeht und immer zum gleichen greift. Meistens aber kauft man den Wein im Blindflug. Das Etikett liefert dann die einzigen Hinweise auf den Flascheninhalt, und da beginnt das Problem: Anders als erhofft, sind die Angaben darauf oft kryptisch und unverständlich.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Alle Fragen und Angaben werden wir hier nicht klären können, dazu ist das Weinrecht und die Welt der Weinetiketten zu komplex und kompliziert. Denn es gibt zwar verpflichtende Angaben, ohne die ein Wein nicht in den Handel gebracht werden darf. Diese bilden die Grundlage, sind gesetzlich geregelt und werden kontrolliert. Daneben gibt es aber sehr viel Spielraum, freiwillige Angaben, die je nach Land unterschiedlich ausfallen, was sehr verwirrend ist. "Bei deutschen Weinen etwa ist es extrem schwierig, von den Angaben des Etiketts auf die Qualität des Inhalts zu schließen", sagt Dirk Würtz, Winzer und Weinblogger. "Für den Laien ist das fast unmöglich."

Stern Genuss versucht dennoch, etwas Licht in den Etikettendschungel zu bringen, und erklärt die gängigsten Angaben vor allem für Weine aus Deutschland, daneben auch für einige andere Weinanbauländern in und außerhalb von Europa.

Weine aus Deutschland

Die verbindlichen Angaben bei deutschem Wein sind überschaubar. Das Etikett informiert über die abgefüllte Menge des Weins und dessen Alkoholgehalt. Außerdem muss die Qualitätsstufe (siehe unten) angegeben werden, ebenso das Herkunftsland sowie der Erzeuger (Winzer) und Abfüller, denn nicht jeder Winzer hat eine eigene Abfüllanlage und nicht jeder Erzeuger verarbeitet eigene Trauben. Wenn auf der Flasche "Erzeugerabfüllung" oder "Gutsabfüllung" steht, kann das ein Qualitätsmerkmal sein - muss aber nicht. Wird nur der Abfüller genannt, wurde der Wein aus zugekauften Bestandteilen (Trauben, Most, Wein) produziert - das allein sagt aber nichts über die Qualität des Weines aus.

Vorgeschrieben ist auch eine Loskennzeichnung zur Identifizierung - bei deutschen Qualitäts- und Prädikatsweinen ist das die

Amtliche Prüfungsnummer (AP-Nr)

Jeder Wein mit einer AP-Nummer wurde behördlich kontrolliert. Potenzielle Allergene müssen ebenfalls gekennzeichnet werden, etwa Schwefel, weshalb auf dem Etikett immer der Hinweis "Enthält Sulfite" zu finden ist. Und: Alle rechtlich relevanten Informationen müssen im Sichtbereich auf dem Etikett zu finden sein. Selbst die Mindestschriftgröße ist vorgegeben.

Deutsche Weine und Landweine

Für Weine, die in Deutschland erzeugt wurden, gibt es vier Qualitätsstufen. Auf der untersten steht der Deutsche Wein, früher Deutscher Tafelwein genannt. Hierbei handelt es sich um einfache Weine ohne jeden Hinweis auf eine geografische Herkunft. Bei dieser Qualitätsstufe darf der Most mit Zucker angereichert werden, um den Alkoholgehalt zu erhöhen; Fachleute nennen das chaptalisieren. Dann aber darf der Wein zum Schluss nicht mehr als 11,5 Prozent Alkohol enthalten.

Eine Stufe darüber steht der

Landwein

Bei ihm ist die Herkunft enger gefasst, der Wein ist einer bestimmten Landweinregion zugeordnet. Beispiel: Steht "Landwein Rhein" auf dem Etikett, kann der Wein aus Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen oder Hessen stammen. Laut EU-Weinmarktordnung zählen Landweine zu den Weinen mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.), die einfachste aller Herkunftsbezeichnungen.

Für Landweine gilt ebenso wie für Deutschen Wein: Chaptalisieren ist erlaubt, doch wenn es erfolgt, darf der Wein nicht mehr als 11,5 Prozent Alkohol enthalten. Es gibt auch sehr gute Landweine mit 14 Prozent Alkohol, doch ist das dann auf den natürlichen Zuckergehalt der Trauben zurückzuführen.

Qualitäts- und Prädikatsweine

Auf der nächsthöheren Stufe steht der Qualitätswein oder genauer, der Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete, kurz QbA. Er muss deutlich strengere Kriterien erfüllen als die Weine der beiden unteren Stufen. Die wichtigsten sind: Der Wein muss in einem bestimmten Weinanbaugebiet hergestellt worden sein und der Winzer darf hierfür nur Rebsorten verwenden, die für die jeweilige Region zugelassen sind. Auch bei Qualitätsweine ist das Chaptalisieren erlaubt.

Qualitätsweine werden einer strengen Prüfung unterzogen und sowohl im Labor analysiert und von Fachleuten verkostet. Zusammen mit dem Prädikatswein gehört er laut EU-Verordnung zu den Weinen mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.). "Besteht ein Wein die Qualitätsweinprüfung nicht, kann er immer noch als Landwein vermarktet werden", sagt Weinexperte Würtz. "Hier kann man großartige Weine finden, die wegen ihres 'Andersseins' keine Amtliche Prüfnummer erhalten. Die sind dann teurer als übliche Landweine."

An der Spitze stehen schließlich die

Prädikatsweine

Prädikatisweine, die bis Ende 2007 noch "Qualitätswein mit Prädikat", kurz QmP hießen. Die Trauben für einen Wein dieser Güteklasse müssen ein gewisses Mindesmostgewicht haben. Das heißt: "Je reifer und später die Ernte, desto mehr Zucker enthält die Traube und desto höher ist das Mostgewicht", erklärt Würtz. Anders als bei den Stufen darunter darf der Most von Prädikatsweinen nicht mit Zucker angereichert werden. Je mehr Zucker also der Traubenmost enthält, desto höher ist die Prädikatsstufe.

In aufsteigender Reihenfolge heißen die Stufen:

  • Kabinett
  • Spätlese
  • Auslese
  • Beerenauslese
  • Trockenbeerenauslese
  • Eiswein

Freiwillige Angaben - oft verwirrend

Das Herkunftsgebiet ist bei jedem Qualitäts- und Prädikatswein angegeben. Ob auch die Lage aufgeführt ist, darf der Erzeuger entscheiden. Selbst der Jahrgang muss nicht zwingend genannt werden. Diese Zahl gibt an, in welchem Jahr die verwendeten Trauben gewachsen sind und geerntet wurden. Fehlt sie, können Trauben verschiedener Jahrgänge verwendet worden sein.

"Bei Qualitäts- und Prädikatsweinen sind grundsätzlich 15 Prozent Verschnitt erlaubt", sagt Würtz. "Das heißt, man darf entweder 15 Prozent eines anderen Jahrgangs, einer anderen Rebsorte oder einer anderen Lage, als auf dem Etikett angegeben ist, in den Wein mischen."

Erstaunlich ist, dass auch die

Rebsorte

nicht genannt werden muss - immerhin prägt sie den Geschmack. Sie wird zwar oft, aber eben nicht immer genannt, zum Beispiel wenn es sich um einen Verschnitt (französisch Cuvée) handelt, bei dem verschiedene Rebsorten vergoren werden.

Ebenfalls freiwillig ist die Angabe, ob der Wein

süß oder trocken

ist. In Deutschland steht bei einem Rot- oder Weißwein meist drauf, dass er trocken ist. Billige süße Weine sind üblicherweise als lieblich gekennzeichnet. Eine weitere Hilfe ist der Alkoholgehalt: Liegt er unter zehn Prozent, ist der Wein meistens süß. Ab 11,5, zwölf, dreizehn Prozent dürfte er trocken sein. Dieses System der Kennzeichnung hat viele Kritiker, weshalb sich viele gute Erzeuger mittlerweile davon verabschiedet haben und anders vorgehen.

Hochwertige Verbandsweine

In Deutschland gibt es den Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP), eine Vereinigung von etwa 200 deutschen Spitzenweingütern, die sich auf eigene, hohe und verbindliche Qualitätsstandards geeinigt haben. Prangt ein Logo mit dem Traubenadler auf dem Flaschenhals, weist das den Winzer als VDP-Mitglied aus.

Innerhalb des VDP sind die Weine nach einem verbandseigenen System klassifiziert, eine vierstufige Pyramide mit den Bezeichnungen Gutswein, Ortswein, Erste Lage und Große Lage. Die Große Lage an der Spitze der Pyramide zeichnet die hochwertigsten Weinberge aus. Trockene Weine von diesen Weinbergen heißen "Großes Gewächs". Diese Spitzenweine tragen neben dem Traubenadler auch das Logo "GG".

Bei europäischen Weinen gibt es viele Gemeinsamkeiten hinsichtlich des Etiketts. Sie unterliegen dem EU-Recht.

Bei europäischen Weinen gibt es viele Gemeinsamkeiten hinsichtlich des Etiketts. Sie unterliegen dem EU-Recht.

Ausländische Weine - Europa

Bei europäischen Weinen gibt es viele Gemeinsamkeiten, was die verbindlichen Angaben betrifft, denn sie unterliegen ebenso dem EU-Recht wie deutsche Weine. Menge, Alkoholgehalt, Qualitätsstufen sind ebenfalls verpflichtend. In Frankreich, Italien oder Spanien gibt es also ebenso Tafel- und Landweine und dergleichen.

Wie bei deutschen steht auch bei italienischen und französischen Weinen die Rebsorte nicht immer explizit dabei. Sie ist aber durch die

geschützte Herkunftsbezeichnung

festgelegt und ließe sich daraus ableiten - wenn man sich auskennt.

Vereinfacht gesagt lassen sich Qualitätsweine in den wichtigsten Anbauländern der EU an der geschützten Herkunftsbezeichnung erkennen:

  • Frankreich: AOP (Appellation d’Origine Protégée), früher AOC (Appelation d’Origine Contrôlée): Höchste Qualitätsstufe. Diese Weine stammen aus einem bestimmten Anbaugebiet (Appellation), das auf dem Etikett angegeben werden muss. Ein Wein, das dieses Gütesiegel tragen will, muss strenge Bedingungen erfüllen.
  • Italien: DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita) und DOP (Denominazione di origine protetta), früher DOC (Denominazione di origine controllata): Siegel für Produkte mit geschützter Herkunftsbezeichnung, höchste und zweithöchste Qualitätsstufe. Auch hierfür gelten strenge Richtlinien.
  • Spanien: DOP (Denominación de Origen Protegida), früher DO (Denominación de Origen) und DOCa (Denominación de Origen Calificada): Ebenfalls höchste Qualitätsstufe, für die strenge Kriterien vorgegeben werden.

Man kann zusammenfassend sagen: Je genauer die Herkunft eingegrenzt ist, desto hochwertiger der Wein - meistens jedenfalls.

Qualitätsmerkmal Reife

Der Zusatz Riserva auf italienischen Flaschen gibt an, dass ein Wein erst im Holzfass und später oft auch auf der Flasche gereift ist. Man macht das eigentlich nur mit guten Weinen, daher kann das ein Hinweis auf einen qualitativ hochwertigeren Wein sein - muss aber nicht.

In Spanien gibt es viele in Holzfässern gereifte Weine. Hier gibt es eine dreistufige Einteilung: Crianza, Reserva und Gran Reserva. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen durch die Dauer der Reifung im Fass und auf der Flasche.

  • Crianza: Dieser Wein muss insgesamt 24 Monate in Flasche oder Fass reifen, davon mindestens sechs Monate im Fass und zwölf in der Flasche, die übrige Zeit nach Belieben.
  • Reserva: reift ein Jahr im Fass und zwei Jahre auf der Flasche.
  • Gran Reserva: reift zwei Jahre im Fass und drei Jahre auf der Flasche.

Frankreich: kompliziert und chaotisch

Ein französisches Weinetikett verstehen zu wollen, erfordert viel Vorwissen, denn es mangelt nicht an Fallstricken. Die Etiketten sagen oftmals eher etwas über die vermeintliche Qualität eines Weines aus, dafür erfährt man wenig über den tatsächlichen Geschmack. Alle Details zu klären würde den Rahmen sprengen. Daher beschränken wir uns hier auf die wichtigsten Angaben.

Bei französischen Weinen ist das Weingut, also der Erzeuger, immer genannt. Das gibt die EU vor. Das Wort

"Château"

(wörtlich übersetzt Schloss oder Burg) steht für Weingut, es muss kein Schloss sein. Im Bordelais nennt man alle Weingüter so, wohingegen im Burgund und in Südfrankreich die Weingüter "Domaine" heißen. Das ist regional sehr unterschiedlich, und die Bezeichnung hat nichts damit zu tun, ob ein Weingut klein oder groß ist.

Zu den Fallstricken: Zum einen haben die einzelnen Weinanbaugebiete unterschiedliche Klassifizierungssysteme, was zu Verwirrungen führen kann. Im Burgund sind die Weinberge klassifiziert, im Bordeaux die Weingüter. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wie gesagt, den Geschmack bestimmt unter anderem die Rebsorte. Oft sind Rebsorten und Weinbaugebiete für Laien aber nicht erkennbar. Die geschützte Herkunftsbezeichnung legt das zwar fest, die müsste man aber kennen. Wer zum Beispiel einen Burgunder Wein trinken möchte und einen Chablis in der Hand hält, muss schon wissen, dass Chablis ein Teil des Burgunds ist; auf dem Etikett steht das nicht.

Rebsorten für Laien nicht erkennbar

Bei der Rebsorte verhält es sich ähnlich: Sie ließe sich aus der Herkunftsbezeichnung ableiten. Dafür müsste man aber wissen, wo welche Traube angebaut werden darf. Im Burgund ist das zum Beispiel bei Weißweinen vorwiegend Chardonnay, bei Rotweinen Pinot Noir. Bei Cuvées (Verschnitte) werden Rebsorten gar nicht genannt.

Für das Weinanbaugebiet Bordeaux, wo einige der besten Weine der Welt hergestellt werden, müsste man auch die einzelnen Gebiete kennen, um auf die verwendeten Rebsorten schließen zu können. Für Rotweine sind überhaupt nur fünf zugelassen: Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Malbec und Petit Verdot. Man kann sich grob merken: Weine vom rechten Ufer enthalten oft mehr Merlot, Weine vom linken Ufer mehr Cabernet.

Problematisch ist mitunter auch die Namensgebung. Wenn Weine ähnlich klingen, muss das nichts heißen. Und umgekehrt können Weine aus derselben Region, die aber von unterschiedlicher Qualität sind, ganz anders heißen - die Ähnlichkeit ist nicht erkennbar.

Ein paar abschließende Hinweise auf einzelne Angaben:

  • Vielles vignes: Die Trauben dieses Weins stammen von von einer alten Rebe.
  • Mis en bouteille au Château: Übersetzt bedeutet das "abgefüllt auf dem Weingut/Schloss". Das kann, muss aber nicht zwingend ein Qualitätsmerkmal sein.
  • Élevé en fûts de chêne - im Eichenfass, meist Barrique, herangereift.
Wein aus Übersee, also aus Südafrika, Südamerika, Australien oder USA funktioniert oft anders als der Weinanbau in Europa.

Wein aus Übersee, also aus Südafrika, Südamerika, Australien oder USA funktioniert oft anders als der Weinanbau in Europa.

Ausländische Weine - Übersee

In Ländern außerhalb Europas funktioniert der Weinbau etwas anders. So ist es durchaus üblich, etwa in Südafrika oder in Australien, dass Weinbauer nur Trauben produzieren und diese an Großkellereien verkaufen. In Australien gibt es zum Beispiel viel mehr Traubenproduzenten als Winzer. In Südafrika hingegen ist es mittlerweile auch verbreitet, dass ein Winzer selbst Wein aus seinen Trauben macht.

Wer hochwertigere Weine sucht, kann sich an folgenden Hinweisen orientieren: Ein mögliches Qualitätsmerkmal ist das Kürzel

WO für "Wine of Origin"

, das ist die Angabe des Herkunftsgebiets. Reifte ein Wein im Holzfass, ist das zu erkennen an den Begriffen "barrel fermented" oder "Reserve", manchmal auch "Private Reserve". Spitzenweine aus Südafrika, die aus einer einzelnen, besonderen Lage stammen, sind mit dem Hinweis

"Single Vineyard"

gekennzeichnet.

Hochwertigere Weine aus Übersee sind in der Regel eher im Fachhandel zu finden. Dort können die Verkäufer angemessen beraten.

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