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Bionade: Die Brause aus der Brauerei

Coca-Cola hat schon mit dem Scheck gewedelt, aber die Erfinder der Öko-Limo Bionade genießen den Erfolg lieber selbst: Ihr Laden brummt.

Von Cornelius und Fabian Lange

Ostheim vor der Rhön ist schön, doch die Peter-Brauerei ziert den Ort nicht. In der Leuchtreklame auf dem Dach fehlen das P und das zweite E, von der Fassade bröckelt der Putz, und im Sudhaus lässt eine Yucca-Palme die Blätter hängen. Typisch Familienbrauerei: Die Kleinen sterben zuerst. Auch über der Peter-Brauerei kreiste jahrelang der Pleitegeier; alle dort hatten sich schon auf das Schlimmste gefasst gemacht. Nur einer nicht - der Braumeister und Tüftler Dieter Leipold. Er träumte, was alle Erfinder träumen: etwas bahnbrechend Neues zu schaffen. Und damit reich zu werden, richtig reich.

Immer wenn Leipold sich zum Forschen zurückzog, flüchtete er auch vor der traurigen Realität der Brauerei, in der Hopfen und Malz verloren schien. Als Mitte der Achtziger die Not am größten war, eröffnete die Familie auf dem Werksgelände eine Diskothek. Von neun Uhr abends bis fünf Uhr in der Früh stand Leipold im "Nullachtfuffzehn" am Zapfhahn; Peter-Bier bis Oberkante Unterlippe für junge Menschen aus dem Dreieck Schweinfurt, Fulda, Erfurt; auf der Suche nach Rausch und Tanzvergnügen - das hielt die Brauerei über Wasser.

Drink auf der Basis von Öko-Gerste

Und wonach suchte Leipold? "Als Bierbrauer bin ich ja ein Biotechnologe und kenne mich aus mit Mikroorganismen. Ich wollte ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk entwickeln." Acht Jahre hat er an dem Verfahren getüftelt, einen Drink auf der Basis von Öko-Gerste zu brauen. "Nein, nicht brauen, meine Herren! Fermentieren!" Pardon, beim Brauen entsteht ja Alkohol, bei Leipold aber, durch Mikroorganismen, Gluconsäure, die zum Beispiel auch im Honig vorkommt.

Wie ein Meteorit hat Bionade in die Softdrink-Landschaft Deutschlands eingeschlagen. Peter Leipold, Inhaber des Patents sowie der Marke Bionade, lädt ein zum Mittagessen. Seine Frau Sigrid serviert Kaninchen provenzalische Art mit gebratenen Serviettenknödeln. Dazu gibt es natürlich Peter-Pils. Sigrid Peter-Leipold ist die graue Eminenz von Bionade. Sie hält sich im Hintergrund, doch wenn es drauf ankommt, hat sie ein Wörtchen mitzureden: "Wir haben Bionade anderen Brauereien als Lizenz angeboten, damit sie auch mal ein Erfrischungsgetränk verkaufen können, das etwas mit ihrer Braukunst zu tun hat. Aber davon wollten die nichts wissen. Also haben wir beschlossen, Bionade selbst zu machen."

Hinter der bröckelnden Fassade sind alle glücklich

Leipold hat sich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen: "Ich habe für den Rest meines Lebens ausgesorgt", sagt er. Heute führt sein Stiefsohn Peter Kowalsky die Geschäfte, der 38-Jährige schaut selig aus wasserblauen Augen, wenn er seine Zahlen runterrattert: "Im Jahr 2004 haben wir sieben Millionen Flaschen Bionade abgefüllt, 2005 schon 22 Millionen. 2006 kommen wir locker auf 66 Millionen, der Sommer ist ja noch nicht vorbei." Die Fassade mag bröckeln, doch bei Bionade sind alle glücklich, vor allem die vielen neuen Mitarbeiter, die bis vor kurzem noch Hartz-IV-Empfänger waren. "An die hat ja auch keiner mehr geglaubt", sagt Kowalsky, "genauso wenig wie an unsere Brauerei!"

Heute fahren sie hier Dauerschichten, 22 000 Flaschen pro Stunde, 400 000 am Tag. Deutschland hat Durst, Durst auf Bionade. Auch Kowalsky staunt: "Wir haben Monteure, die machen nichts anderes, als Fermentationstanks zu bauen. Die sind seit einem Jahr nicht aus dem Haus gewesen. Wahnsinn!" Fünf Tage lang fermentiert in diesen Tanks das Konzentrat für Bionade: Aus Biogerstenmalz und Wasser entstehen die schon erwähnte Gluconsäure und Kohlendioxid. Das Resultat wird im Verhältnis eins zu fünf mit Wasser verdünnt und mit etwas Biozucker, Saftkonzentraten und Kohlensäure versetzt.

Obwohl die Produktion auf vollen Touren läuft, reicht es hinten und vorne nicht. "Wir müssen den Lebensmitteleinzelhandel immer wieder um Geduld bitten", sagt Kowalsky. Er ringt um jede Flasche, die die Produktion zusätzlich ausspuckt. "Demnächst montieren wir einen weiteren Greifer ans Ende der Füllstraße." Dann beginnt er wieder laut zu rechnen: "Das sind 1000 Flaschen mehr pro Stunde. 18 Stunden am Tag füllen wir, das macht bei 220 Arbeitstagen im Jahr" Er denkt nach, seine Lippen wollen Zahlen formulieren, die das Gehirn noch nicht ausgerechnet hat. "Das ist jedenfalls eine gewaltige Zahl, die da rauskommt!"

Rewe, Edeka, Tegut, Metro, Ikea: Alle finden Bionade plötzlich toll, so toll, dass sie sogar auf die Listungsgebühren verzichten, die sonst fällig werden, wenn sie ein Produkt in ihr Sortiment aufnehmen. "Einer wollte 1,5 Millionen Euro von uns, nur damit wir im Regal stehen", sagt Kowalsky. "Dann sind wir doch gratis reingekommen." Wieder donnert ein Sattelschlepper auf den Hof, um 20 Paletten von der Wunderbrause zu schlucken. Nur zwei Stunden hält der Lagervorrat, ein kleiner Fehler genügt, und die Distributionskette bricht zusammen. "Seit zwei Jahren rasen wir mit Tempo 200 auf der Rasierklinge." Man spürt, Kowalsky ist stolz wie Bolle - aber auch, dass er Angst hat, mit dem Wachstum nicht Schritt halten zu können. In die Bruchbude investiert er keinen Cent mehr. "Ab Herbst steht auf der anderen Straßenseite eine neue Produktionshalle." Im Augenblick ist dort nur ein Parkplatz zu sehen.

Erfrischend in Holunder, Kräuter, Litschi und Ingwer-Orange

Was hat den Erfolg von Bionade ausgelöst? Der Urknall ereignete sich 1998 in der Hamburger Gloria-Bar. Der Betreiber Falco Wambold hatte Bionade auf der Gastronomiemesse Internorga entdeckt und setzte den Drink, den zuvor niemand kannte, auf seine Karte. Von dort eroberte Bionade den Rest der Republik. Erst in Superzeitlupe, dann in Echtzeit, jetzt fast forward. Was ist bloß dran an dem Drink, zu dem bis vor kurzem nur wenige Außenseiter griffen? Bionade kommt ohne Farbstoffe aus, sprudelt kaum und hat wenig Zucker - nur etwa die Hälfte des sonst Üblichen. Mit ihrer ungewöhnlich fein abgestimmten Säure sorgt sie für den erfrischenden Kick am Gaumen, erst verhalten, doch beim zweiten Schluck verrät sie ihr Geheimnis und bricht so alle Softdrink-Gesetze.

Bionade gibt es in vier Geschmacksrichtungen: Holunder, Kräuter, Litschi und Ingwer-Orange. Der Durstige hat die Wahl, nicht nur zwischen vier Sorten, sondern auch zwischen gut und böse: zwischen dem klebrigen Softdrink-Imperialismus von Coke, Pepsi & Co., deren Freiheit so grenzenlos geworden ist, dass sich kaum Alternativen finden, und der kleinen unschuldigen Limonade aus der fränkischen Rhön. Sie steht für heile Welt und Erfrischung ohne Reue. Limo is coming home: So schmeckt Zuhause!

"Wir haben beschlossen, uns nicht zu verstellen", beschreibt Kowalsky das Marketingkonzept, das auf grelle Bilder verzichtet. So kommt es, dass die Brause nicht einfach Kunden hat, sondern Sympathisanten, die mehr tun, als mal eben ihren Durst zu löschen. Wer eine Flasche Bionade an die Lippen setzt, demonstriert auch eine Haltung. Bei Cola bist du Konsument, Knetmasse der Globalisierung, bei Bionade eine Persönlichkeit. Und genau diese Zielgruppe hatten die großen Getränkekonzerne nicht auf dem Schirm. Erst spät sahen sie ihn, den Meteoriten aus der Rhön, der immer größer wurde, bis zum Einschlag.

Das Kaufangebot von Coca-Cola abgelehnt

Das Armageddon der Cola-Konzerne: Bionade boomt, und nicht einmal ihre Allzweckwaffe - sehr viel Geld - kann sie aufhalten: "So, you don't want to be rich?", fragten entgeistert die Cola-Bosse aus Atlanta die Brauer aus Ostheim beim Gespräch im Berliner Hotel Adlon, als die ein großzügiges Kaufangebot einfach ablehnten. Das war im Jahr 2004, da wusste die Familie schon, was ihre Bionade wirklich wert ist. Und es geht ihr nicht nur um Geld, sondern auch um die Ehre, um Ostheim, die Rhön und Hartz IV: "Was hätten wir schon mit dem ganzen Geld machen sollen? Eine Insel kaufen?", fragt Kowalsky. Wie viel ist denn geboten worden? "Das können wir nicht verraten, aber gefühlt ist Bionade im Moment rund 100 Millionen Euro wert," sagt Sigrid Peter-Leipold beim Gespräch im Esszimmer, bevor sie die Kaninchenknochen in die Küche bringt.

Peter Kowalsky schmiedet derweil große Pläne: "Jetzt brauchen wir pro Jahr hundert Tonnen Bio-Holunderkonzentrat. Und die will ich in Zukunft von den Bauern aus der Rhön kaufen. Die ersten 20 Hektar Holunder sind bereits gepflanzt." Und dann schießt sein Traum ins Kraut: "Bald könnten die Ostheimer Bauern nur für die Bionade produzieren. Die Bio-Gerste könnte bald komplett aus der Rhön kommen, aus dem Bionade-Valley!"

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.