HOME

Was der Klimawandel damit zu tun hat: Könnte es bald keinen Riesling mehr in Deutschland geben?

Die "New York Times" hat es ausgesprochen: Der Klimawandel könnte ein Segen für deutschen Wein sein. Aber eine Gefahr für Riesling. Was steckt hinter dieser These?

Wein

Was macht der Klimawandel mit deutschem Riesling?

Getty Images

2018 war ein Jahrhundertsommer: Nie zuvor waren Frühling und Sommer heißer und trockener. Ein Desaster für deutsche Bauern und auch Förster. Aber ein Segen für Winzer. So bezeichnet es zumindest die "New York Times". Denn deutsche Winzer haben im Vergleich zum Vorjahr eine Rekordernte eingefahren. 20 Prozent mehr als noch 2017. Zudem tat die Hitze den Trauben gut. Sie waren reifer - und auch süßer.

Ob man den heißen Sommer auf den Klimawandel schieben kann? Vermutlich. Die Jahreszeiten werden extremer. Diejenigen, die in der Landwirtschaft arbeiten, müssen sich vermutlich auf weitere Wetterextreme einstellen - und somit auch anpassen. Betrachtet man die Weinernte 2018 gehen Experten jetzt schon davon aus, dass 2018 ein historischer Jahrgang werden könnte. Und die außergewöhnliche Ernte könnte auch ein Zeichen dafür sein, dass sich die Bedingungen verändert haben .

"Zu heiße und trockene Sommer sind eigentlich nie wirklich gut", sagt Winzer und Weinblogger Dirk Würtz. "Positiv für Winzer aber ist die Tatsache, dass es keine unreifen Jahre mehr gibt. Alles wird reif. Immer. Das ist vor allem großartig für Rotweinsorten". 

Gute Rotweine aus Deutschland 

Deutsche Winzer sind jetzt in der Lage, Rotweine zu produzieren, deren Trauben sie noch vor einigen Jahrzehnten nicht hätten anbauen können. Bislang war vor allem Spätburgunder vertreten, jetzt pflanzen Winzer aber auch Cabernet Sauvignon und Syrah.

Erst kürzlich kam ein Spätburgunder Jahrgang 2016 für über 700 Euro unter den Hammer. Es handelte sich um eine Flasche des deutschen Weinguts Keller. Noch nie hat ein deutscher Rotwein solch einen hohen Preis erzielt, berichtet die "New York Times".

Die sich verändernden Wetterbedingungen machen nicht nur Platz für neue Rebsorten, sondern auch für neue Weinregionen. Das geht aus einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung hervor. Darin wird vorhergesagt, dass bis 2040 in ganz Deutschland, Wein angebaut werden kann. Noch vor etwa 30 Jahren hatten nur bestimmte Teile Deutschlands gute Weinanbaubedingungen und die lagen vor allem im Süden des Landes.

So gut die wärmeren Temperaturen für Rotwein sind, so schlecht sind sie für Riesling, denn der braucht gemäßigte Temperaturen, die Trauben sollten eher mittelreif sein, damit er frisch und knackig schmeckt. "Die besten Jahre sind die, die die lagerfähigsten Weine produzieren. Und dafür braucht man mittelreife Trauben. Und ein Sommer wie er 2004 oder 2007 war", sagt Dirk Würtz.

Dass Weinanbau auch im Norden Deutschlands möglich ist, macht sich bereits bemerkbar. Auf Sylt, knapp vor der dänischen Grenze, wird seit 2010 auf einer Fläche von zehn Hektar Wein geerntet, auch rund um Berlin werden Weinreben gepflanzt.