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Bier gewinnt: Individuelles Bier von „Bierzuliebe“: Das perfekte Geschenk für Männer

Müsli, Autos, Schokolade: Im Netz kann man alles so zusammenbauen, wie es einem gefällt. Außer Bier. Das ändert sich nun: Das deutsche Startup "Bierzuliebe" braut Ihr Wunschbier - doch das kostet.

Wer einmal Bier in einem gut sortierten Supermarkt oder Getränkefachhandel gekauft hat, weiß: Es ist verdammt schwer, die perfekte Sorte zu finden. Und seit dem "Craft Beer"-Boom ist die Aufgabe nicht einfacher geworden. In den endlosen Regalreihen stapeln sich die Flaschen mittlerweile in Dutzenden Formen und Farben, selbst Bierkenner sind gelegentlich überfordert.

Einen anderen Weg geht das Neusser Unternehmen "Bierzuliebe": Es bietet jedem Kunden die Möglichkeit, sein individuelles Bier nach eigenem Geschmack brauen zu lassen - doch das hat seinen Preis. Der stern hat mit Geschäftsführer Holger Wirtz über sein Startup gesprochen.

Hallo Herr Wirtz. Wie sind Sie auf die Idee zu Bierzuliebe gekommen?

Ich war vor zwei Jahren mit meiner Familie im Urlaub auf Djerba, als ich auf die Idee kam. Ich mochte schon immer individuelle Produkte, vom Müsli bis zum T-Shirt kann man ja bereits alles im Internet bestellen. Und ich fragte mich: Warum gibt es das eigentlich nicht für Bier?

Was können Kunden bei Ihnen bestellen?

Bei uns kann man den Biertyp, den Alkoholgehalt, die Intensität des Hopfens, die Spritzigkeit und die Farbintensität selbst bestimmen. Vom milden Pils mit wenig Alkohol bis zum kräftigen, bitteren Bock mit richtig vielen Umdrehungen ist alles möglich. Dem fertigen Bier kann der Kunde dann noch einen Namen geben, der zusammen mit der Konfiguration auf das Etikett gedruckt wird, welches wir hinten auf die Flasche kleben. Die Mindestbestellmenge für individuelles Bier liegt bei drei Flaschen (33,25 Euro). Von ausgesuchten Kreationen kann man aber auch nur eine Flasche bestellen (ab 9,95 Euro).

Woher weiß man, wie das fertige Bier schmecken wird?

Der Konfigurator ist selbsterklärend, zudem gibt es zahlreiche Hinweise. Will man beispielsweise ein Bier mit richtig viel Hopfen haben, heißt es im entsprechenden Feld: "Ein richtig herbes Bier mit einem starkbitteren Nachtrunk. Nichts für Warmduscher." Ein Vorwissen ist also nicht notwendig.

Normales Bier dauert etwa einen Monat, bis es fertig ist. Bei Ihnen wartet man aber nur ein paar Tage. Wie ist das möglich?

Aus vorgebrauten Bieren mischen wir auf Basis eines intelligenten Algorithmus ein Cuvée, das dem Geschmackswunsch des Kunden entspricht. So ähnlich kennt man das ja vom Wein. Durch die wenigen Vorprodukte, die je nach Wunsch in unterschiedlicher Konzentration vermengt werden, ist das Bier immer frisch.

Ihr Unternehmen ging im Mai 2014 an den Start. Wie viele Bestellungen gab es seitdem?

Wir haben mittlerweile mehrere hundert Bestellungen ausgeliefert, sogar schon eine Großbestellung von einem Unternehmen, das ein Jubiläum zu feiern hatte.

Bestellen mehr Männer oder Frauen?

Das hält sich in etwa die Waage - wobei die Frauen die Flaschen häufiger als Geschenk bestellen.

Copyright: Bierzuliebe

Und welche Sorte wird am häufigsten gekauft?
Das ist extrem unterschiedlich. Wir haben denjenigen, der sich mit sieben Prozent richtig die Kante gibt mit 60 Bittereinheiten, das ergibt ein richtig kräftiges, gehaltvolles Bier. Und es gibt diejenigen, die es eher vorsichtig angehen mit vier Prozent Alkohol und wenig Bittereinheiten. Die generelle Tendenz geht aber eher zur Mitte zum klassischen Pils.

Gibt es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern?

Eine Besonderheit ist uns bei den Verkostungen aufgefallen, dort bevorzugten Frauen die milden Biere, also mit wenig Hopfen, dafür aber mit viel Alkohol. Das liegt daran, dass Alkohol dem Bier mehr Vollmundigkeit und etwas Süße verleiht. Bei Männern ist es genau andersrum - weniger Alkohol, dafür herber im Geschmack.

Was passiert, wenn einem Kunden das fertige Bier gar nicht schmeckt?

Das ist bislang nur einmal vorgekommen. Da waren wir kulant und haben den Herrn zurückgerufen und versucht, seinen persönlichen Geschmack herauszufinden und ihm ein neues Bier geliefert. Der Großteil des Feedbacks ist aber positiv.

Schon beim Auspacken des Kartons gibt es eine Überraschung: Das Bier steckt in einer 0,75-Liter-Champagnerflasche.

Unser Bier ist im Premium-Segment angesiedelt und verdient unserer Meinung nach eine besondere Verpackung. Und das Auge trinkt ja bekanntlich mit. Wir haben auch großen Wert darauf gelegt, dass man das Öffnen des Bieres ähnlich zelebrieren kann wie bei einer Wein- oder Champagnerflasche - deshalb gibt es auch einen Naturkorken.

Was planen Sie für die Zukunft?

Derzeit arbeiten wir mit Partnerbrauereien zusammen. Wir planen aber, mittelfristig in eine eigene Anlage zu investieren. Das Marktvolumen für individuelles Bier schätzen wir auf circa vier bis zehn Millionen Euro im Jahr 2014, für das Jahr 2020 erwarten wir ein Volumen von etwa 70 bis 175 Millionen Euro. Deshalb entwickeln wir weitere Individualisierungs- und Konfigurations­möglich­keiten, etwa weitere Biertypen und Aromen oder andere Gebindegrößen. Derzeit experimentieren wir mit einem Fünf-Liter-Partyfass. Und nach unserem WM-Bier ("Vierzuliebe") dürfte zum Oktoberfest sicherlich bald die nächste Sonderedition verfügbar sein.

Das Interview führte Christoph Fröhlich

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