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Trendgetränk Chai: Auf einen Tee ins Café

Indien bietet mehr als Bollywood und Callcenter. Der süße Würztee des Subkontinents erobert die Cafés und verdrängt den Cappuccino. Dahinter steckt das Wissen der Yogis.

Von Alf Burchardt

Es kann so schnell gehen. Wasser kochen, Pulver in den Becher, Wasser drauf, umrühren, fertig ist der Chai. "Hot spicy" steht auf der Packung, ordentlich würzig soll er also sein. Und es ist sogar ein Chai Latte, denn die Mischung enthält 25 Prozent Milchpulver. Zur Zierde empfiehlt der Hersteller, dem Ganzen noch eine Milchhaube aufzusetzen. "Hm", sagt Bernd Friedrich aus Hamburg, Tee-Einkäufer von Beruf. "Ein ordentlicher Chai braucht eigentlich mehr Zeit." Wenn er sich nach Feierabend einen zubereitet, dann … Aber klären wir zunächst einmal den Begriff: In der Türkei, in Russland, Japan und China ist Chai einfach ein Tee, aufgebrüht aus Blättern. Wer dagegen in Westeuropa oder in den USA einen Chai bestellt, will nicht irgendeinen Tee, sondern einen Würztee nach altem indischem Rezept, mit Milch und Honig.

Wenn Milchschaum obendrauf sitzt, tasten sich die Lippen erst mal vorsichtig durch die weiße Krone. Dann kommt die heiße Flüssigkeit mit dem Geschmack von Kardamom, Zimt, Ingwer, Nelken und schwarzem Pfeffer. Wohltuend, die Wirkung. Sie wärmt den Mund und die Speiseröhre und entfacht schließlich im Magen ein kleines Lagerfeuer, das noch glimmt, wenn der Becher schon geleert ist.

Einen Chai to go, bitte

So ein Chai ... "ist einfach lecker", sagt Franziska. Die Schülerin hat sich gerade in einer Hamburger Kaffeebar einen Chai Latte bestellt - zu Hause im Küchenregal ihrer Eltern findet sie leider nur herkömmlichen Tee. Oliver, der hinter ihr in den Schlange steht, findet: "Die Gewürze eines Chai haben einfach mehr zu bieten als ein Schwarztee." Cornelia, die mit Blick auf die Alster vor ihrem Heißgetränk sitzt, ist eigentlich keine Teetrinkerin, "aber Chai Latte ist eine prima Alternative zum Cappuccino".

Und so dampft, was es in Indien an jeder Straßenecke gibt, seit einiger Zeit auch bei uns überall. Keine Kaffeebar kommt mehr aus ohne Chai, ein Teeausschank ohnehin nicht, und "to go" gibt es ihn selbstverständlich auch. "Bei uns", bilanziert Katharina von Hoessle von der US-Kaffeekette Starbucks, "ist innerhalb des vergangenen Jahres der Absatz unserer Chais noch einmal im zweistelligen Prozentbereich gestiegen." Und Uwe Lindner vom Münchner Tee- und Kaffeespezialisten The Victorian House sagt: "Die Einführung des Chai war ein Ereignis wie einst die des Cappuccino oder des Latte Macchiato." Doch warum ist ein Getränk, das die Menschen in Indien seit Jahrhunderten trinken, auf einmal auch bei uns so populär? "Das liegt nicht zuletzt an den vielen Fernreisenden", sagt Lindner. "Die Leute lernen Chai unterwegs kennen und wollen ihn dann auch hier trinken."

Sat Hari Singh lächelt milde. Für ihn ist das alles ein alter Turban. Er hat ein Gebräu aus Kardamom, Zimt, Ingwer, Nelken und schwarzem Pfeffer schon 1972 auf einer Party kennengelernt, da lebte er in seiner Heimatstadt Hildesheim und hieß Klaus Stülpnagel (den Namen kennt nur noch seine Bank). "Ich weiß bis heute, wie mich der Geschmack umgehauen hat", erzählt er. "Das war so völlig anders als alles, was ich zuvor kannte." Jetzt sitzt Sat Hari Singh in einem Hinterhof im Hamburger Stadtteil Eppendorf, gehüllt in weiße Gewänder, um den Kopf einen Turban nach Art der Sikhs, und handelt für die Firma Golden Temple selbst mit dem Wundertrank. Was ihn damals so begeisterte und was er heute selbst unter die Leute bringt, heißt allerdings nicht Chai, sondern Yogi-Tee, benannt nach Yogi Bhajan, einem Weggefährten von Mahatma Ghandi. Der begann Ende der Sechziger durch die westliche Welt zu ziehen und für ein natürliches Leben zu werben. Nach einer jeden Sitzung servierte er noch einen Becher jener Gewürzmischung, die in der indischen Heilkunde Ayurveda schon seit Ewigkeiten Gutes tut. Für die Schüler war es der Tee des Yogi, der Yogi-Tee.

Gewürze, die man mit Milch aufkocht: indische Milchkultur

"Es war die Zeit, als ein Wolf Biermann sang ,Da muss doch noch Leben ins Leben‘", erinnert sich Singh. "Da fand ein riesiger Download aus anderen Kulturen statt." Wenn er von alten Zeiten berichtet, wird der muntere 57-Jährige noch ein bisschen munterer. All die jungen Menschen auf der Suche nach neuen Erfahrungen, all die Experimente in Pop und Politik, mit Psychologie und mit Drogen! Da kamen vor allem aus Indien, wo auch die Beatles unterwegs waren, allerlei Anregungen für Körper und Seele.

Sat Hari Singh erinnert an das sehr überschaubare Teeangebot jener Zeit: ein paar Schwarztees wie Darjeeling oder Kamillen- und Pfefferminztee … und das war es auch fast schon. "Und dann kam so etwas wie Gewürztee! Der auch noch mit Milch getrunken wurde!!" Singh lacht. Was Neugierige entdeckten - kleine Geschichtslektion vom Meister -, war ein Produkt der indischen Milchkultur, schon immer kochten die Menschen dort Gewürze mit Milch auf, den Tee brachten erst die Engländer 1840 aus China ins Land. In den frühen Achtzigern, er war längst nach Hamburg gezogen, arbeitete Singh in einem der vielen Restaurants namens Golden Temple, die ein Jahrzehnt zuvor in Europa und den USA eröffnet hatten. Irgendwann packte die Belegschaft Yogi-Tee mit der Hand ab - für die Gäste und Reformhäuser in der Nachbarschaft. Heute ist Golden Temple eine internationale Firma für Bio- und Naturprodukte mit Hauptsitz in Amsterdam. Der Verkaufsschlager heißt weiterhin Yogi-Tee. Zunächst durfte das Wort Tee nicht auf den Packungen stehen; Produkttäuschung, argwöhnten die Behörden, in Deutschland erwarte ein Kunde beim Wort Tee schwarzen Tee.

Yogi Bhajan kam auf seinen Reisen auch immer wieder in Hamburg vorbei, erzählt Sat Hari Singh. "Er sagte uns: Leute, ihr habt ja keine Ahnung, wie wertvoll dieser Tee ist, wie viel Gutes er tut." Was allein der Ingwer schon ausmache: Seitenweise beschrieben Medizinbücher seine wohltuende Wirkung! Und das Zusammenspiel mit den anderen Kräutern verstärke die Wirkung jedes einzelnen noch. Und was ganz wichtig ist, sagt Singh: "Er schmeckt so gut! Als Medizin würde Yogi- Tee ja keiner gern trinken wollen."

Heute hat Golden Temple 40 Sorten Yogi-Tee im Angebot, zusammen mit Kollegen tüftelt Sat Hari Singh an immer neu- en Mischungen - schließlich hat in Indien auch ein jeder Haushalt sein eigenes Rezept. Und wann, Herr Singh, wurde der Yogi-Tee zum Chai? "Den Namen haben die Traveller mitgebracht. In den spirituellen Zentren, da, wo Yoga praktiziert wird, heißt er heute noch Yogi-Tee, in den Coffee Bars dagegen heißt er Chai."

Das Gesundheitsbewusstsein lässt die Leute zu Yogi-Tee greifen

Aber die Traveller allein können doch nicht die Popularität von Chai erklären? "Dazu hat sicher auch ein Laden wie Starbucks beigetragen." Wie - kein Schimpfen auf den Multi, die mittlerweile überall präsente Kette? Keineswegs, sagt Sat Hari Singh, Starbucks habe schon früh den Gewürztee angeboten und dabei immer Wert auf Zutaten aus kontrolliertem Anbau gelegt. "Und dann kam die Erfolgswelle von Bioprodukten, auch darauf ist der Chai gesurft. Das Gesundheitsbewusstsein lässt die Leute im Reformhaus oder Bioladen immer öfter zu Yogi-Tee greifen."

So, zurück zu Bernd Friedrich. Köchelt er noch? Auf seinem Küchentisch stehen bereit: eine Chai-Mischung, Milch und Ahornsirup - "für mich das Leckerste zum Süßen". Zunächst kocht Friedrich mal einen Liter Wasser auf, dann gibt er zwei Esslöffel Chai-Gewürz in den Topf und lässt es 25 Minuten köcheln. "Erst dann entfalten die Inhaltsstoffe ihre volle Wirkung", erklärt Friedrich. Anschließend gießt er den Chai durch ein Sieb in eine Kanne. Zuerst gibt er heiße Milch, zum Schluss den Ahornsirup in den Becher. Rund 30 Minuten dauert es, bis Bernd Friedrich den ersten Schluck nehmen kann. Er sagt: "So viel Zeit gönne ich mir."

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.