VG-Wort Pixel

Schönheitswettbewerb "Miss France": Frauenrechtlerinnen klagen wegen Diskriminierung

Amandine Petit ist Miss France 2021.
Amandine Petit ist Miss France 2021. Der Schönheitswettbewerb steht in der Kritik.
© AFP
Alle Teilnehmerinnen der "Miss France"-Wahl müssen mindestens 1,70 Meter groß, nicht verheiratet und kinderlos sein. Der Produktionsfirma wird Diskriminierung vorgeworfen.

Die französische Frauenrechtsgruppe "Osez le féminisme" (Wagt den Feminismus) verklagte am Montag zusammen mit drei gescheiterten Kandidatinnen das Unternehmen Endemol Production, das den Schönheitswettbewerb "Miss France" organisiert. Der Vorwurf: Diskriminierung im Sinne des Arbeitsrechts. 

Arbeitsgesetz soll vor Diskriminierung schützen

In einem öffentlichen Statement schreibt die Frauenrechtsgruppe, die "Miss France"-Kandidatinnen würden bei ihrer Beteiligung am Wettbewerb eine Arbeitsleistung erbringen. Deswegen müssten sie auch durch das französische Arbeitsgesetz vor Diskriminierung geschützt werden. Das Gesetz untersagt Diskriminierung von Arbeitnehmer:innen aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der familiären Situation oder auf Basis genetischer Merkmale. Der Schönheitswettbewerb macht allerdings auf seinen Bewerbungsformularen deutlich, dass nur Kandidatinnen teilnehmen dürfen, die mindestens 1,70 Meter groß sind, noch nie verheiratet waren und keine Kinder haben.

Desweiteren wird von den Kandidatinnen verlangt, dass sie keine Haarverlängerungen tragen und weder Tattoos haben, noch rauchen. Nachdem die jungen Frauen zum Schönheitswettbewerb zugelassen wurden, ist es ihnen untersagt, sich körperlich zu verändern, bis der Wettbewerb vorbei ist. Sollte dies doch der Fall sein, droht den Kandidatinnen eine Geldstrafe in Höhe von 5.000 Euro.

Negativer Einfluss auf die Gesellschaft?

In einer Presseerklärung schreibt die Frauenrechtsgruppe "Osez le féminisme": "Abgesehen davon, dass er Frauen zu wirtschaftlichen Zwecken ausbeutet, hat dieser Wettbewerb einen negatativen und rückschrittlichen Einfluss auf die gesamte Gesellschaft." Weiter heißt es, es sei höchste Zeit, dass Endemol Production endlich alle sexistischen Klauseln aus seinem Reglement streicht. "Stoppt diese sexistischen Regeln!" fordert die Vorsitzende der Frauenrechtsgruppe, Alyssa Ahrabare. Die drei gescheiterten Kandidatinnen wurden laut Ahrabare aufgrund ihres "Alters, ihrer Größe, ihres Alkoholkonsums, ihres Rauchens in der Öffentlichkeit und ihrer Tätowierung" vom Wettbewerb ausgeschlossen.

Ob die Klage von "Osez le féminisme" und den drei gescheiterten Bewerberinnen Erfolg hat, hängt nun davon ab, ob die Richter die Bewerberinnen als Angestelle anerkennen. Da die Frauen keinen Arbeitsvertrag bei dem Veranstalter unterzeichnen, hängt viel von der Einschätzung der Richter ab. Allerdings gab es bereits 2013 einen Fall, in dem ein ehemaliger Kandidat von "Mister France" Klage eingereicht, und Recht bekommen hatte. Auf diesen Fall verweist auch die Frauenrechtsgruppe.

Schönheitswettbewerbe trotz Kritik beliebt

Die Klage der französischen Frauenrechtsgruppe ist nicht der erste Fall, in dem Schönheitswettbewerbe in die Kritik der Öffentlichkeit geraten. So wurde bereits im Jahr 2013 in Frankreich beschlossen, Schönheitswettbewerbe für Kinder unter 16 Jahren zu verbieten, um der Sexualisierung von Minderjährigen entgegenzuwirken. 2018 wurden die Organisator:innen von "Miss Ukraine" kritisiert, weil sie der Gewinnerin Veronika Didusenko ihren Titel aberkannten, als sie erfuhren, dass sie Mutter ist. Trotz vieler Kontroversen erfreuen sich Schönheitswettbewerbe nach wie vor großer Beliebtheit. Die "Miss France"-Wahl hatte laut lokalen Medienberichten 2020 die besten Einschaltquoten seit 2006. 

Quellen:  CNN, Spiegel


Mehr zum Thema