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Rettung vor dem Abfluss Brauerei verschenkt 2500 Liter Fassbier – Besucher kommen mit Kanistern und Kannen


Kneipen und Restaurants geschlossen, das Mindesthaltbarkeitsdatum im Nacken: Der Corona-Lockdown bringt auch viele Brauereien in Nöte. Im Allgäu wollte eine Firma ihren Gerstensaft kurz vor Ablauf aber nicht einfach wegschütten.

Einfach wegschütten oder anderen eine Freude machen? Eine Allgäuer Brauerei hat sich für Option zwei entschieden und am Sonntag mehr als 2500 Liter Fassbier kurz vor dem Ablaufdatum an private Haushalte verschenkt. Dass die erst tags zuvor verkündete Aktion derart viele Menschen anlocken würde, hatten die Verantwortlichen der Klosterbrauerei Irsee eigenen Angaben nicht erwartet, allerdings war man dank eines Hygienekonzepts gut auf den Ansturm vorbereitet, wie zunächst das Nachrichtenportal "BR24" berichtete.

Die Warteschlange habe zeitweise von den Parkplätzen bis zur Ausgabe des Bieres gereicht, sagte David Frick, stellvertretender Geschäftsführer des Unternehmens, der "Allgäuer Zeitung". Zwischenfälle oder Verstöße gegen die Hygieneregeln habe es keine gegeben. "Alle Besucher waren sehr vernünftig, sie haben sich an unser Hygienekonzept mit FFP2-Masken gehalten oder die notwendigen Abstände gehalten", wird Frick zitiert. Demnach musste so mancher Bier-Fan bis zu zwei Stunden anstehen, bis es den Gerstensaft gab. 

Brauerei will örtlichen Kindergarten unterstützen

Auch der Bitte, das Bier nicht vor Ort zu konsumieren, seien die teilweise aus München oder Augsburg angereisten Besucher nachgekommen. Uneinigkeit gab es dann offensichtlich nur bei der Wahl des richtigen Behälters. Vom Kanister über Kannen bis hin zur Wasserflasche sei alles dabei gewesen, sagte Frick der "Allgäuer Zeitung". Maximal konnten fünf Liter pro Person mitgenommen werden. 

Dass das traditionsreiche Unternehmen, zu dem neben der Brauerei samt Museum auch ein Gasthof und ein Hotel gehören, überhaupt Freibier im Wert von rund 5000 Euro spendierte, liegt auch an den Auswirkungen des Lockdowns. Brauerei-Gasthof und -Hotel seien geschlossen, andere Betriebe könnten derzeit nicht beliefert werden, so Frick. Weil zudem das Mindesthaltbarkeitsdatum des Fassbiers am Sonntag abgelaufen wäre, entschied sich die Brauerei zum kostenfreien Ausschank. "Es wäre viel zu schade, unser handwerklich und ursprünglich gebrautes Bier wegzuschütten", hatte Frick treue Brauerei-Gäste laut "Allgäuer Zeitung" im Vorfeld via Whatsapp zum Kommen aufgerufen.

Dass letztlich mehr Menschen vorbeischauten als erwartet, wertete Frick als "schönes Zeichen der Solidarität". Die Beschenkten selbst bedankten sich teilweise mit Spenden für die Aktion, von denen wiederum der Kindergarten von Irsee profitieren wird. Laut Frick sollen alle am Sonntag gesammelten Gelder den Kindern zugutekommen, zudem sammle man weiter. Die Verschenk-Aktion indes soll eine einmalige bleiben. "Wir hoffen natürlich, dass es in der Gastronomie bald wieder losgehen kann“, sagte Frick der Lokalzeitung. 

Brauerei-Verband: "Vielen Betrieben droht die Insolvenz"

Während die Klosterbrauerei durch die Aktion den ein oder anderen Bierliebhaber neu für sich gewonnen haben dürfte, machte der Deutsche Brauer-Bund am Montag auf die teils dramatische Lage der Branche aufmerksam. Durch die monatelange Schließung von Kneipen und Restaurants fielen für viele Brauereien "wichtige Einnahmen" weg. "Ware im Wert von vielen Millionen Euro, deren Haltbarkeitsdatum überschritten wurde, musste bereits vernichtet werden“, hieß es in dem Offenen Brief. Neben Gaststätten, Restaurants, Kneipen und Bars fehlten auch Feste als Verkaufsort für Fassbier.

Bei den Hilfsprogrammen gingen die 1500 Brauer nach eigenen Angaben bisher weitgehend leer aus. Viele von ihnen seien handwerkliche Familienbetriebe. "Wenn Bund und Länder hier nicht gezielt, entschieden und schnell mit finanzieller Unterstützung gegensteuern, droht vielen unserer Betriebe die Insolvenz."

Quellen:"Allgäuer Zeitung" / "BR24" / Facebook / mit DPA 

mod

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