Ob Drohnen künftig dabei helfen können, die Kormoran-Population am Bodensee einzudämmen, soll sich Mitte Juli zeigen. Dann sollen laut dem Umweltministerium Ergebnisse von Filmaufnahmen und Gutachten des ersten Testeinsatzes vorliegen. Erst danach fällt die Entscheidung, ob weitere Flüge stattfinden.
Im Kampf gegen die Ausbreitung der Kormorane am Bodensee war eine speziell modifizierte Agrardrohne mit einem mehr als zwei Meter breiten Aufbau und einem rund fünf Meter langen Auslegearm im Einsatz. Damit wurden Eier in hoch gelegenen Nestern im Naturschutzgebiet auf der Halbinsel Mettnau am Untersee mit Öl benetzt. Die Methode soll die weitere Entwicklung der Eier verhindern und so den Bruterfolg der Kormorane verringern.
Bisher blieb es bei einem einzigen Testflug. Denn Drohnenflüge sind laut dem Umweltministerium nur möglich, wenn die Kormorane Eier gelegt haben und noch keine Jungvögel geschlüpft sind. "Dies ist in jedem Jahr nur in einem kurzen Zeitraum zwischen ca. Mitte März und Mitte/Ende April möglich. Inzwischen sind Jungvögel geschlüpft, weshalb laut dem Ministerium keine Flüge mehr möglich sind", sagte eine Behördensprecherin.
Bringt das Ganze überhaupt etwas?
Noch ist offen, ob die Methode überhaupt praktikabel ist. Die Fachleute wollen nun klären, wie gut die Nester mit der Drohne erreichbar waren, ob die Eier gezielt behandelt werden konnten und wie viele Nester pro Akkuladung geschafft werden können. Auch biologische Fragen spielen eine Rolle: Wann genau legen die Kormorane ihre Eier – und lässt sich der Schlupf durch das Einölen tatsächlich verhindern?
Die Kosten für das dreijährige Projekt liegen laut früheren Angaben des Ministeriums bei etwa 900.000 Euro. Nach letzten Zahlen der Landesanstalt für Umwelt gibt es mehr als 1.800 Kormoran-Brutpaare in Baden-Württemberg (2024), ein Großteil davon brütet in Kolonien am Bodensee. Das Projekt ist Teil eines Interreg-Programms zum Schutz gefährdeter Fischarten wie Äsche, Nase oder Bachneunauge.