Der Hype um Silber und politische Weichenstellungen etwa in den USA und China erhöhen aus Sicht von Branchenkennern den Handlungsdruck in der EU. Die EU und damit auch Deutschland sollten Silber so schnell wie möglich ebenfalls als kritischen Rohstoff einordnen, da er für die Wirtschaft unerlässlich und gerade auch für die Energiewende ausgesprochen wichtig sei, erklärte Wolfgang Wrzesniok-Roßbach von der auf Edelmetallthemen spezialisierten Unternehmensberatung Fragold in Dietzenbach.
York Tetzlaff, Chef des Branchenverbandes Fachvereinigung Edelmetalle mit Sitz in Pforzheim, sieht ebenfalls einen "wirtschaftspolitischen Handlungsauftrag" für die EU: Mit Instrumenten wie dem Critical Raw Materials Act (CRMA) müssten auch für Silber Recycling, Verarbeitungskapazitäten und die Diversifizierung der Lieferketten deutlich schneller vorangebracht werden, um Abhängigkeiten zu reduzieren und die Versorgung zentraler Zukunftsindustrien mit Silber abzusichern.
Preissteigerungen und Engpässe zu erwarten
Die Nachfrage wachse vor allem durch die Energiewende, Photovoltaik, Elektrofahrzeuge und Künstliche Intelligenz, während das Angebot nur wenig ausgeweitet werden könne, erläuterte Tetzlaff. "Das macht steigende Durchschnittspreise wahrscheinlich, allerdings bei hoher Volatilität."
Jedoch gebe es auch Risiken: So könnte eine schwache Weltkonjunktur das Wachstum dämpfen, während ein starker US-Dollar den Preis für Nicht-Dollar-Anleger verteuere. "Auch geopolitische Aspekte spielen eine immer stärkere Rolle: So kontrolliert China zunehmend die Versorgung, während die USA Silber strategisch sichern", erläuterte Tetzlaff. Diese und andere Entwicklungen trieben die Preise nach oben und verschärften bereits bestehende Versorgungsengpässe für Industrie und Technologie weltweit.
Lockerungen für Anleger?
"An irgendeinem Punkt muss dann auch diskutiert werden, ob Deutschland nicht vielleicht eine staatliche Reserve in diesen Metallen anlegen müsste, wie dies andere Industriestaaten zum Teil machen", ergänzte Edelmetall-Berater Wrzesniok-Roßbach. "Ich bevorzuge allerdings eher eine privatwirtschaftliche Lösung."
Der Staat sollte demnach Anlegern die Geldanlage in diesen kritischen Metallen so weit wie möglich erleichtern und so Finanzierungs- und Preisrisiken auf die Anleger verlagern. "Das würde Steuergelder für den Kauf und die Verwaltung sparen", so der Fachmann. Und Anleger trügen gerne das Risiko, wenn die Rahmenbedingungen stimmten.
Dazu könnte nach Ansicht des Edelmetall-Beraters gehören, die Mehrwertsteuer für Münzen und Barren aus Silber und den Platinmetallen – wie bei Gold schon der Fall – abzuschaffen. Auch könnten zur Lagerung von Anlagemetallen sogenannte Zollfreilager als mögliche mehrwertsteuerfreie Räume gefördert werden.