Kriminalität Grenzenlose Eifersucht: Das 30-stündige Martyrium einer Frau

Der Mann steht er unter anderem wegen versuchten Mordes und Freiheitsberaubung vor Gericht. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Der Mann steht er unter anderem wegen versuchten Mordes und Freiheitsberaubung vor Gericht. Foto
© Bernd Weißbrod/dpa
Mehrere Tage lang soll eine Frau in der Gewalt ihres vorbestraften Ex-Partners gewesen sein. Sie wird schwer verletzt, bevor sie fliehen kann. Wie erklärt sich der Angeklagte die Taten?

Mehr als 30 Stunden soll das Martyrium jener Frau gedauert haben, die im vergangenen Sommer verzweifelt um ihr Leben kämpfte. Getrieben von blinder Wut und schier grenzenloser Eifersucht soll ein Mann seine Ex-Freundin nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft entführt, misshandelt und fast nackt durch die Innenstadt von Künzelsau gezerrt haben, wie die Staatsanwaltschaft dem 29-Jährigen zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Heilbronn vorwarf. Erst zwei Tage später war der schwer verletzten Frau die Flucht gelungen.

Dem vorbestraften Mann mit deutscher und algerischer Staatsbürgerschaft werden unter anderem versuchter Mord und Freiheitsberaubung vorgeworfen. "Ich gebe die Taten alle zu", sagte er vor Gericht. "Ich wollte sie aber nicht töten, das war nicht meine Absicht." Seine wiederholten brutalen Ausfälle erklärt er mit anhaltendem Drogenkonsum. "Ich schäme mich für mein Verhalten", sagte er.

Weltbild in Schieflage

Der Angeklagte sei "im vehement übersteigerten Maße eifersüchtig" gewesen, warf ihm die Staatsanwaltschaft in seiner Anklage vor. Die Beziehung zu seiner Freundin sei damals geprägt gewesen von einem "dominanten Über- und Unterordnungsverhältnis". Die Frau sei immer wieder "bestraft", geschlagen und misshandelt worden, weil sie vermeintliche Beziehungsverfehlungen begangen habe - unter anderem mit einer Stabtaschenlampe und einem Staubsaugerrohr, wie es weiter hieß.​

Dennoch habe die Frau nach einer ersten Trennung den Kontakt erneut aufgenommen und mindestens eine Nacht in einem Hotel verbracht. Mitte Juni zog sie schließlich endgültig einen Schlussstrich unter die Beziehung und suchte Schutz in einem Frauenhaus. Dort habe sie der Ex-Partner während ihrer Raucherpause entführt. "Es ging ihm darum, sein in Schieflage geratenes Weltbild wieder geradezurichten", sagte der Staatsanwalt.​

Nach ihrer Flucht hatte sein mutmaßliches Opfer in der zweiten Nacht in Gewalt ihres Peinigers einen Notruf absetzen und die Polizei zu einer Gartenhütte in Künzelsau führen können, heißt es in der Anklage weiter. Dort war der Mann aus Pforzheim festgenommen worden.

Eskalation in Beziehungen

Der Fall aus Künzelsau ist kein Einzelfall. Nach Überzeugung von Experten birgt der Trennungsmoment das höchste Risiko für ausufernde Gewalt. 2024 wurden in Deutschland über 265.000 Menschen Opfer häuslicher Gewalt – ein Höchststand seit Beginn der Erhebung. Die meisten waren Frauen und lebten in Partnerschaften. 

Auch in Baden-Württemberg legten die Zahlen zu. Nach Angaben des Innenministeriums sind im Jahr 2024 mehr als 18.500 Mädchen und Frauen von Partnern, Ex-Partnern oder Verwandten misshandelt worden. Im Schnitt sind das mehr als 50 pro Tag – und das ist nur die bekannte Zahl, weil bei weitem nicht jede Tat angezeigt wird. Insgesamt 135 Frauen und Mädchen wurden im Südwesten 2024 Opfer eines versuchten oder vollendeten Tötungsdeliktes – 29 mehr als im Vorjahr.

dpa