Notfallrucksack, Kartenspiel und Konserven - in einer AG lernen Schülerinnen und Schüler in Winnenden (Rems-Murr-Kreis), wie sie sich auf den Notfall vorbereiten können. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Florian Hambach, der selbst Katastrophenschützer bei den Maltesern ist, sprechen die Jugendlichen aus den Klassen 8 bis 12 über Gepäck und Vorrat für den Krisenfall. Die AG am Georg-Büchner-Gymnasium ist ein Pilotprojekt der Malteser.
Zuletzt hatte der Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz, durch den rund 100.000 Menschen zeitweise ohne Strom und Heizung waren, das Thema Krisenvorsorge wieder aufgebracht. Unbekannt sind den Schülerinnen und Schülern der AG solche Krisen nicht. So ist das Katastrophen-Hochwasser in ihrer Region von 2024 bei mehreren Schülerinnen und Schülern ein Grund bei der AG mitzumachen.
Im Umfeld von Matilda (13) und Lara (15) seien damals bei mehreren Bekannten die Keller vollgelaufen, erinnerten sich beide. "Und seitdem dachte ich mir dann: Ja, wäre es nicht vielleicht schlau, wenn man sich ein bisschen mehr darüber informiert?", sagte Lara. Ähnlich sieht das der 13-jährige Simon. "Ich finde, da sollten wir in Zukunft besser vorbereitet sein", sagte er. Durch den Klimawandel könne so was in Zukunft öfter passieren.
Kiloweise Konserven und literweise Milch
In der AG lernen die Jugendlichen, was sie alles in einen Notfallrucksack packen sollten und wie sie sich einen Notvorrat anlegen. Bei einem Ausflug in einen Supermarkt kaufen sie gemeinsam für eine vierköpfige Familie ein. Im Einkaufsladen landen große Mengen haltbare Lebensmittel - darunter zehn Packungen Fertigsuppen, zwölf Kilogramm Konservendosen und acht Liter Milch.
Aber auch Beschäftigung gehöre zu den Dingen, die die Schüler aus der AG mitnehmen können. Im Gespräch komme oft auf "Ach, TikTok funktioniert dann gar nicht mehr. Was mache ich denn in meiner Freizeit dann?", so AG-Lehrer Hambach. Vielleicht fange man dann wieder ein Kartenspiel an.
Auch Innenminister für Krisenvorsorge in der Schule
Auf Bundesebene sprach sich auch Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) dafür aus, junge Menschen in Schulen auf Krisenfälle vorzubereiten. "Mein Vorschlag ist, dass in einem Schuljahr in einer Doppelstunde mit älteren Schülern darüber diskutiert wird, welche Bedrohungsszenarien es geben kann und wie man sich darauf vorbereitet. Kinder sind wichtige Wissensträger in die Familien hinein", sagte er im vergangenen Oktober dem "Handelsblatt".
In Baden-Württemberg gibt es seit dem Schuljahr 2023/2024 jährlich einen verpflichtenden Aktionstag für sechste Klassen. Für Florian Hambach ein Startpunkt, "aber um das Ganze nachhaltig zu machen, müssen wir das über ein Schuljahr hinweg mal an die Schüler ranbringen".