Die Bamberger Symphoniker feiern ihre Gründung vor 80 Jahren. An diesem Mittwoch (18. März) findet deshalb die Gala der International Classical Music Awards (ICMA) in Bamberg statt. Das Orchester ist weltweit gefragt, spielt mit Weltstars der Klassik, trägt den Titel Staatsphilharmonie - und doch weiß man, dass klassische Musik auf höchstem Niveau kein Selbstläufer mehr ist. Was also braucht es, damit die nächsten acht Jahrzehnte auch gut gelingen?
In der Gesellschaft werde Kultur nicht mehr per se hochwertiger gegenüber anderen Freizeitangeboten gesehen, hat Intendant Marcus R. Axt beobachtet. "Vor 20 Jahren war das noch anders. Jetzt sind wir, pointiert gesagt, auch ein Teil der Entertainmentbranche. Aber wir haben natürlich auch Werte, die uns tragen, und die wir auch weitergeben wollen." Ein eigenes Profil und eine gesellschaftliche Relevanz zu haben, sei wichtig.
Wie bekommt man die Jugend ins Konzert?
Für eine gesicherte Zukunft müssen auch junge Menschen als Zuhörer gewonnen werden. Jugendkonzerte habe es schon immer bei den Symphonikern gegeben, sagt Axt. Früher habe man einfach das Symphoniekonzert des Vorabends am nächsten Tag nochmals fürs jüngere Publikum gespielt. "Das geht heute nicht mehr." Die Angebote seien inzwischen maßgeschneidert für die jeweilige Altersgruppe - von Kissenkonzerten für Kita-Kinder über die "Slam Symphonie" für Studierende und Azubis.
Auch die Werbung dafür sei aufwendiger geworden. "Aber es lohnt sich – wenn man einen Saal voll hat mit jungen Menschen, die noch nie im Konzert waren und die dann vielleicht auch wiederkommen." Und Kunstminister Blume ist überzeugt: "Klassik bewegt, begeistert und inspiriert Menschen jeden Alters."
Wie kann die Finanzierung in Zukunft gelingen?
Seit 2014 darf sich die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft immaterielles Unesco-Weltkulturerbe nennen. Nach Angaben der deutschen Musik- und Orchestervereinigung Unisono gibt es fast 130 professionelle Orchester. Doch nicht wenige von ihnen stehen unter Druck, gerade wenn die öffentlichen Kassen leer sind.
Intendant Axt bezeichnet seine Symphoniker als sehr stabil finanziert vom Freistaat Bayern, aber auch von der Stadt Bamberg, dem Regierungsbezirk Oberfranken und dem Landkreis; dafür sei man sehr dankbar. "Das ist unsere Grundfinanzierung. Ohne sie geht es nicht."
Doch man müsse darauf reagieren, dass die öffentlichen Haushalte nicht mehr die gleichen Möglichkeiten habe wie noch vor einigen Jahren. Man müsse Sponsoren finden, was im Falle Bambergs schwer sei, weil es hier kaum große Unternehmen gebe. Großstädte hätten es da leichter. "Bei uns ist es ein Thema eher von Privatpersonen, von Mäzenen, von Menschen eben, die dem Orchester schon lange verbunden sind, teils schon seit Jahrzehnten. Sie verstehen, dass es wichtig ist, wenn man für besondere Projekte oder auch für die Zukunftssicherung privates Geld gibt."
Die Symphoniker bauen dazu gerade eine Förderstiftung auf. Laut Axt wäre dies eine zusätzliche Kasse für schlechte Zeiten oder wichtige Projekte. Aber das könne nur eine Ergänzung sein zur Grundsicherung durch die öffentliche Hand. "Denn: Was dort gekürzt und abgeschafft wird, braucht Jahrzehnte, bis es wieder aufgebaut ist. Deutschland hat eine reiche Kulturlandschaft, wir sollten sie bewahren."
Was ist mit der inzwischen allgegenwärtigen KI?
Ob die klassische Musik die letzte Insel ohne Künstliche Intelligenz (KI) ist? Marcus R. Axt sagt dazu: "Ich glaube, im Moment sind wir das wirklich." Versuche, die es gegeben habe, die KI komponieren zu lassen, hätten gezeigt, dass es nicht funktioniere und nur Erwartbares zusammengebaut werde. "Das ist ja genau das Gegenteil von dem, was die großen Komponisten durch die Jahrhunderte gemacht haben. Sie haben nämlich eigenständige Kreativität und Genialität dazu verwendet, um Neues zu schaffen. Das ist das, was wir bewundern."
Weiter sagt Axt: "Und ich glaube auch, das Gemeinschaftserlebnis, dass man mit 2.000 Menschen zusammen in einem Saal sitzt und gemeinsam ein Konzert anhört, das im Hier und Jetzt stattfindet und nicht wiederholt werden kann – das ist etwas, das selten geworden ist."
Wohin geht die Reise?
Das Profil der Symphoniker speist sich auch daraus, dass sie weltweit aktiv sind. Sie sind ein Reiseorchester - oder, wie es der bayerische Kunstminister Markus Blume (CSU) formuliert: "Bayerns musikalischer Botschafter in der Welt". Mehr als 7.500 Konzerte in mehr als 500 Städten habe das Orchester in den vergangenen Jahrzehnten absolviert.
64 Länder haben die Symphoniker bislang bereist. Unter anderem ging es 23 Mal nach Asien. Man werde das Reisen fortsetzen, verspricht Axt, auch wenn die wirtschaftliche Lage schwieriger geworden ist.
"Wenn ich nach Japan schaue und auf die ökonomische Situation dort, so ist es deutlich komplizierter, dorthin zu reisen als früher. Wenn ich in die USA schaue: Die politischen Gründe betreffen uns weniger, aber es gibt finanzielle Herausforderungen, und alleine die Visa-Prozeduren machen das Reisen sehr viel schwieriger als früher", schildert Axt.
"Auch Südamerika ist im Moment überhaupt nicht denkbar, weil es dort weder Sponsoren gibt, noch könnte sich das Publikum Konzertkarten für ein internationales Gastorchester leisten."
Trotzdem wollen die Symphoniker mit guter Planung als Weltorchester präsent bleiben. "Denn wir füllen diese wichtige Funktion der Kulturdiplomatie seit Gründung des Orchesters aus", sagt der Intendant. "Und ich glaube, gerade in dieser momentanen eher unübersichtlichen Weltlage ist es das, was wir eigentlich noch mehr fokussieren müssen, um zu zeigen: Es gibt Bereiche, wo man miteinander in Kontakt kommen kann. Musik verbindet – auch Menschen, die nicht die gleiche Sprache sprechen. Das sind gerade jetzt Dinge, die wir anbieten müssen: eine Art weiche Diplomatie, soft power."