Unweit der laufenden Suche nach Erdgas in der Gemeinde Reichling unweit des Ammersees könnte es schon bald eine weitere Gasbohrung geben. Das teilte die Umweltschutzorganisation Greenpeace unter Berufung auf Unterlagen des Bergamts Südbayern mit. Auszüge aus den Akten liegen auch der Deutschen Presse-Agentur in München vor. Demnach soll auf einem bisher landwirtschaftlich genutzten Grünland 700 Meter östlich des Ortes Gimmenhausen nach Gas gesucht werden.
Greenpeace warnt vor "bayerischem Texas"
"In Reichling treten unsere schlimmsten Befürchtungen ein. Die Unternehmen rund um den kanadischen Investor MCF Energy wollen die Erdgasausbeutung auf die gesamte Region ausweiten. Aus dem wunderschönen Lechrain-Gebiet soll ein bayerisches Texas werden", sagte Saskia Reinbeck von Greenpeace.
Hinter dem Vorhaben steht erneut das Unternehmen Genexco, Anteilseignerin der Betreibergesellschaft des laufenden Gasprojektes Kinsau 1A in Reichling. Für den geplanten Bohrplatz wurde bereits ein Grundstücksnutzungsvertrag geschlossen. Das Bergamt stellte am 29. April fest, dass zur Errichtung des Bohrplatzes und einer Bohrung keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig sei. Damit kann das Unternehmen nun einen Hauptbetriebsplan anfertigen und zur Genehmigung einreichen.
Bohrung soll 3.300 Meter tief gehen
Geplant ist den Unterlagen zufolge eine etwa 3.300 Meter tiefe Bohrung auf einem Bohrplatz von einer Größe von 10.000 Quadratmetern, der teilweise in einem Wasser sensiblen Bereich liegt und sich im Einzugsgebiet der Wasserversorgung der Gemeinde Maisach (tief) befindet.
Die laufende Suche nach Erdgas in Reichling wird von massiver Kritik von Anwohnern begleitet. Von Anfang an hatte es etwa die Sorge gegeben, dass die Trinkwasserquelle verunreinigt werden könnte. Zwischenzeitlich hatten Messungen im Umfeld der Bohrstelle einen signifikanten Anstieg von den Parametern von Zink, Barium und BTEX mit teils deutlicher Überschreitung der "Geringfügigkeitsschwellenwerte" (GFS) festgestellt.
Erste Probebohrung endete im September 2025
Hinter den Förderplänen steht die Energieprojekt Lech Kinsau 1 GmbH. Nachdem die Probebohrung im September 2025 abgeschlossen werden konnte, laufen derzeit Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit des Projektes. Das Unternehmen plante bisher eine Gasförderung über 10 bis 15 Jahre. Es wird eine Gasmenge von 400 bis 500 Millionen Kubikmetern vermutet.
"Neue Erdgasbohrungen ketten uns für weitere Jahrzehnte an fossile Brennstoffe und bremsen uns auf dem Weg zu mehr Unabhängigkeit, Souveränität und Sicherheit" kritisierte Reinbeck. Sie forderte, Deutschland müsse schnellstmöglich unabhängig von Erdgas werden und stattdessen auf Energie aus Sonne, Wind und Erdwärme setzen.