In Bayern haben vergangenes Jahr deutlich mehr Firmen und Verbraucher Insolvenz angemeldet. Insgesamt stieg die Zahl der Insolvenzverfahren um 11 Prozent auf 14.873, wie das Landesamt für Statistik mitteilt. Das ist der dritte Anstieg in Folge und der höchste Wert seit 2014.
Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen stieg mit 14,5 Prozent auf 7.430 sogar noch etwas schneller. Es war der höchste Wert seit 2016. Bei den Unternehmensinsolvenzen stieg die Zahl um 10,7 Prozent auf 3.316 und damit den höchsten Wert seit 2011.
Starker Anstieg im Gastgewerbe
Besonders stark stieg die Zahl der Insolvenzen im Gastgewerbe, wo sie um fast die Hälfte auf 387 Verfahren zulegte. Doch auch das Verarbeitende Gewerbe war mit einem Zuwachs von 22,4 Prozent auf 268 stark betroffen.
Die meisten Firmeninsolvenzen betrafen den Bereich Dienstleistungen, hier stieg die Zahl allerdings nur um 4,1 Prozent auf 1.155. Dahinter folgen das Baugewerbe mit einem Anstieg um 12 Prozent auf 510 Anträge sowie Handel und Autowerkstätten, die gemeinsam gezählt werden, mit einem minimalen Anstieg um 0,4 Prozent auf 470 Insolvenzverfahren.
Zehntausende Arbeitnehmer betroffen
Die Firmeninsolvenzen betrafen 27.991 Arbeitnehmer - gut 5.000 weniger als vor einem Jahr. Allerdings lagen die zu erwartenden Forderungen aus den Firmeninsolvenzen mit 16,7 Milliarden Euro bei mehr als dem doppelten des Vorjahreswertes. Seit Beginn des Jahrtausends war dieser Wert nur 2020 höher.
Die Unternehmensinsolvenzen verteilen sich dabei sehr ungleich über Bayern. In Mittelfranken sank ihre Zahl um 13,7 Prozent während sie in der Oberpfalz um 46,4 Prozent zulegte. In Oberfranken ging es um 34,1 Prozent nach oben, in Unterfranken um 29,5 Prozent.
Wirtschaft besorgt
Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) sieht den Anstieg der Unternehmensinsolvenzen als "Alarmsignal für die schwierige Lage unseres Standorts". Insbesondere der Anstieg bei der Industrie sei kritisch, sagt Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. "Unser Standort ist im Moment schlicht nicht wettbewerbsfähig. Jetzt gilt es, unsere Anstrengungen für eine strukturelle Reform des Wirtschaftsstandorts deutlich zu erhöhen." Dieses Jahr müsse der wirtschaftliche Umschwung gelingen. "Wir sind überzeugt, dass wir wieder eine wettbewerbsfähige und starke Volkswirtschaft werden können – wir brauchen aber den nötigen Mut für echte Reformen."