Kundgebung
Demonstration gegen sexualisierte Gewalt

Demonstranten protestieren gegen sexualisierte Gewalt. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Demonstranten protestieren gegen sexualisierte Gewalt. Foto
© Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Etwa 250 Menschen gehen in München gegen sexualisierte Gewalt auf die Straße. Warum sie für Betroffene noch immer zu wenig Schutz sehen - und was Rednerinnen noch kritisierten.

Mit 15.000 Teilnehmern bei einer Demonstration gegen sexualisierte Gewalt hatten die Veranstalter gerechnet - nach Polizeiangaben waren es dann nur rund 250 Menschen. Immerhin sei die "stabile feministische Kerngruppe" in München gekommen, begrüßte eine Organisatorin die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, nach ihren Angaben waren es bis zu 600 Menschen.

Zu der Demonstration unter dem Motto "Gegen patriarchale Gewalt – für ein Ende der Unterdrückung" hatte die Grüne Jugend München aufgerufen. "Ob häusliche Gewalt, sexualisierte Übergriffe, strukturelle Benachteiligung oder gesellschaftliche Machtverhältnisse: Patriarchale Strukturen durchziehen weiterhin alle Lebensbereiche und betreffen Menschen tagtäglich", so die Veranstalter. 

Zu einer fast zeitgleichen Demo in Berlin kamen unter dem Motto "Es reicht! Sexualisierte Gewalt stoppen" laut Polizei etwa 200 Menschen, die Veranstalter sprachen von rund 800 Menschen. Solche Proteste zum Teil mit deutlich mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat es in den vergangenen Wochen mehrfach gegeben. 

 

 

Erneut ein Thema war auch der Fall der Moderatorin Collien Fernandes. "Das, was Collien Fernandes passiert ist, ist kein Einzelfall", sagte Rednerin Karolina Saller. Sie kritisierte auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der nicht verstehe "dass Gewalt gegen Frauen nicht auf migrantisierte Männer geschoben werden kann". 

Besserer Schutz gefordert 

Trotz wachsender gesellschaftlicher Aufmerksamkeit und einzelner politischer Maßnahmen blieben grundlegende Veränderungen aus, kritisierten Rednerinnen. In einem symbolischen Akt beerdigten die Aktivistinnen das Patriarchat, an einem Grabstein aus Pappe wurden Blumen niedergelegt.

"Solange Betroffene nicht ausreichend geschützt werden und Täter oft ohne Konsequenzen bleiben, ist es unsere Verantwortung, laut zu sein und Widerstand zu organisieren", erläuterte Grüne Jugend-Sprecherin Aylin Zara Krüger laut Mitteilung. 

Vorwürfe gegen Schauspieler Ulmen

Ein Auslöser der Debatte über digitale Gewalt sind Vorwürfe der Moderatorin und Schauspielerin Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der "Spiegel" berichtet hatte. Sie wirft Ulmen vor, über Fake-Profile in ihrem Namen pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte an, gegen die "initiale Berichterstattung" des "Spiegels" gerichtliche Schritte einzuleiten.

dpa