Bilanz und Ausblick Sinkende Arbeitslosigkeit im Norden erwartet

Bundesweit rechnet der Chef der Regionaldirektion Nord mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von rund einem Prozent. Foto
Bundesweit rechnet der Chef der Regionaldirektion Nord mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von rund einem Prozent. Foto
© Felix Müschen/dpa
Trotz aktuell mehr Arbeitslosen bleibt der Norden robust. Im Vergleich mit dem Bundesschnitt sieht die Bundesagentur für Arbeit eine positive Entwicklung für das laufende Jahr.

Der Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit erwartet für 2026 einen Rückgang der Arbeitslosenzahl in Schleswig-Holstein. Markus Biercher prognostiziert, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt um 0,1 Prozent sinken wird. 

Zudem steige die Beschäftigungsrate in diesem Jahr um 0,1 Prozent, erklärte Biercher bei einer Pressekonferenz in Kiel, die Bilanz und Ausblick des Arbeitsmarktes thematisierte. Dabei werde der Zenit der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen im Norden gegen Mitte des Jahres erreicht - dann könne es zu einem leichten Rückgang kommen. "Das ist vor allen Dingen ein Ergebnis des demografischen Wandels", sagte Biercher.

Gleichzeitig werde das von Bund und Kommunen auf den Weg gebrachte Investitionspaket Wirkung entfalten - auch auf dem Arbeitsmarkt. Bundesweit rechnet der Chef der Regionaldirektion Nord mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von rund einem Prozent. Auf einzelne Bundesländer lasse sich diese Prognose jedoch nicht übertragen.

Bilanz des Arbeitsmarktes 2025

Insgesamt sei 2025 der Arbeitsmarkt im Norden stabil gewesen. "Noch nie waren so viele Menschen in Schleswig-Holstein sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie im vergangenen Jahr", betonte Biercher. Und zwar 1.062.800 - dies seien 4.300 oder 0,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 

Gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitslosen um 3.400 oder 3,7 Prozent auf etwa 96.000. "Das ist aber eine Größenordnung, die deutlich unter der des Bundes liegt und zeigt, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse hier in Schleswig-Holstein nach wie vor ausgesprochen robust sind", erklärte der Chef der Regionaldirektion Nord. Bundesweit nahm die Arbeitslosigkeit im Schnitt um 5,8 Prozent zu. 

Fachkräftemangel immer noch ein akutes Problem

Mit Blick auf die Fachkräftesicherung mahnte die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Nord, Laura Pooth, davor soziale Standards nicht infrage zu stellen. "Debatten über den Abbau sozialer Rechte helfen werden dem Arbeitsmarkt noch der Wirtschaft", sagte sie. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssten alle Menschen die Chance erhalten, Teil der Lösung sein zu können.

Der Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbandes Hamburg und Schleswig-Holstein (UV Nord), Michael Thomas Fröhlich, warnte davor, die aktuell gedämpfte Lage falsch zu interpretieren. Sobald die Konjunktur anziehe, beginne der Wettlauf um die besten Köpfe. Deshalb müsse die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland erleichtert werden, um Geflüchtete schneller für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren und ihnen eine klare Bleibeperspektive bieten.

dpa