SPD mit großen Reformzielen Ott will NRW-Schulsystem radikal umbauen

Jochen Ott, der designierte Spitzenkandidat der NRW-SPD für die Landtagswahl 2027, strebt einen tiefgreifenden Umbau des Schulsy
Jochen Ott, der designierte Spitzenkandidat der NRW-SPD für die Landtagswahl 2027, strebt einen tiefgreifenden Umbau des Schulsystems an. Foto
© Oliver Berg/dpa
Zu viele Schulformen, zu viele Verlierer? Die SPD will das Schulsystem im Falle eines Wahlsiegs 2027 in NRW auf zwei Säulen stellen. Was das für die Schüler bedeuten würde.

Der designierte SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027, Jochen Ott, will im Falle eines Wahlsiegs ein zweigliedriges Schulsystem in Nordrhein-Westfalen einführen. Bis zum Ende der nächsten Wahlperiode im Jahr 2032 strebe er ein Schulsystem an, das nach den Grundschulen im Wesentlichen nur noch Gymnasien und Gesamtschulen haben solle, kündigte Ott in Düsseldorf an. Die Forderung ist Teil eines Positionspapiers, das der SPD-Landesvorstand am Wochenende beschlossen hatte.

Derzeit gibt es in NRW zahlreiche Schulformen, die unter anderem neben Haupt-, Real-, Sekundar- und Berufsschulen noch eine Reihe von experimentellen Formen beinhalten, wie etwa Gemeinschafts- oder Primus-Schulen. Bei letzteren bleiben die Kinder von Klasse 1 bis 10 ohne Schulwechsel zusammen. 

Der Versuch läuft seit 2013/2014. Aktuell gibt es das Angebot noch in Minden, Münster, Schalksmühle, Titz und Viersen. Es sei zu prüfen, ob das weiterentwickelt werden sollte, sagte Ott.

Klar sei, dass es eine solche gravierende Schulreform nicht von heute auf morgen geben werde und jeder einen Anspruch darauf habe, seinen Bildungsgang zu beenden. Klar sei aber auch, dass eine Reform angestoßen werden müsse. "Kein Mensch versteht mehr dieses Schulsystem", sagte der ehemalige Oberstudienrat. "Wir haben so viele Schulformen, dass nicht einmal die Schulministerin noch alle aufzählen kann."

Jedes Jahr müssten enorm viele Kinder in weiter unten rangierende Formen der Schul-Hierarchie "abgeschult werden". Jeder fünfte Schulabsolvent sei nicht in der Lage, direkt in eine berufliche Ausbildung zu gehen. 

"Wir wollen das Schulsystem wieder in Ordnung bringen", sagte Ott. "Es gibt zu viele Kinder, die verlieren, und zu viele Eltern, die nicht wissen, wo sie ihre Kinder gut unterbringen können."

Ott will im Falle eines Wahlsiegs auch für den "handyfreien Vormittag" an Schulen sorgen. "Wir wissen aus wissenschaftlichen Untersuchungen, dass es für Kinder extrem wichtig ist, dass sie analoge Zeiten haben." Wie das im Einzelnen umzusetzen sei, darüber werde noch zu reden sein. Eine SPD-geführte Landesregierung wolle in solchen strittigen Fragen aber Verantwortung übernehmen, statt alles nach unten zu delegieren.

dpa