Erneuerbare Energien
Goldschmidt: "stille Sabotage" aus Berlin bei Energiewende

Die Branche sieht die Energiewende durch Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums ausgebremst (Archivbidl). Foto: Marcus Brandt/d
Die Branche sieht die Energiewende durch Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums ausgebremst (Archivbidl). Foto
© Marcus Brandt/dpa
Branchenvertreter und Politiker im Norden kritisieren beim Windbranchentag in Husum geplante Reformen des Bundes bei der Energiewende. Warum sie einen Netzgipfel für dringend notwendig halten.

Die Erneuerbare-Energien-Branche in Schleswig-Holstein wirft Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vor, Investitionen in Wind-, Solar- und Bioenergie zu gefährden. Noch sei keines der Gesetzespakete offiziell, aber man müsse schon davon ausgehen, dass das die Linie sei, sagte die Präsidentin des Bundesverbands WindEnergie BWE, Bärbel Heidebroek, bei einer Pressekonferenz auf dem Windbranchentag in Husum

Man sei in der zweiten Energiekrise innerhalb von vier Jahren und immer noch viel zu abhängig von fossilen Energieimporten. Statt aber die Erneuerbaren Energien zu stärken, bewirkten die bisher bekannten Pläne Reiches eher das Gegenteil, befürchtet Heidebroek. 

Reiche plant bei der Energiewende Reformen, um Kosten zu sparen. Sie will unter anderem den Ausbau der erneuerbaren Energien an den Ausbau der Stromnetze anpassen. Die Problemdefinition sei zwar richtig, dass es Probleme beim Netzausbau gebe, sagte Heidebroek. Diese seien das Nadelöhr. Ihrer Ansicht nach müsse aber hier angesetzt werden. "Wir bräuchten Stromautobahnen, haben aber Schotterpisten." Da müsse man ansetzen und die Netze schnellstmöglich modernisieren und digitalisieren. Die Branche wünsche sich einen erneuten Netzgipfel mit allen relevanten Akteuren, um konstruktiv Lösungen zu finden.

"Stille Sabotage aus Berlin"

Kritik an den Plänen von Bundesministerin Reiche kam auch von Schleswig-Holsteins Umwelt- und Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne). In Berlin werde gerade durch Unsicherheiten, die geschürt werden, eine stille Sabotage der Energiewende vorbereitet, sagte der Minister. 

Aus diesem Grund sei es auch so wichtig, dass hier in Husum so viele Menschen zusammengekommen seien, die auf die Wertschöpfungspotenziale der Branchen hinweisen. Die Energiewende sei das Schleswig-Holstein-Projekt. "Wir haben das als Koalition unter der Überschrift des klimaneutralen Industrielandes gesetzt und sind uns sehr, sehr einig, dass wir diesen Weg auch weitergehen werden."

Er würde einen Netzgipfel begrüßen. "Es kann nicht so weitergehen, dass hinter verschlossenen Türen im Bundeswirtschaftsministerium die Energiewende sabotiert wird, während draußen Leute versuchen, Werte zu schöpfen, das Klima zu schützen und unser Land sicherer zu machen, in dem sie Freiheitsenergien zur Verfügung stellen", sagte Goldschmidt.

"Zeigen, was wir heute schon können"

Der Geschäftsführer des Landesverbands Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein, Marcus Hrach, sagte, man müsse sich noch mehr gemeinsam Gedanken darüber manchen, "wie wir es schaffen, noch mehr zu zeigen, was wir heute schon können und wie leicht es wäre, die nächsten wichtigen Schritte zu gehen in Schleswig-Holstein". Die Ansiedlung von Rechenzentren und Großelektrolyseuren seien die nächsten logischen systemischen Schritte, die man heute schon starten und damit zeigen könnte, "wie es geht und dass es geht".

dpa