Fünf Spiele ohne Niederlage, der Sprung auf Platz neun in der Fußball-Bundesliga, dazu eine attraktive Spielweise: Der Hamburger SV und sein Cheftrainer Merlin Polzin sorgen für Aufsehen. Die Entwicklung des HSV in seiner ersten Erstliga-Saison nach sieben Jahren Zweitklassigkeit ist nach dem schwierigen Saisonstart nicht zwingend zu erwarten gewesen. Interesse und Lob gibt es von vielen Seiten. Nur einen beeindruckt das nicht: Merlin Polzin.
"Ich bewerte das gar nicht. Ich glaube, das ist der beste Umgang damit", sagte der 35-Jährige bei der Spieltags-Pressekonferenz vor der Partie am Freitag (20.30 Uhr/Sky) bei Mainz 05.
Entwicklung nicht erst seit dem Sommer
Er betonte, dass die Entwicklung nicht erst seit dem vergangenen Sommer, sondern schon im November 2024 begann. Damals hatte er als Nachfolger des heutigen Union-Berlin-Cheftrainers Steffen Baumgart den Posten übernommen. "Zum heutigen Zeitpunkt sind wir natürlich einverstanden damit, wie es auch gelaufen ist", sagte er.
Polzin erinnerte auch daran, dass nicht er allein, sondern ganz viele ihren Beitrag leisten. Nicht zuletzt die Mannschaft, "weil am Ende stehen die Jungs auf dem Feld, sie treffen die Entscheidung, sie sorgen dafür, dass wir richtig viele coole Momente jetzt in dieser Saison auch schon erlebt haben". Deswegen wolle es gar nicht bewerten, "was jetzt meine Person angeht, sondern wir tun gut daran, wirklich hanseatisch-demütig weiterzuarbeiten und uns auf die Dinge zu fokussieren, die wir beeinflussen können".
Gute Ausgangsposition, aber keine Entwarnung
Trotz der jüngsten zwei Siege beim 1. FC Heidenheim (3:2) und gegen Union Berlin (3:2) und sechs Punkten Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz bei einem Spiel weniger gibt kein HSV-Verantwortlicher Entwarnung. "Der Wettbewerb ist so intensiv. Da lassen wir uns auch überhaupt nicht blenden", sagte Vorstand Eric Huwer. "Was ich aber positiv finde, ist einfach die Entwicklung." Früher habe es geheißen, beim HSV würden die Spieler immer schlechter. Jetzt sei das Gegenteil der Fall.
Einer, der immer besser wird, ist Luka Vuskovic. Doch in Mainz wird der erst 18 Jahre alte Abwehrchef wegen seiner fünften Gelben Karte fehlen. Polzin hat gleich drei Kandidaten als Ersatz im Kopf. Jordan Torunarigha, Daniel Elfadli oder Warmed Omari können nach seiner Ansicht den Part des Ausnahmetalents im Zentrum der Abwehrkette übernehmen.
"Ich bin da weniger negativ eingestellt, sondern freue mich darauf, auch jemanden anderen auf der Position zu sehen", sagte der Cheftrainer. Natürlich sei es kein Geheimnis, "dass Luca mit seinen Leistungen und seiner Persönlichkeit uns auf jeden Fall fehlen wird beziehungsweise dafür gesorgt hat, dass man jetzt auch das Gefühl hat: Okay, da fehlt einer."
Dauerb(r)enner Vuskovic
Die Leihgabe von Tottenham Hotspur bewältigte zuletzt 19 Bundesliga-Spiele über die volle Spielzeit. Der Kroate hat mit seinen Leistungen maßgeblichen Anteil daran, dass sich die Abwehr der Hamburger stabilisiert hat und der Erstliga-Rückkehrer vorerst fernab der Abstiegszone rangiert.
In dieser Woche erhielt Vuskovic vom Trainer-Team die Erlaubnis, in seine Heimat Split zu reisen. Tatenlos ist er nicht. Da ist sich Polzin sicher: "So wie ich ihn auch kenne und wie ich jetzt auch die Rückmeldung habe von den GPS-Daten, was er in Split gemacht hat, war es weniger frei, sondern eher Training an einem anderen Ort."