Koffer stehen dicht an dicht, Menschen sitzen auf ihren Taschen oder lehnen an Anzeigetafeln, die mehr Ausfälle als Abfahrten zeigen: Der Hamburger Hauptbahnhof ist für viele Reisende zum unfreiwilligen Aufenthaltsort geworden. Nach dem Wintersturm "Elli" bleibt der Fernverkehr stark eingeschränkt – mit spürbaren Folgen für Reisende.
Wieder aus dem Zug – und keine Alternative
Manche haben es schon bis in den Zug geschafft – nur um kurz darauf wieder aussteigen zu müssen. André De Bray wollte nach Göttingen, kam aber nicht weit. "Ich musste wieder raus aus dem Zug. Es wurden nur Leute mitgenommen mit Sitzplatzreservierung. Jetzt muss ich wohl ein Taxi nehmen, um nach Hause zu kommen."
Die Situation im ICE sei angespannt gewesen. "Es war zunächst überhaupt extrem schwierig in den Zug zu kommen, weil die Gleise überfüllt waren. Dann war der Gang im ICE extrem voll. So konnte der Zug dann nicht losfahren und es mussten wieder Menschen aussteigen. Es gab schon richtig Streit im Zug, weil keiner aussteigen wollte." Für ihn bleibt am Ende nur eine teure Lösung: "Ich nehme jetzt ein Taxi nach Göttingen, weil es sonst keine Möglichkeiten gibt."
Taxi statt Zug – Hilfe aus der Not
Von dieser Lage profitieren unfreiwillig andere. Taxifahrer Mojtaba Walizade erlebt einen außergewöhnlichen Arbeitstag mit enorm viel Betrieb."Die Bahn versagt momentan. Viele Züge fahren nicht. Und dann sind wir als Taxifahrer da, um die Leute in der Not von A nach B zu fahren", sagt er.
Tage des Wartens
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Für einige dauert das Warten bereits Tage. Momo Cavli möchte nach Berlin und ist frustriert: "Ich bin seit zwei Tagen hier in Hamburg gestrandet und es gibt keine möglichen Zugverbindungen. Das kann doch nicht sein."
Auch Cano ist entnervt. "Ich bin seit 6.30 Uhr am Hauptbahnhof. Bin schon einmal nach Hause gegangen und kam wieder zurück, und die ganze Zeit fahren die Züge nicht. Ich verstehe es nicht. Ich wollte gestern schon nach Leipzig fahren, aber es gibt keinen einzigen Zug."
Hoffnung am Schalter
Andere hoffen auf Hilfe im Reisezentrum. Daniela Göbel steht mit ihren Kindern in der Schlange. "Wir warten schon sehr lange. Wir wollen nach Frankfurt, wir waren auf der AIDA. Wir stehen hier seit 45 Minuten in der Schlange beim Reisezentrum. Ich erwarte, dass ich hier einen Zug und einen Sitzplatz erhalte." Auch sie hat erlebt, wie überfüllte Züge geräumt wurden: "Vorhin sind auch schon Leute aus den Zügen rausgeschmissen worden, weil sie einfach zu voll sind."
Pläne auf Eis gelegt
Manche geben auf. Norma Nagorsnik wollte eigentlich nach Prag."Wir wollten gestern schon nach Prag fahren. Der Zug wurde gecancelt. Dann gab es Alternativen gestern und heute, aber die Züge sind auch alle ausgefallen. Jetzt brechen wir ab. Die Laune ist im Keller."
Sieglinde und Werner Strobel versuchen es noch – mit schwindender Zuversicht. "Es geht in die Oberpfalz. Die Stimmung ist noch okay. Eigentlich hätten wir gestern um 8 Uhr nach Hause fahren sollen. Jetzt sind wir wieder seit 8 Uhr morgens hier und alles fällt aus." Ein Hotel habe die Bahn nicht bezahlt. "Vermutlich müssen wir doch noch eine Nacht bleiben."
Lage bleibt auch am Sonntag angespannt
Wegen des Wintereinbruchs soll der Bahnverkehr auf mehreren wichtigen norddeutschen Fernverkehrsstrecken bis zum Sonntag ausfallen. Betroffen sind unter anderem die Ost-West-Verbindung Berlin-Hannover-Ruhrgebiet und die wichtige Nord-Süd-Strecke von Hamburg über Hannover nach Frankfurt, wie eine Bahn-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Demnach können Reisende jedoch die Verbindung zwischen Hamburg und Frankfurt über Bremen und Köln nutzen.
Der Regionalverkehr fährt teilweise wieder an, bleibt aber störanfällig. Auch die S-Bahn Hamburg fährt mindestens im 20-Minuten-Takt. Reisende werden gebeten, sich vor Fahrtantritt zu informieren – und Geduld mitzubringen.