Wehrdienst 18-Jährige, was haltet Ihr vom Wehrdienst?

Jörg Rode hilft jungen Menschen, die den Wehrdienst verweigern wollen. Foto: Sandra Trauner/dpa
Jörg Rode hilft jungen Menschen, die den Wehrdienst verweigern wollen. Foto
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Wer männlich ist und volljährig wird, muss einen Fragebogen zum Wehrdienst ausfüllen. Die Bundeswehr sieht steigendes Interesse. Aber auch Berater, die beim Verweigern helfen, sind stark gefragt.

Mitte Januar bekommen die ersten 18-Jährigen in Hessen Post von der Bundeswehr. Sie werden dazu aufgefordert, einen Online-Fragebogen auszufüllen, in dem die generelle Bereitschaft zum Wehrdienst abgefragt wird. Männer müssen, Frauen dürfen den Fragebogen ausfüllen, so sieht es das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (WDModG) vor, das zum 1. Januar 2026 in Kraft trat.

Der Fragebogen umfasst zwölf Fragen: allgemeine zu persönlichen Daten oder Bildungsabschlüssen und spezifische über Motivation, Eignung oder Fitness. Die Bundeswehr will damit "ein umfassendes Lage- und Datenbild über die Bereitschaft der jungen Generation erhalten", so eine Sprecherin. "Das nicht-Ausfüllen des Fragebogens stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann zu einer Geldbuße führen."

Ausfüllen Pflicht, Wehrdienst freiwillig

Auch wenn der Fragebogen Pflicht ist - der Dienst bei der Bundeswehr bleibt freiwillig. Beim Ausfüllen muss man weder Mail noch Telefonnummer angeben - nur wer Interesse an der Bundeswehr hat, kann seine Kontaktdaten hinterlassen. Die Freiwilligen sollen laut Bundeswehr dann "nach und nach" auf ihre Eignung geprüft werden.

Die ersten Briefe sollen Mitte bis Ende Januar raus gehen - an "alle jungen Menschen des Jahrgangs 2008, die in den ersten Januartagen volljährig werden", so die Bundeswehr. Danach sollen im wöchentlichen Rhythmus jeweils diejenigen Post bekommen, die bis dahin 18 Jahre alt geworden sind. 

Bundeswehr: Nachfrage in Hessen steigt

Nach Angaben der Bundeswehr gab es in Hessen bis Ende November vergangenen Jahres 6.170 Erstberatungsgespräche, 2024 waren es 5.290 gewesen. Bis zu diesem Datum wurden 1.580 Rekruten in Hessen neu eingestellt, 2024 waren es 1.420 gewesen. "Für viele ist dieser Weg eine Möglichkeit, Verantwortung für die Sicherheit des Landes zu übernehmen", sagt eine Sprecherin der Bundeswehr in Köln.

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Auf der anderen Seite entscheiden sich auch immer mehr Jugendliche, vorsorglich den Wehrdienst zu verweigern. Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen (DFG-VK) bietet in Frankfurt und Kassel Beratung an - und berichtet von stark steigender Nachfrage.

Anfang 2025 habe es drei bis sechs Anfragen pro Monat gegeben, berichtet Jörg Rode vom Frankfurter Beratungskollektiv. Im Oktober seien es schon 58 gewesen. "Wir gehen davon aus, dass es ab Januar noch deutlich mehr werden, wenn die Briefe ankommen", sagt Rode. 

Um die Nachfrage zu bedienen, bietet das Kollektiv ab dem neuen Jahr einmal wöchentlich eine Gruppenberatung an. Wer verweigern will, erfährt dort, wie man das am besten angeht. Die Berater erklären das Verfahren und geben Tipps für die Formulierung des Schreibens, mit dem man seine Gewissensentscheidung begründen muss.

Friedensaktivisten helfen beim Verweigern

"Die jungen Menschen wollen nicht im Töten ausgebildet werden", sagt Rode (67), der in den 1970er Jahren selbst verweigert hat. Was er oft hört: "Wir wurden als Generation nicht gefragt; wir wollen nicht für alte Politiker der Kopf hinhalten, die nicht zu Diplomatie fähig sind; wir wollen nicht in einen Apparat wie die Bundeswehr gezwängt werden."

Im Dezember waren in Hessen Schülerinnen und Schüler gegen das neue Wehrdienstgesetz auf die Straße gegangen. In Frankfurt versammelten sich laut Polizei insgesamt rund 600, in Kassel 1.200 Jugendliche, um ihren Unmut gegen die Pläne der Bundesregierung kundzutun. 

Eine Forsa-Studie hatte im September ergeben, dass 24 Prozent der 14- bis 29-Jährigen sich grundsätzlich vorstellen könnten, sich als Soldat oder Soldatin bei der Bundeswehr zu bewerben. Für 76 Prozent käme eine Bewerbung nicht infrage. 63 Prozent wären gegen die Einführung eines verpflichtendenWehrdienstes, sollten sich nicht genügend Freiwillige finden.

dpa

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