Unicredit-Chef Andrea Orcel erhöht mit einem offiziellen Kaufangebot den Druck auf die Commerzbank. Die Aktionäre des Dax-Konzerns hätten nun sechs Wochen lang Zeit, sich zu entscheiden, sagte Orcel den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX in Frankfurt. "Ich glaube, dass man durch das Angebot die Dinge voranbringen kann", sagte der Manager. "Wir sind sehr offen für jeden Dialog, aber die Angebotsfrist ist nun einmal so, wie sie ist. Das Verfahren ist gesetzlich festgelegt."
"Win-Win-Situation" für Unicredit
Das Angebot bleibe sechs Wochen gültig, "was danach bei der Commerzbank geschieht, liegt in der Hand der Aktionäre", sagte Orcel. "Wir glauben, dass wir viel Wert schaffen können, nicht nur für die Aktionäre, sondern auch für die Mitarbeiter und Kunden in Deutschland."
Nach jüngsten Angaben kontrolliert die Unicredit, die im September 2024 einen Aktienverkauf des Bundes zum Einstieg bei der Commerzbank genutzt hatte, direkt über Aktien und indirekt über Finanzinstrumente 29,99 Prozent der Commerzbank-Anteile. Für weitere 2,65 Prozent hat sich die Unicredit den Kaufpreis der Papiere gesichert, aber nicht das Kaufrecht selbst.
Wahrscheinlichstes Szenario: Keine Kontrollmehrheit
Das wahrscheinlichste Szenario sei, dass die Unicredit unter der Kontrollmehrheit von 50 Prozent bleibe, sagte Orcel. "Wie Sie wissen, haben wir klar zum Ausdruck gebracht, dass wir bislang kein Interesse daran haben, mehr Mitspracherecht zu erlangen", betonte der Manager. "Unser Interesse gilt vielmehr der Umsetzung unserer Agenda und der Sicherstellung, dass die Commerzbank ihr volles Potenzial ausschöpft und sich wandelt."
Der deutsche Staat will seine restlichen gut 12 Prozent Commerzbank-Anteile nicht verkaufen und setzt sich für eine eigenständige Commerzbank ein. "Ich denke, Regierungen entwickeln ihre Ansichten ebenso wie Führungskräfte weiter", sagte Orcel. "Und wenn sie nicht verkaufen wollen, haben wir in Deutschland einen starken Partner, nämlich die Regierung. Und das ist großartig."
Unicredit wirbt seit Monaten um Commerzbank
Die Unicredit habe seit Herbst 2024 versucht, mit verschiedenen Interessengruppen in Kontakt zu treten, um einen gemeinsamen Plan zu entwickeln, sagte Orcel. Das sei leider nicht gelungen. "Aber ich glaube fest daran, dass sich mit der Zeit die Vernunft durchsetzen wird. Und viele Fehlinformationen darüber, was wir tun würden, werden durch die Fakten widerlegt werden", betonte Orcel.
Dabei kritisierte der Manager die abwehrende Haltung der Commerzbank-Spitze. "Meine persönliche Meinung ist, dass Unternehmen nicht der Führung dieser Unternehmen gehören. Sie gehören den Aktionären, den Mitarbeitern und allen sogenannten Stakeholdern", sagte der Unicredit-Chef. "Bessere Möglichkeiten nicht zumindest einmal auszuloten, ist unserer Meinung nach nicht richtig. Aber es liegt an der Commerzbank, zu entscheiden." Orcel betonte: "Wir waren, wir sind und wir werden immer offen für den Dialog sein."
"Wir machen die Commerzbank nicht schlecht"
Den Vorwurf, die Unicredit rede die Commerzbank öffentlich schlecht, um den Preis für weitere Anteile zu drücken, wies Orcel zurück. "Wir machen die Commerzbank nicht schlecht. Wir wollen, dass die Commerzbank den Wert realisiert, den sie realisieren kann", betonte der Manager. "Aber wenn wir sagen, die Commerzbank soll den Wert realisieren, den sie realisieren kann, dann heißt es, wir zerlegten sie, wir zerstörten sie. Es tut mir leid, wenn man sich die Fakten ansieht, tun wir das nicht. Das tun wir nicht."