Hanau /dpa/lhe) - Mit dem Abschied eines politischen Urgesteins beginnt in Hanau ein Generationenwechsel. Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze der Stadt steht Claus Kaminsky (SPD) an diesem Sonntag nicht mehr auf dem Wahlzettel – das Rennen um das Rathaus ist damit so offen wie lange nicht.
Der 66-Jährige, Hessens dienstältester Oberbürgermeister, hat sein Amt vorzeitig zum 30. September niedergelegt. Mit dem Schritt in den Ruhestand machte er im vergangenen Sommer bewusst den Weg frei für eine jüngere Generation. Nun suchen die Hanauerinnen und Hanauer am Sonntag seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger.
Zwei Favoriten
Sechs Bewerber stehen zur Wahl. Doch vieles deutet darauf hin, dass sich das Rennen vor allem zwischen zwei bekannten Gesichtern entscheiden dürfte: Bürgermeister Maximilian Bieri (SPD) und Stadträtin Isabelle Hemsley (CDU). Beide sind Mitte dreißig, beide in der Brüder-Grimm-Stadt aufgewachsen – und beide gehören seit 2023 dem Magistrat an. In den vergangenen Jahren hatten sie reichlich Gelegenheit, sich in der Stadt bekannt zu machen. Kaminsky selbst überließ ihnen bei vielen öffentlichen Terminen bewusst die Bühne.
Auch im Wahlkampf blieb der Ton zwischen den beiden respektvoll. Als Mitglieder des Magistrats arbeiten sie eng zusammen – daran hat auch der Kampf um die Wählerstimmen wenig geändert.
Wahlkampfthemen
Der SPD-Kandidat Bieri, promovierter Mathematiker, arbeitete zunächst als Software-Entwickler, bevor er in die Politik wechselte. Als Bürgermeister verantwortet er die Bereiche Bildung, Soziales, Demokratie und Vielfalt sowie das Immobilienmanagement der Stadt. Im Wahlkampf wirbt er vor allem für mehr bezahlbaren Wohnraum, gleiche Bildungschancen und eine solide Haushaltspolitik.
Seine Konkurrentin Isabelle Hemsley bringt juristische und betriebswirtschaftliche Erfahrung mit und war vor ihrem Wechsel ins Hanauer Rathaus für den Technologiekonzern und Reifenhersteller Continental tätig. In der Stadtregierung ist sie für Digitalisierung, Mobilität, Sicherheit, Infrastruktur und Bürgerservice zuständig. Ihre Schwerpunkte im Wahlkampf: mehr Videoüberwachung, ein "lückenloses Betreuungsangebot von 0 bis 10 Jahren" und stärkerer Einsatz digitaler Technik in der Stadtentwicklung.
In den zentralen Fragen der Stadtentwicklung wie dem Erwerb der ehemaligen Kaufhof-Immobilie am Marktplatz und der Ansiedlung von Rechenzentren ziehen beide an einem Strang.
AfD nach Pause wieder mit eigener Liste
Etwas im Schatten der OB-Wahl steht die Abstimmung über die künftige Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung. Bislang gab es dort in vielen Themenfeldern wie etwa dem millionenschweren Umbau des Kaufhof-Areals in das neue Einkaufs- und Freizeitzentrum Stadthof breite Mehrheiten über die Parteigrenzen hinweg. OB Kaminsky konnte sich auf die Rathaus-Koalition aus SPD, CDU und FDP verlassen.
Die nächsten Jahre in der Stadtverordnetenversammlung könnten unruhiger werden: Die AfD tritt am Sonntag erstmals wieder mit einer eigenen Kandidatenliste an, nachdem sie 2021 keine Liste aufgestellt hatte. Einen OB-Kandidaten hat sie nicht ins Rennen geschickt.
Neben CDU und SPD haben auch die Grünen, die FDP, die Linke und die Gerechtigkeitspartei eigene OB-Kandidaten aufgestellt. Ob bereits am Sonntag ein neuer Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin feststehen wird, ist fraglich. Termin für eine Stichwahl ist der 29. März.