Naturschauspiel
Distelfalter beim Stop-over in Hessen

Der Marathonflieger wandert jährlich aus Subsahara-Afrika in Deutschland ein. (Archivbild) Foto: Silas Stein/dpa
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Getüpfelte, orangebraune Marathonflieger landen aktuell in Hessen: Wer aufmerksam ist, kann Distelfalter auf ihrer 3.000-Kilometer-Reise beobachten. Was macht den Schmetterling so besonders?

Auf seinem Weg von Afrika bis teils zum Polarkreis macht der Distelfalter in diesen Wochen Station in Hessen. Bei warmem und trockenem Wetter haben Naturinteressierte gute Chancen, den orangebraunen Schmetterling mit den weiß getupften, schwarzen Flügelspitzen zu beobachten. 

Der Spezialist für Marathonstrecken wandert alljährlich aus Subsahara-Afrika in Deutschland ein, wobei die Zahl der Individuen stark variieren kann, wie Stefan Stübing von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) in Echzell in der Wetterau erklärt. Jedes Jahr kann man demnach einzelne Distelfalter sehen, aber nur in großem zeitlichem Abstand kommt es zu sehr großen Einflügen mit hunderten oder tausenden Faltern in kurzer Zeit.

Schmetterling überquert die Alpen und das Mittelmeer

Massenvorkommen gab es beispielsweise 2009 und 2019. "Aktuell sind die Zahlen schon jahreszeitlich früh relativ hoch, was für einen starken Einflug spricht", sagt der Experte. Auf ihrer Wanderung legen die Distelfalter (Vanessa cardui) in mehreren Generationen oft mehr als 3.000 Kilometer zurück und überqueren dabei auch die Alpen oder das Mittelmeer, wie Stübing ergänzt. Und das bei einer Flügelspannweite von nur knapp sechs Zentimetern.

Was bringt den Schmetterling zu dieser außergewöhnlichen Leistung? "Man könnte lapidar sagen, dass der Distelfalter es nicht geschafft hat, eine Pause in seinem Leben einzubauen", erklärt Stübing. Andere Arten überwintern etwa als Ei oder Larve. Dies ist beim Distelfalter nicht der Fall, das bedeutet, er braucht durchgehend Nahrung. 

Nahrungssuche treibt Falter nach Norden

"Mit dem Verdorren der Vegetation in den afrikanischen Verbreitungsgebieten wandert der Falter aus, um sich in Gebieten mit günstiger Nahrungssituation für die Raupen fortzupflanzen", berichtet der Biologe. Die Weibchen legen ihre Eier unter anderem an Disteln und Brennnesseln ab. Die nächste Generation wandert ebenfalls nach Norden und reproduziert dort erneut. "Die nördlichsten Falter wurden in Schottland, dort auch aktuell auf den Shetlandinseln, und sogar auf Grönland und Spitzbergen gefunden."

Es gibt weitere Weitwanderer unter den Insekten

In Mitteleuropa sind die Distelfalter in zwei bis drei Generationen unterwegs und machen sich im Spätsommer wieder auf den Weg nach Süden. "Disteln sind hierzulande noch weit verbreitet und da die Raupen mehrere Distelarten nutzen können, gibt es genügend Nahrung für alle", erklärt Stübing. Unter den Tag- und Nachtfaltern gibt es viele ziehende Arten, dazu zählt etwa der Admiral. Es gibt zudem weitere wandernde Insektenarten, wie die Frühe Heidelibelle und Schwebfliegen.

dpa