Sparkurs der Kirche Weniger Mittel für Soziales – Kirche ringt um Sparkurs

Die rheinische evangelische Kirche plant eine Finanzstrategie mit Millionen-Einsparungen. Die Kirche wolle jedoch trotz ihrer Ge
Die rheinische evangelische Kirche plant eine Finanzstrategie mit Millionen-Einsparungen. Die Kirche wolle jedoch trotz ihrer Geldprobleme für die Menschen da sein, so Präses Thorsten Latzel. (Archivbild) Foto
© Thomas Banneyer/dpa
Die Kirche im Rheinland muss sparen - und macht auch vor sozialen Projekten nicht Halt. Das sei schmerzhaft, sagt der Präses. Denn die Kirche wolle trotz ihrer Geldprobleme für die Menschen da sein.

Wegen sinkender Mitgliederzahlen will die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) den Rotstift bei einer Reihe sozialer Projekte ansetzen. Laut einem Vorschlag der Kirchenleitung soll unter anderem weniger Geld in die Diakonie, die Entwicklungshilfe oder in einen Fonds für Menschen in Notlagen fließen. In Unistädten will sich die Kirche von ihren Studentenwohnheimen trennen. Zur Finanzierung der evangelischen Schulen sollen die Eltern zur Kasse gebeten werden. Auch die Zahl der Pfarrer in den Gemeinden soll um etwa die Hälfte sinken.

"Jeder Euro, den wir bei dieser Arbeit einsparen müssen, tut weh. Und wir haben da intensiv wirklich um jeden Euro gerungen", sagte Präses Thorsten Latzel. "Selbstverständlich schmerzt es uns, wenn wir gerade bei den Schwächsten, gerade in der jetzigen Zeit sparen müssen."

Wegen der sinkenden Mitgliederzahlen habe man aber keine andere Wahl. Die Herausforderung sei, "auch als eine kleinere Kirche mit weniger Mitteln weiter für andere da zu sein", sagte Latzel. "Wir machen das, um Kirche auch zukünftig handlungsfähig zu halten."

Kirche muss mit deutlich weniger Geld auskommen

Am Montag entscheidet die Landessynode - das Kirchenparlament - in Bonn über die Sparmaßnahmen. Das Ziel ist, im landeskirchlichen Haushalt bis 2030 mindestens 33 Millionen Euro einzusparen - das entspricht rund 20 Prozent der heutigen Kirchensteuereinnahmen. Mehrere Gruppen haben bereits Proteste gegen die Sparvorschläge der Kirchenleitung angekündigt.

Die rheinische evangelische Kirche erstreckt sich über Gebiete in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland. Mit gut zwei Millionen Mitgliedern ist sie die zweitgrößte Landeskirche in Deutschland.

Nur noch halb so viele Pfarrer

Auch bei den Pfarrern in der Gemeinde soll massiv gespart werden. Bis 2040 soll etwa die Hälfte der aktuell 1.400 Pfarrstellen wegfallen. Stattdessen werde man in den Gemeinden etwa auf hauptamtliche Gemeindemanager, Gemeindepädagogen und Diakone setzen, sagte Vizepräses Antje Menn. Diese Berufsgruppen sind deutlich niedriger bezahlt als Pfarrer. 

Außerdem werde es noch stärker als bislang darauf ankommen, die Ehrenamtlichen einzubinden - etwa in Gottesdiensten oder in der Seelsorge. "Wir erleben, dass Menschen gerne bereit sind, sich zu qualifizieren und mitzuwirken, zum Beispiel in der Krankenhausseelsorge, bei Hospizen oder in der Notfallseelsorge", sagte Menn.

Kritik an Einsparungen bei den Hochschulgemeinden

Für laute Kritik sorgten zuletzt unter anderem die Sparpläne im Hochschulbereich. So will die Kirchenleitung unter anderem die Studierendengemeinden nicht in ihrer bisherigen Form weiterführen. Außerdem sollen die kirchlichen Wohnheime mit zusammen 381 Plätzen aufgegeben werden. Studierende haben Proteste dagegen am Rande der Synode angekündigt.

Hoffen auf Elternbeiträge für evangelische Schulen

Die zehn evangelischen Schulen der EKiR, die von 7.400 Kindern und Jugendlichen besucht werden, bezuschusst die Landeskirche aktuell mit knapp zehn Millionen Euro im Jahr. Für einen großen Teil dieser Summe sollen in Zukunft die Eltern der Schülerinnen und Schüler aufkommen. Die Kirchenleitung schlägt die Einführung von "freiwilligen Elternbeiträgen" ab dem Schuljahr 2027/28 vor.

Trotz der Geldprobleme sollen die Schulen aber weiterhin allen Familien offenstehen, versicherte Oberkirchenrätin Henrike Tetz. "Niemand wird ausgeschlossen, weil Familien keinen Beitrag leisten können."

Gottesdienstbesucher sollen spenden

Einen Teil der Einsparungen hofft die Kirchenleitung noch, über Spenden ausgleichen zu können. So sollen zwar die Haushaltsmittel für den landeskirchlichen Härtefonds für Menschen in schwierigen Lebenslagen gestrichen werden. Dafür sei aber geplant, in den Gottesdiensten eine Kollekte für diesen Zweck einzusammeln, teilte die Kirchenleitung mit.

dpa