Trompetende Kraniche und damit Vorboten des Frühlings sind wieder an Hessens Himmel zu erleben. "Bei dem wechselhaften Wetter fliegen die Kraniche derzeit noch im Pendelverkehr über Hessen hinweg, mal nach Norden und mal nach Süden", erklärte der Kranichexperte beim hessischen Naturschutzbund Nabu, Bernd Petri. Seit dem letzten Wochenende überwiege aber der Zug nach Norden deutlich. Die Kraniche wollten möglichst als erste in den nordischen Brutgebieten ankommen, um die besten Plätze ergattern. Zu erkennen sind die bis zu 1,30 Meter großen Vögel an ihrer keilförmigen Formation und den trompetenartigen Rufen.
In den nächsten Wochen werden in Hessen bis zu 300.000 Kraniche erwartet. Das Bundesland liegt auf ihrer Hauptflugroute von den Winterquartieren in Nordfrankreich und Spanien zu den Brutgebieten nach Ostdeutschland und Nordeuropa. Vor allem bei südwestlichen Winden und sonnigem Wetter sind sie laut Petri zu beobachten, da sie sich dann energiesparend vom Wind tragen lassen können.
Sie brechen laut Nabu-Angaben an solchen Tagen frühmorgens in großen Schwärmen auf, ziehen vor allem die Rheinebene entlang und weiter über Mittel- und Osthessen hinweg in Richtung Weser. Dabei können sie eine Geschwindigkeit von 50 bis 70 Kilometern pro Stunde erreichen.
Lieblings-Rastplätze
Zudem sind derzeit an vielen Orten in Hessen rastende Kraniche zu sehen, etwa in den Auen von Rhein und Main, der Wetterau sowie in den Flusstälern von Lahn, Eder, Werra und Fulda. Diese Rastplätze suchen sie bei schlechtem, regnerischem Wetter auf, um sich vom anstrengenden Flug zu erholen und Nahrung zu sich zu nehmen, weiß der Nabu-Experte.
Die Zahl der ziehenden Kraniche hat sich den Angaben zufolge in den letzten 30 Jahren verzehnfacht. Die starke Zunahme hängt zum einen mit den verkürzten Zugwegen zusammen. Durch die Klimaerwärmung ist es für viele Kraniche nicht mehr nötig, im Winter bis nach Südspanien oder Nordafrika zu ziehen. Viele Vögel überwintern an großen Seengebieten wie dem Marne-Stausee in Nordfrankreich.