Gesellschaft
Sohn von ermordeter Hatun Sürücü: "Bin stolz auf meine Mama"

Can Sürücü (M), will an seine am 7. Februar 2005 ermordete Mutter Hatun Sürücü erinnern. Foto: Annette Riedl/dpa
Can Sürücü (M), will an seine am 7. Februar 2005 ermordete Mutter Hatun Sürücü erinnern. Foto
© Annette Riedl/dpa
Can Sürücü erinnert auf Social Media an seine ermordete Mutter Hatun – und erhält bewegende Nachrichten von jungen Frauen. Was ihn antreibt, die Vergangenheit öffentlich zu machen.

Can Sürücü war fünf Jahre alt, als seine Mutter Hatun in Berlin ermordet wurde. Einer ihrer Brüder erschoss sie am 7. Februar 2005 an einer Bushaltestelle in Tempelhof. Gegen den Willen ihrer Familie hatte die Deutsch-Türkin ihr Kopftuch abgelegt und einen Beruf gelernt. "Ich bin stolz auf meine Mama", sagte ihr Sohn Can Sürücü, der heute in der Nähe von Stuttgart lebt, bei einer Veranstaltung anlässlich des 21. Todestags seiner Mutter in Berlin. 

Hatun Sürücüs Tod löste Entsetzen aus - und eine Diskussion um patriarchale Strukturen in muslimischen Einwandererfamilien, die bis heute anhält. Ihr Sohn Can hat sich zuletzt immer wieder mit der Geschichte seiner Mutter und ihrer gemeinsamen Zeit beschäftigt und sich auf Youtube, Tiktok und Instagram dazu geäußert. Es sei ihm darum gegangen, als Sohn Stellung zu nehmen und dafür zu sorgen, dass sie nicht in Vergessenheit gerate, sagte er. 

Spurensuche in Berlin 

Aus diesem Grund sei er auf Spurensuche gegangen über die Zeit, in der er mit seiner Mutter in Tempelhof gelebt habe. Es sei ihm darum gegangen, sich die Vergangenheit zurückzuholen. In seinen Videobeiträgen erzählt er etwa von dem Spielplatz, auf dem er mit seiner Mutter war, der Kita, die er besucht hat, von der Wohnung, in der sie gelebt haben. Er habe viele Reaktionen auf seine Beiträge bekommen - fast ausschließlich positive und oft von jungen Frauen, die ihm ihre Geschichte erzählen wollten. 

Bürgermeister Wegner: Kein Einzelfall

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sieht bei dem Thema dringenden Diskussionsbedarf. "Hatun Sürücü war kein Einzelfall", sagte er. Wegner forderte eine offene Diskussion über die Hintergründe solcher Morde von Frauen aus muslimischen Familien. "Ich glaube, es ist wichtig, Dinge beim Namen zu nennen, um Probleme zu lösen. Wenn ich zu einem Arzt gehe, der keine Diagnose stellt, wird er mich auch nicht behandeln können", sagte der CDU-Politiker. "Deswegen müssen sogenannte Ehrenmorde beim Namen benannt werden." 

Bedrohung von Frauen ist nicht Vergangenheit

Wegner bedankte sich ausdrücklich bei Can Sürücü: "Ich bin wahnsinnig beeindruckt, wie du mit der Geschichte, mit dem Leben deiner Mutter umgehst", sagte er. "Das Schicksal deiner Mama hat mich damals auch umgehauen." Es sei wichtig zu erzählen, was passiert sei.

dpa

Mehr zum Thema