Wochenlang Frost, Schnee und Eis – dieser Winter hat Hessens Streudienste so stark wie seit Jahren nicht mehr gefordert. Auch wenn die vergangenen Tage von Tauwetter und Dauerregen bestimmt waren: Der Winter 2025/26 ist noch längst nicht fertig. Am Fastnachts-Wochenende drohen wieder Frost, Schnee und glatte Straßen.
Salzverbrauch deutlich über langjährigem Durchschnitt
Deutlich mehr Arbeit als in den vergangenen Jahren hat in diesem Winter beispielsweise der Landesbetrieb Hessen Mobil, der für Bundes-, Landes- und Kreisstraßen zuständig ist. Der Salzverbrauch liegt bereits jetzt deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Gut 96.000 Tonnen sind in dieser Saison schon verbraucht – der Mittelwert der vergangenen 20 Jahre liegt bei etwa 81.000 Tonnen.
"Eine so harte Saison hatten wir zuletzt im Winter 2020/2021 mit insgesamt rund 110.000 Tonnen", sagt Sprecher Jonas Tresbach. Dennoch gibt Hessen Mobil Entwarnung: Vor Saisonbeginn waren rund 90.000 Tonnen eingelagert. "Aber es ist noch genügend Salz vorhanden, denn wir haben in diesem Winter kontinuierlich bereits circa 50.000 Tonnen auf Basis unserer langfristigen Lieferverträge nachbestellt, über die wir auch kurzfristig Lieferungen erhalten können", betont Tresbach. "Engpässe oder Lieferschwierigkeiten hat es deshalb keine gegeben."
Keine Streusalz-Engpässe auf Autobahnen
Auch auf Hessens Autobahnen bleibt die Streusalz-Lage stabil. "Die Sicherstellung der Salzreserven wird konstant gewährleistet - bei entsprechender Wetterlage erfolgt jeweils eine Nachbestellung", erklärt ein Sprecher der Autobahn GmbH.
Das Infrastrukturunternehmen des Bundes, das für Planung, Bau, Betrieb, Erhaltung und Finanzierung der Autobahnen in Deutschland verantwortlich ist, setzt nach eigenen Angaben auf bundesweite Rahmenverträge und ein engmaschiges Überprüfen der Salzreserven. "Aus diesem Grund verzeichnet die Autobahn GmbH für die Autobahnen auch in Hessen aktuell keine Engpässe – trotz regional teilweise länger anhaltender Frost- beziehungsweise Kälteperioden."
Angespannte Situation in einigen Kommunen
Anders sieht es dagegen in einigen hessischen Kommunen aus, die Ebbe in ihren Salzlagern verkünden mussten. So hatte beispielsweise Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) kürzlich seine Bürgerschaft informiert, dass "die vor Saison gefüllten Salzlager mittlerweile vollständig aufbraucht" seien und der Winterdienst die Straßen nur noch räumen, nicht aber mehr streuen könne. Die Bewohner wurden zu besonderer Vorsicht auf allen öffentlichen Wegen und Straßen bei Glätte und Frost aufgerufen.
Auch im osthessischen Petersberg (Kreis Fulda) sind die Reserven nahezu aufgebraucht. Zu Beginn der Saison hatte der Bauhof seine maximale Kapazität ausgeschöpft: 160 Tonnen Streusalz waren eingelagert, wie die Gemeinde mitteilt. Im Laufe des Winters wurden weitere 130 Tonnen nachbestellt – in normalen Jahren mehr als genug.
Doch diesmal ist die Lage anders. Wochenlang lief der Winterdienst im Dauerbetrieb, hinzu kommen Lieferengpässe. Das liege daran, dass die Hersteller aufgrund der milden Winter in den vergangenen Jahren ihre Produktion und ihre Logistik zurückgefahren hätten, sagte ein Sprecher.
Situation bleibt kritisch
Die Lage habe sich ein wenig entspannt, da durch das Tauwetter der vergangenen Tage der Winterdienst nicht ausrücken musste. Dennoch bleibe die Streusalzsituation kritisch, da für das Wochenende wieder Minusgrade und Niederschlag angekündigt sind. "Stand jetzt reichen die Vorräte, um nur ein paar Tage zu überbrücken, deswegen sind wir nach wie vor bestrebt, weiteres Salz zu besorgen", erklärte der Sprecher.
Petersbergs Bürgermeisterin Claudia Brandes (parteilos) berichtete, die Beschwerden der Bürgerinnen und Bürger wegen des Winterdienstes hätten zugenommen, das Verständnis sei leider nicht überall da. "Dabei liegt das Problem nicht bei den Kommunen, sondern bei den Herstellern und deren Lieferketten. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht."
Salzunternehmen K+S: Arbeiten rund um die Uhr
Einer der führenden Hersteller von Auftausalz in Europa ist das Kasseler Kali- und Salzunternehmen K+S. Die Produktion erfolgt hauptsächlich durch den Abbau von Steinsalz in eigenen Bergwerken in Deutschland und dessen Aufbereitung für den Winterdienst. Derzeit wird dort nach Unternehmensangaben auf Hochtouren gearbeitet.
"Unsere drei deutschen Salzbergwerke Borth, Bernburg und Braunschweig-Lüneburg arbeiten rund um die Uhr und die Bergleute legen an Wochenenden Sonderschichten ein", sagte ein Sprecher des Konzerns. "Auch die Kolleginnen und Kollegen in Vertrieb und Logistik leisten an Wochenenden Mehrarbeit." In den Bergwerken werde kontinuierlich produziert und Auftausalz verladen. Circa 20.000 Tonnen Streusalz pro Tag werden dem Sprecher zufolge hergestellt.
Nachfrage übersteigt Kapazitäten
Längere Lieferzeiten seien zurzeit dennoch nicht zu vermeiden. "Die Nachfrage nach Auftausalz ist seit Wochen so hoch, dass sie die vorhandenen Kapazitäten in der Logistik, Verladeinfrastruktur und Lagerhaltung übersteigt."
Das lässt sich dem Sprecher zufolge kurzfristig auch nicht ändern. K+S bereite sich vor jedem Winter auf hohe Nachfrage nach Auftausalz vor. "Das heißt, dass Lager in den Bergwerken und Außenläger gefüllt worden sind und dass neues Auftausalz in den Bergwerken mit Höchstleistung produziert werden kann. Wir arbeiten seit Wochen an der Kapazitätsgrenze." Eine Erhöhung der Kapazitäten bedürfe langfristiger Planung und sei kurzfristig kaum möglich.
Priorität haben Autobahn- und Straßenmeistereien
"Wir versuchen allen Kunden so gut wie möglich zu helfen und die Lieferketten möglichst stabil zu halten", betonte der Sprecher. "Dort, wo die Not am größten ist, versuchen wir schnellstmöglich zu liefern." Auch könnten nicht in allen Fällen die gewünschten Mengen vollständig geliefert werden. "Priorität in der Belieferung haben Autobahn- und Straßenmeistereien, damit die Hauptverkehrswege befahrbar bleiben."