Energiewende
Mit Backpulver zur Energiewende - Pilotanlage bei Rostock

Lagerung und Transport von Wasserstoff zu vereinfachen, daran wird unweit von Rostock gearbeitet. Foto: Bernd Wüstneck/dpa
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Nicht als flüchtiges Gas und unter hohem Druck, sondern als ungefährliches Salz im Schüttgutfrachter - so könnte Wasserstoff als grüner Energieträger transportiert werden. Dabei hilft: Backpulver.

Strom aus erneuerbaren Energiequellen, etwa Wind oder Sonne, in Wasserstoff speichern - das gilt als wichtiger Baustein der Energiewende. Bei der Lagerung und dem Transport dieses grünen Wasserstoffes will das Unternehmen Akros Energy bei Rostock neue Wege gehen. In einer Pilotanlage soll der gasförmige Wasserstoff in Salz gebunden und damit leichter transportierbar werden. Im Labor habe man das bereits umgesetzt, sagte Akros-Geschäftsführer Johannes Emigholz der Deutschen Presse-Agentur. "Jetzt zeigen wir, dass es wirklich im industriellen Maßstab geht."

Wasserstoff biete eine große Chance, etwa in sonnenreichen Gegenden produzierte Energie nach Europa zu bringen, erklärte Emigholz. Das sehr flüchtige Gas müsse aber unter hohem Druck gelagert werden. Das sei gerade für große Mengen ein Problem. Hier soll die Lösung mit Salz Abhilfe schaffen. Die Vision sei, "dass man Wasserstoff in einem ungefährlichen Salz kostengünstig transportieren kann", etwa per Bagger und Schüttgutfrachter.

Backpulver reagiert mit Wasserstoff

Herzstück der Pilotanlage ist laut Unternehmensangaben das in einem Standard-Container integrierte Umwandlungssystem. Kaliumbikarbonat, in der Industrie etwa als Backpulver verwendet, komme als wässrige Lösung in eine Art Stahlrohr, erklärt Emigholz. "In diesem Stahlrohr sitzt unser Katalysator." Hier werde auch der Wasserstoff zugeführt. Durch eine chemische Reaktion bilde sich ein neues Salz, nämlich Kaliumformiat. Dieses könne dann transportiert oder gelagert werden, etwa als Salzlösung. Um Gewicht zu sparen, könne man das Wasser aber auch entziehen. Eine entsprechende Kristallisationsanlage will Akros ebenfalls bauen.

Die Pilotanlage sei in dieser Form einzigartig, bestätigte auch der Branchenverband "Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft". Ein Sprecher schrieb: "Die Technologie von Akros bietet die Chance, Wasserstoff chemisch gebunden an Salz unkompliziert zu transportieren und damit Wasserstoffimporte über große Distanzen zu ermöglichen."

Andere Möglichkeiten zur Lagerung sollten Poren- und Kavernenspeicher bieten, also große, unterirdische Hohlräume etwa in Salzstöcken. Für den Transport setzten viele Akteure auf Ammoniak als Wasserstoffverbindung, wofür vielerorts auch Infrastruktur aufgebaut werde beziehungsweise werden soll, etwa an Nord- und Ostseeküste.

Transport als Salz laut Akros ungefährlicher

Emigholz sieht für Salz Vorteile im Vergleich zu Ammoniak. Letzteres sei etwa im Fall einer Havarie umweltschädlich. Wenn hingegen ein Schiff mit Kaliumformiat untergehe, passiere nichts. Zudem benötige man für den Ammoniak-Umschlag teure Terminals. Für die Erzeugung des Salzes mit Wasserstoff, aber auch für die Rückgewinnung des Wasserstoffs benötige man hingegen nur das beschriebene Umwandlungssystem.

Die Pilotanlage befindet sich laut Emigholz auf dem Gelände des Unternehmens H2apex aus Laage bei Rostock. Akros ist eine hundertprozentige Tochter der auf Wasserstoff-Technologien spezialisierten Firma. Nach einer feierlichen Eröffnung am Dienstag soll die Pilotanlage in den kommenden Wochen den Betrieb aufnehmen.

Die Anlage ist Teil des Projekts Formaport, das vom Land Mecklenburg‑Vorpommern gefördert und mit EU-Mitteln kofinanziert wird. Projektpartner sind neben Akros, das Leibniz‑Institut für Katalyse (Likat) in Rostock, der Anlagenbauer Tab sowie die Hochschule Wismar.

dpa

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