Konjunktur
Stimmung in der MV-Wirtschaft auf Talfahrt

Viele Unternehmen klagen über Bürokratie aus Brüssel - auch die Möwe Teigwaren GmbH in Waren (Müritz). (Archivbild) Foto: Bernd
Viele Unternehmen klagen über Bürokratie aus Brüssel - auch die Möwe Teigwaren GmbH in Waren (Müritz). (Archivbild) Foto
© Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

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Leider werde die Wirtschaftslage in Teilen der Landespolitik anders gesehen, sagt ein MV-Wirtschaftsboss. Er nennt namentlich eine Partei.

Hohe Energiepreise, Reformstau in Deutschland und immer wieder neue Richtlinien aus Brüssel sorgen laut einer Konjunkturumfrage für eine deutlich verschlechterte Stimmung in der Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns. Demnach schätzen drei Viertel der Unternehmen im Nordosten ihre Geschäftslage als befriedigend oder schlecht ein. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als bei der vorangegangenen Umfragen zu Jahresbeginn, wie die drei Industrie- und Handelskammer im Land bekanntgaben. 

Der Anteil der Unternehmen, die ihre Geschäftslage als gut einschätzen, sank zugleich um vier Punkte auf 27 Prozent. Die Kammern hatten nach eigenen Angaben 7.000 Unternehmen um Auskünfte gebeten, 700 antworteten. Damit sei die Frühjahrsumfrage repräsentativ, hieß es. 

Düstere Geschäftserwartungen

Bei den Geschäftserwartungen sieht es noch düsterer aus. Nur neun Prozent erwarten demnach eine Verbesserung, nach zwölf Prozent zu Jahresbeginn. Hingegen rechnen 41 Prozent mit einer Verschlechterung. Zu Jahresbeginn waren es noch 31 Prozent gewesen. Das Vertrauen der Unternehmer in einen baldigen Aufwärtstrend sinke kontinuierlich, hieß es bei der Vorstellung der Zahlen in Schwerin.

Der Iran-Krieg mit der Blockade der Straße von Hormuz hat die Energiepreise in die Höhe schießen lassen. In der Folge lösten in der Rangliste der drückendsten Probleme die Energie- und Rohstoffpreise die hohen Arbeitskosten auf Platz eins ab. Auf Platz drei folgen als unattraktiv empfundene wirtschaftliche Rahmenbedingungen. 

Der Geschäftsführer der Möwe Teigwaren GmbH in Waren (Müritz), Mirko Bröcker, sagte: "Die meiste Bürokratie für uns kommt aus Europa. Wir haben im Halbjahrestakt neue EU-Regelungen." Er würde sich wünschen, dass die Landesregierung über die Bundesregierung versuche, in Richtung EU-Kommission zu lobbyieren, dass man etwas bedachter vorgehe.

Unzufrieden mit fünf Jahren rot- roter Wirtschaftspolitik

Mit der Wirtschaftspolitik der rot-roten Landesregierung in den vergangenen fünf Jahren äußerten sich die Chefs der drei Industrie- und Handelskammern unzufrieden. Der Präsident der IHK zu Schwerin, Matthias Belke, sagte, von 2020 bis 2025 seien in Mecklenburg-Vorpommern 7,5 Prozent der Industriearbeitsplätze verschwunden. Er vermisst ein abgestimmtes Konzept in der Landesregierung zur Entwicklung der Wirtschaft. 

"Es braucht Strategien für die Energie, für den Wasserstoff, für viele Dinge mehr, für Rechenzentren", sagte Belke. Dann wäre aus seiner Sicht auch ein Wirtschaftsminister in der Lage, wirkmächtig zu agieren. MV-Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) war vor seinem Wechsel ins Ministeramt im Dezember 2024 Präsident der IHK Neubrandenburg. Die Hoffnungen der Wirtschaft in ihn waren groß.

Als konkrete Forderungen der Industrie- und Handelskammern an die Landespolitik wurden unter anderem genannt: der Ausbau des Rostocker Hafens, eine rasche Umsetzung des Sondervermögens und die Schaffung einer Landesinnovationsagentur.

"Unterschiedliche Wahrnehmung der Lage"

Der Präsident der IHK zu Rostock, Jürgen Strupp, sprach von unterschiedlichen Wahrnehmungen der Lage durch die Wirtschaft einerseits und durch Teile der Landespolitik andererseits. "Die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses, die der SPD zugehörig sind, sehen das völlig anders", sagte er. 

In dem Ausschuss des Landtags habe man jüngst die Ergebnisse der Konjunkturumfrage angedeutet. "Wenn dann ein Mitglied des Wirtschaftsausschusses sagt, dass er der Meinung ist, dass wir doch vielleicht nochmal nachschauen sollten, er hätte doch auch ganz gute Beispiele aus seinem Wahlkreis, wo er zu Hause ist - okay, dann weiß ich nicht, warum wir solche Zahlen noch ermitteln."

dpa

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