Aus der Medizin kommt der Ruf nach einer besseren Nutzung landesweiter Gesundheitsdaten zur Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI). „Wir in Mecklenburg-Vorpommern haben Unmengen von Gesundheitsdaten in den Krankenhäusern, um die besten KIs für den Zweck der Patientenversorgung zu entwickeln, aber wir lassen dieses Potenzial bisher ungenutzt“, kritisierte Karlhans Endlich, Wissenschaftlicher Vorstand der Unimedizin Greifswald (UMG). Auf der Digitalmesse NØRD in Rostock forderte er den Aufbau einer landesweiten Gesundheitsdaten-Plattform.
Je mehr gute Daten zur Verfügung stünden, desto präziser funktioniere eine daraus entwickelte KI, hieß es in einer Mitteilung der UMG. In Greifswald gibt es bereits mehrere Projekte zur KI-Entwicklung mittels Patientendaten. Dabei geht es etwa darum, anhand von Netzhautaufnahmen Hinweise auf Krankheiten und gesundheitliche Risiken zu liefern. Ein anderes Projekt unter Beteiligung auch der Universitätsmedizin Rostock (UMR) zielt auf eine bessere Früherkennung von Sepsis ab.
Forschung profitiert von Gesetzesänderung
Die Forschung in Mecklenburg-Vorpommern profitiert inzwischen von einer 2024 vorgenommenen Überarbeitung des Landeskrankenhausgesetzes. Die Datenverarbeitung zu Forschungszwecken basiert nicht mehr auf aktiver Einwilligung, sondern auf einer Widerspruchslösung.
„Das Gesundheitsforschungsstärkungsgesetz Mecklenburg-Vorpommern war ein riesiger Fortschritt“, lobte Endlich. Alleine an der UMG kämen jährlich Millionen neue Daten hinzu. „Die Menge der Daten aus ganz Mecklenburg-Vorpommern ist selbstverständlich noch sehr viel höher. Dafür müssen wir nun gemeinsam die Infrastruktur schaffen. Ein erster Schritt wären Schnittstellen zu den anderen Krankenhäusern, um den Austausch zu ermöglichen.“
Ebenfalls anlässlich der diesjährigen NØRD stellten die beteiligten Einrichtungen Pläne für einen DigitalHealthCampus an der UMR vor. Sie will zusammen mit der Universität Rostock und dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) am Einsatz von KI und digitalen Hilfsmitteln arbeiten. Ein Schwerpunkt des liegt demnach auf der Verknüpfung medizinischer Daten aus Klinik, Alltag und digitalen Messsystemen. Ärztinnen und Ärzte sollen den Angaben zufolge so künftig besser dabei unterstützt werden, individuelle Krankheitsverläufe einzuschätzen und passende Behandlungen auszuwählen.