Nach frostigem Winter
Schlaglöcher-Reparatur teils große Herausforderung

Tonnenweise Kaltasphalt haben Städte in MV in dieser Saison bereits eingesetzt. (Archivbild) Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Tonnenweise Kaltasphalt haben Städte in MV in dieser Saison bereits eingesetzt. (Archivbild) Foto
© Bernd Wüstneck/dpa
Langer Frost und wiederholte Frost-Tau-Wechsel haben den Straßen in MV teils deutlich zugesetzt. Städte haben bereits tonnenweise Flickmasse eingesetzt. Was ist, wenn mein Wagen Schaden nimmt?

Nach dem frostigen Winter hat das Verschwinden von Eis und Schnee vielerorts in Mecklenburg-Vorpommern darunterliegende Straßenschäden offenbart. Teils sind diese größer als in Vorjahren. Wo gibt es besonders viele Schlaglöcher und worauf müssen Autofahrerinnen und Autofahrer achten?

Wie sieht es in den Städten aus?

In diesem Winter sei das Schadensaufkommen "überdurchschnittlich hoch", heißt es etwa aus dem Stralsunder Rathaus. Zur Behebung sei eigens ein zusätzliches Sofortprogramm aufgelegt worden. Auch in Rostock - Mecklenburg-Vorpommerns größter Stadt - hat das Tiefbauamt nach Angaben der Stadt bis Anfang März bereits 15.000 Euro mehr für Reparaturmaterial ausgegeben im Vergleich zum Winter davor. Es ist für 750 Kilometer Straße zuständig. In Greifswald und Schwerin ist ebenfalls von größeren Straßenschäden als in Vorjahren die Rede.

In Wismar sind die Schäden laut Stadt hingegen "überschaubar" und nicht ausgeprägter als in Vorjahren. Auch Neubrandenburg könne kein "außergewöhnliches Schadensbild" vermelden.

Wie ist die Lage jenseits der Städte?

Ähnlich äußert sich das für Bundes- und Landesstraßen zuständige Landesstraßenbauamt. Dennoch hat die Behörde früheren Angaben zufolge vorsorglich pauschale Ausgaben im niedrigen Millionenbereich für entsprechende Reparaturen eingeplant.

Von starken Frostschäden war jüngst bei der Autobahn GmbH die Rede. Ronald Normann, Direktor der für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zuständigen Niederlassung Nordost, rechnete im Februar mit vielen Schäden etwa auf der A19 zwischen Röbel und der Landesgrenze Brandenburg in Fahrtrichtung Rostock. Deswegen sei dort auch eine Reduzierung der erlaubten Geschwindigkeit möglich, sagte er.

Erst vergangene Woche musste die A24 zwischen den Anschlussstellen Wöbbelin und Hagenow im Landkreis Ludwigslust-Parchim wegen der dringenden Reparatur von Frostaufbrüchen gesperrt werden. 

Welche Straßen sind anfällig?

"Grundsätzlich möchte ich sagen, dass eine gesunde Straße keine Schlaglöcher kennt", erklärt Christof Tietgen, Sprecher des ADAC-Hansa-Clubs. Je neuer oder besser saniert eine Straße sei, desto weniger Schlaglöcher tauchten auf. Ältere Straßen hingegen bekämen Risse. "Das ist einfach ein Alterungsprozess." Diese Risse machten Straßen anfällig für Frostschäden.

In Mecklenburg-Vorpommern seien viele Autobahnen und Schnellstraßen nach der Wende saniert oder gebaut worden. Ein Sprecher der Autobahngesellschaft sagt, dass viele Teilstücke in MV am Ende ihres Lebensalters und damit auch empfindlicher für Frostschäden seien. Auch in Rostock verweist man darauf, dass viele Straßen über 40 Jahre alt seien und teils nicht heutigen Standards entsprächen.

Wie läuft die Reparatur?

Die Städte priorisieren bei der Behebung von Schäden nach Bedeutung der Straßen und Verkehrssicherheit. Beim Landesstraßenbauamt gilt grundsätzlich: "Bundesstraßen haben Vorrang vor Landesstraßen".

Vielerorts haben die Städte bereits mit Kaltasphalt Schäden ausgebessert. Dieser kann auch bei niedrigeren Temperaturen benutzt werden, ist allerdings weniger haltbar als Heißasphalt. Der Schweriner Winterdienst hat laut Stadt in dieser Saison bis Anfang März über 30 Tonnen und Greifswald bereits 22 Tonnen davon verarbeitet. In Neubrandenburg seien mehr als 100 Bereiche mit Schlaglöchern erfasst worden. Bis zu drei Kolonnen kümmerten sich um die Schäden.

Auch in Stralsund wurden laut Stadt bereits direkt nach dem Abtauen viele Stellen mit Kaltasphalt bearbeitet. Ab Donnerstag sollen die Instandsetzungen mit heißem Gussasphalt starten und mehrere Wochen dauern. Später sollen an vier stärker geschädigten Hauptverkehrsstraßen die Straßendecken umfangreicher saniert werden. In Rostock sind laut Stadt täglich sechs Arbeitsgruppen zur Schadstellenbeseitigung unterwegs. Die Herausforderung sei mit Blick auf Personal und Geld groß. Notwendige Erhaltungsmaßnahmen fielen teils der knappen Stadtkasse zum Opfer.

Worauf sollten Autofahrer und -fahrerinnen achten?

Wegen der Schäden können teils Höchstgeschwindigkeiten reduziert und entsprechende Schilder aufgestellt werden. Die Reparaturen können zu Sperrungen führen. Autofahrer sollten ihre Fahrweise den Straßenverhältnissen anpassen beziehungsweise vorsichtig fahren, heißt es von den Städten.

"Das Problem ist, der Gesetzgeber sieht vor, dass man als Autofahrer Schlaglöcher mit einer Tiefe bis zu 15 Zentimetern akzeptieren muss", sagt Tietgen mit Blick auf die geltende Rechtsprechung. Fahre man unvorbereitet in ein solches Loch, könne es zu Schäden am Auto kommen. Falls es tatsächlich keinen Hinweis gab, sei eine Beweissicherung wichtig. Dazu gehörten etwa Fotos vom Schaden, vom Schlagloch und von der Straße ohne Hinweisschild. Auch Zeugen könnten helfen. Anders sieht es demnach aus, wenn per Schild gewarnt und etwa zum langsameren Fahren aufgefordert wurde. Dann bestünde keine Chance, den Schaden ersetzt zu bekommen.

dpa