"Ich sag´s"
Schwimmbäder starten Kampagne gegen sexualisierte Gewalt

Mit Plakaten und Flyern soll in Braunschweiger Bädern für das Thema sexualisierte Gewalt sensibilisiwert werden. Foto: Christian
Mit Plakaten und Flyern soll in Braunschweiger Bädern für das Thema sexualisierte Gewalt sensibilisiwert werden. Foto
© Christian Brahmann/dpa

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
In Schwimmbädern kann es im Wasser, in der Dusche oder der Sauna zu Situationen kommen, in denen sich Gäste zumindest unwohl fühlen. In Braunschweig soll eine Kampagne helfen, sich Hilfe zu holen.

Mit einer auffälligen Kampagne sollen Schutz und Sicherheit in Braunschweiger Schwimmbädern erhöht werden. "Fest steht: jeder Fall sexualisierter Gewalt ist einer zu viel", sagte Stadtbad-Geschäftsführer Tobias Groß bei der Vorstellung. Die gut sichtbaren Plakate, Videos und Flyer richten sich an Personal und vor allem Kinder und Jugendliche. "Hilfe holen ist kein Petzen", lautet die Botschaft. 

Mit der Kampagne soll allen klar werden, dass Anfassen ohne Einverständnis im Wasser oder Anstarren in Dusche und Sauna nicht akzeptabel ist. Es sei gewünscht, solche Situationen dem Personal zu schildern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden laut Geschäftsführer Groß in den vergangenen Monaten geschult, um Vorfälle dieser Art noch zuverlässiger zu erkennen und entsprechend handeln zu können.

Kampagne in Köln mit guten Erfahrungen 

Die Kampagne mit dem Titel "Ich sag´s" sei vor etwa zwei Jahren in Köln angestoßen worden, sagte Groß. Erfahrungen aus der Großstadt in Nordrhein-Westfalen zeigen nach Angaben des Badchefs, dass das Thema deutlich wahrnehmbarer ist. "Es wird mehr gemeldet", berichtete Groß. Nur wenn solche Situationen früh berichtet werden, könnten mögliche Vergehen oder schlimmere Eskalationen verhindert werden.

Für das Projekt haben sich die Verantwortlichen mit dem Kinderschutzbund Braunschweig, dem Fachzentrum gegen sexualisierte Gewalt "Sichtbar" und dem Präventionsteam der Polizei zusammengetan. Es gehe darum, sich schon bei Unwohlsein oder Unklarheiten Hilfe zu holen, sagte Ines Fricke von der Braunschweiger Polizei. Die Frage, ob eine strafbare Handlung vorliege, müssten Betroffene nicht selbst beantworten, das sei Aufgabe der Ermittler.

Gefühl von Verunsicherung entgegenwirken

Die Kampagne sei keine Reaktion auf hohe oder steigende Fallzahlen, betonte Geschäftsführer Groß. Es gehe vielmehr darum, einem Gefühl von Verunsicherung entgegenzuwirken, wenn etwa auf Social-Media-Kanälen oder anderen Medien über Ereignisse spekuliert werde. Für die Materialien und Schulungen des Personals sei eine niedrig fünfstellige Summe investiert worden.

dpa