Sechs Millionen Menschen besuchen ihn jährlich, er ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands - und für viele Kölner das Symbol ihrer Heimat: Der Kölner Dom, der ab Juli Eintritt kosten soll, fasziniert die Menschen.
Nicht nur in Köln, sondern deutschlandweit begeistert er die Massen und ist weltbekannt, nicht nur bei gläubigen Christen. Doch was macht diese Dom-Faszination eigentlich aus? Was begeistert die Menschen an einer Kirche in einer Zeit, in der Kirchen und der Glaube eine immer kleinere Rolle zu spielen scheinen?
"Der Kölner Dom fasziniert, weil er für viele verschiedene Dinge steht. Er ist steingewordener Glaube und Weltkulturerbe, eine der bedeutendsten Kirchen der Christenheit und ein gotisches Meisterwerk", sagt Markus Frädrich vom Domkapitel in Köln.
Der Dom ist das Wahrzeichen der Stadt. Er prägt die Stadt und die kölsche Identität. "Der Dom ist in Köln allgegenwärtig: Wohl keine andere Stadt auf der Welt definiert sich gleichermaßen über ein Gotteshaus. "Home is where the Dom is“ heißt es in einer der unzähligen Liedzeilen, die über die Kölner Kathedrale erdichtet worden sind", erklärt Frädrich.
Selbst wer weder christlich sozialisiert noch katholisch sei, schwärme vom Gänsehaut-Gefühl, das sich nach einer längeren Abwesenheit aus der Domstadt beim Anblick der Zwillingstürme einstelle.
Heike Delitz von der Universität Regensburg - eine Kulturwissenschaftlerin, die auch zu Architektursoziologie forscht - erklärt die Dom-Faszination unter anderem mit der enormen Größe der Kathedrale, ihrer Schönheit, dem Filigranen im Äußeren und mit dem Innern. Zudem spiele eine Rolle, dass man sich schwer vorstellen könne, dass Gebäude wie der Dom im Mittelalter errichtet worden seien.
Delitz betont allerdings auch, dass der Dom damit nicht völlig allein ist. Ähnlich groß sei aus diesen Gründen auch die Begeisterung für Notre-Dame in Paris, den Veits-Dom in Prag, den Mailänder Dom oder auch für das Ulmer Münster, den Regensburger Dom oder den Dom in Freiburg.
Was macht den Kölner Dom in Deutschland so einzigartig?
Doch was macht gerade den Kölner Dom so besonders? "Hierzulande ist es vermutlich vor allem die Größe und der Ruf, die größte deutsche Kathedrale zu sein. Und je öfter so ein Ruf wiederholt wird, umso verbreiteter ist die Kenntnis des Doms, umso größer auch mit diesem Wissen das Erstaunen, wenn man davor steht", erklärt Wissenschaftlerin Delitz. "Sicher liegt es auch an der langen Baugeschichte und auch an der Lage - inmitten einer vom Krieg zerstörten Großstadt am Rhein."
Dass Gebäude wie der Dom durch ihre Größe und Filigranität so eindrucksvoll sind, ist laut Delitz kein Zufall. Dies sei im Mittelalter unter anderem aus einer Machtkonkurrenz und einem überregionalen Anspruchsniveau heraus entstanden. Man habe die eigene Machtfülle durch riesige Bauten zementieren wollen.
Dom-Faszination gibt es schon lang
Die Faszination für den Dom ist Frädrich zufolge jedoch kein neues Phänomen. Das Gotteshaus habe in unterschiedlichen Zeiten auf verschiedene Weise fasziniert. "Im Mittelalter durch seine schiere Größe, den zunächst schnellen Baufortschritt und als Pilgerort, der sich neben Santiago de Compostela, Rom und den Stätten im Heiligen Land nicht verstecken musste", erklärt er.
Im 19. Jahrhundert sei der Dom Symbol für das zusammenwachsende Deutschland gewesen, war Nationaldenkmal und für einige Jahre am Ende des 19. Jahrhunderts sogar das höchste Gebäude der Welt, bevor er vom Washington Monument abgelöst wurde.
Heute fasziniere der Dom "als gotische Kathedrale der Superlative, in der 1.800 bis 2.000 Gottesdienste im Jahr gefeiert werden, als eines der berühmtesten, bekanntesten meistbesuchten Bauwerke Deutschlands und kulturelles Erbe mit weltweiter Anziehungskraft."
Begeisterung auch statistisch belegbar
Das Phänomen Kölner Dom lässt sich auch mit Zahlen belegen: Pro Jahr besuchen ihn laut Domkapitel rund sechs Millionen Menschen, zudem gilt er auch in einigen Umfragen und Erhebungen als die beliebteste Sehenswürdigkeit Deutschlands. Laut einer Untersuchung der University of Europe for Applied Sciences (2024) führe der Dom mit 4,8 Sternen die Liste der beliebtesten Welterbestätten in Deutschland an, betont Frädrich.
"In Umfragen des Deutschen Tourismusverbandes und meinestadt.de wurde der Dom mehrfach, beispielsweise 2007 und 2011, zur Nummer 1 gewählt. Eine frühere ZDF-Umfrage kürte den Dom zum Lieblingsort, noch vor dem Brandenburger Tor", unterstreicht Frädrich.
Auch die Größe sei entscheidend: 157 Meter hoch sind die beiden Türme, der Südturm ist allerdings vier Zentimeter größer als der Nordturm. Die größte Glocke des Doms, der sogenannte "dicke Pitter", wiegt laut Domkapitel 24.000 Kilogramm - so viel wie knapp 20 Autos.
Dom zuletzt vermehrt Thema wegen kommenden Eintrittspreisen
Zuletzt geriet der Kölner Dom wieder vermehrt in die Schlagzeilen, da man ab der zweiten Jahreshälfte für den Eintritt ins Innere erstmals bezahlen muss - wie viel, ist aber noch offen. Ob das die Dom-Faszination bremsen wird, ist offen.
"Wir gehen davon aus, dass der Kölner Dom seine ikonische Strahlkraft als Gotteshaus, Weltkulturerbe und Wahrzeichen Kölns behalten und weiterhin zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands zählen wird. Denn für viele andere Sehenswürdigkeiten in Deutschland muss man ganz selbstverständlich auch Eintritt bezahlen", betont Frädrich.
Zwar sei es möglich, dass sich die Zahl der touristischen Besucherinnen und Besucher des Doms reduzieren werde. "Zugleich sind wir davon überzeugt, dass die Atmosphäre im Innenraum des Kölner Doms von weniger Besucherinnen und Besuchern durchaus profitieren wird."
Man gehe davon aus, dass die neue Besichtigungsgebühr den Tagesbetrieb im Dom deutlich beruhige und dabei helfe, ihn wieder stärker als Gotteshaus und sakralen Raum erfahrbar zu machen. Beten oder Kerzen anzünden sei daher weiter kostenfrei möglich.