Im Fall einer vor zweieinhalb Wochen in Bielefeld tot in ihrer Kühltruhe entdeckten jungen Frau hat die Polizei den mutmaßlichen Täter ermittelt und festgenommen. Der 32 Jahre alte Freund der Toten sitze inzwischen in Untersuchungshaft, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Er habe die Tat gestanden, hieß es weiter.
Den Angaben der Behörden zufolge soll die Beziehung zu dem Opfer von gegenseitiger Gewalt geprägt gewesen sein. Der Deutsche habe die Tat eingeräumt, sei aber der Ansicht, in einer Situation der Notwehr gehandelt zu haben, hieß es in der Mitteilung. Dem folgte die Staatsanwaltschaft aber offensichtlich nicht: Auf ihren Antrag hin erließ ein Haftrichter einen Untersuchungshaftbefehl wegen Totschlags.
Leiche wies viele Verletzungen an Hals und Oberkörper auf
An der Leiche der Toten waren viele Verletzungen an Kopf und Oberkörper festgestellt worden. Die Rechtsmediziner gehen davon aus, dass die Frau entweder erstickte oder durch stumpfe Gewalteinwirkung am Hals ums Leben kam. Zum Tathergang und auch zum Zeitpunkt des Verbrechens machten die Ermittler zunächst keine weiteren Angaben.
Der Bruder der Getöteten hatte seine Schwester am 12. April tot in der Tiefkühltruhe ihrer Souterrainwohnung entdeckt und die Polizei alarmiert. Die sofort eingerichtete Mordkommission vermeldete aber lange keine Ermittlungserfolge.
Lagerung in Tiefkühltruhe herausfordernd für Rechtsmediziner
Ein Grund: Der Zustand der tiefgefrorenen Leiche stellte die Rechtsmediziner vor Herausforderungen bei der Spurensicherung. Erst vier Tage, nachdem die tiefgefrorene Leiche aus der Truhe geborgen war, fand die Obduktion statt. Um mögliche Spuren zu erhalten, müsse die Leiche besonders behutsam und langsam wieder auf Temperatur gebracht werden, hatte es geheißen.
Auch im Anschluss der Obduktion wurde die Todesursache zunächst nicht sicher festgestellt, weil sich durch die Lagerung bei Minustemperaturen Veränderungen an den Verletzungen ergeben haben könnten, wie es hieß. Mehrfach hatte die Polizei zudem Bekannte und mögliche Kontaktpersonen des Opfers aufgerufen, sich zu melden, um mehr über das Umfeld der Toten zu erfahren. Auch nach dem Freund der Toten war gesucht worden - allerdings anfangs ohne dringenden Tatverdacht.
Frühe Hinweise auf Problem-Beziehung
Nun teilten die Behörden mit, dass es bereits kurz nach dem Fund Hinweise zu ihm gegeben habe. So habe man Hinweise darauf erhalten, dass die Beziehung der beiden problembehaftet gewesen sei, so ein Polizeisprecher. In den ersten Ermittlungstagen sei es aber nicht gelungen, Kontakt zu dem Freund aufzunehmen und ihn zu befragen. Er habe keinen festen Wohnsitz, hieß es weiter.
Bei den weiteren Ermittlungen habe sich der Anfangsverdacht gegen ihn schließlich erhärtet. Intensive Arbeit der Ermittler habe schließlich auf die Spur des Mannes geführt, hieß es nun. Weil er sich den Angaben zufolge mittlerweile in Frankfurt am Main aufhielt, unterstützte die hessische Polizei bei der Festnahme. Der Gesuchte sei am Dienstagabend am dortigen Hauptbahnhof gefasst und am Folgetag einem Haftrichter vorgeführt worden. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.