Messerangriff auf Schüler
Prozess um getöteten 16-Jährigen: Freispruch und Forensik

Der Mordprozess hatte am Landgericht Detmold mit einem Geständnis des Angeklagten begonnen. (Archivbild) Foto: Friso Gentsch/dpa
Der Mordprozess hatte am Landgericht Detmold mit einem Geständnis des Angeklagten begonnen. (Archivbild) Foto
© Friso Gentsch/dpa
Ein 33-Jähriger hat gestanden, einen Schüler in einem Supermarkt erstochen zu haben. Dennoch wird er freigesprochen. Das Landgericht Detmold ordnet Unterbringung in einer forensischen Psychiatrie an.

Im Prozess um einen mit Messerstichen in einem Supermarkt getöteten Schüler ist der Angeklagte wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen und seine Einweisung in eine forensische Psychiatrie angeordnet worden. Das Landgericht Detmold sah das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. 

Die Unterbringung des geständigen Deutschen in einer forensischen Psychiatrie auf unbestimmte Zeit bedeute "auch eine Inhaftierungssituation und das ist kein Zuckerschlecken", betonte der Vorsitzende Richter Karsten Niemeyer am Donnerstag. Der 33-Jährige hatte die Gewalttat in Lemgo bei Bielefeld am ersten Verhandlungstag in der vergangenen Woche umfassend gestanden. 

Wegen paranoider Schizophrenie schuldunfähig

Ein Gutachter sagte, eine vollständige Schuldunfähigkeit des 33-Jährigen wegen einer psychischen Erkrankung - paranoider Schizophrenie - sei nicht auszuschließen. Von ihm gehe für die Allgemeinheit die Gefahr aus, dass er weitere schwere Gewalttaten begehe. 

Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert. Auch die Staatsanwaltschaft und der Vertreter der Nebenkläger - die Eltern des Getöteten - plädierten auf Freispruch. 

Vater des Getöteten: "Wir können vergeben"

 Der Angeklagte hatte gestanden, am 20. Oktober zweimal auf den Jugendlichen eingestochen zu haben. Er habe sein Opfer nicht gekannt. Seine Tat nannte er "sinnlos und barbarisch" und bat die Eltern zu Prozessbeginn um Verzeihung. Am Donnerstag entschuldigte er sich erneut für das Leid, das er den Eltern zugefügt habe. Der Vater des Getöteten sagte: "Wenn wir als Familie überleben wollen, dann müssen wir vergeben. Wir können vergeben."

Laut Anklage hatte der 33-Jährige zweimal mit einem Küchenmesser in Tötungsabsicht auf den Schüler eingestochen, vor den Augen von Kunden und Kassiererinnen. Der Angeklagte hatte im Gericht von langer Drogenabhängigkeit und mehreren stationären Aufenthalten wegen psychischer Erkrankungen berichtet. Am Tatabend habe er "massive Wut" gespürt und sei in aggressiver Stimmung gewesen.

dpa

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