Streit um Großprojekt
Spatenstich unter Protest: Start für A59-Brücke

Die A59-Brücke in Duisburg ist marode - doch über den geplanten Um- und Neubau von Brücke und Autobahn tobt heftiger Streit. (Ar
Die A59-Brücke in Duisburg ist marode - doch über den geplanten Um- und Neubau von Brücke und Autobahn tobt heftiger Streit. (Archivbild) Foto
© Thomas Banneyer/dpa

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Der Bau der neuen A59-Brücke in Duisburg startet – doch Proteste begleiten das Projekt. Warum Stadt und Bürger gegen die geplante Hochstraße kämpfen.

Mit einem symbolischen Spatenstich will der Bund am Montagnachmittag in Duisburg das Startsignal für eines der umstrittensten Autobahnprojekte im Ruhrgebiet geben: den Neubau der maroden A59-Brücke über Ruhr und Hafengelände, bekannt als Berliner Brücke. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) und der oberste Chef der Autobahn GmbH, Michael Güntner, haben sich persönlich angekündigt – doch nicht alle warten mit offenen Armen auf sie.

Die Berliner Brücke ist auf 1,8 Kilometern Länge ein ganzes Geflecht aufeinanderfolgender Bauwerke: Sie führt über mehrere Straßen, Bahngleise, die Ruhr, den Rhein-Herne-Kanal und ein Hafenbecken. Im Oktober 2024 wurden neue erhebliche Mängel festgestellt, die vor allem die Tragfähigkeit für schwere Lastwagen betreffen – seitdem ist die A59 dort für den Schwerlastverkehr gesperrt.

Brücke als Hafenanschluss - Ausfall wäre "Katastrophe"

Die Brücke verbindet den größten Binnenhafen der Welt mit zahlreichen Industrie- und Logistikflächen im Umland – ein Ausfall wäre nach Einschätzung der Autobahn GmbH "eine Katastrophe". 

Der Brückenbau soll dabei nur ein erster Teil und der Startschuss für ein weit größeres Projekt sein, mit dem die Autobahn GmbH die A59 in Duisburg auf 6,7 Kilometern grundlegend sanieren und sechsspurig ausbauen will – inklusive einer verbesserten Anbindung an das Autobahnkreuz Duisburg (A40) und das Kreuz Duisburg-Nord (A42). Für das Gesamtprojekt gibt es noch kein Baurecht. Wegen der besonderen Dringlichkeit hat das Fernstraßen-Bundesamt aber mit einer vorläufigen Anordnung den frühzeitigen Baubeginn an der Berliner Brücke erlaubt.

Tunnel oder Hochstraße - Stadt droht mit Klage

Die Stadt Duisburg lehnt den von der Autobahn GmbH favorisierten Ausbau als Hochstraße im Stadtteil Meiderich wegen Lärm und Umweltbelastung strikt ab und fordert stattdessen einen Tunnel. Im Stadtteil Hamborn verlangt sie zusätzlich eine Überdeckelung der geplanten Troglage. Die Autobahn GmbH hat diese Forderungen auf der Grundlage einer Machbarkeitsstudie jedoch zurückgewiesen: Ein Tunnel würde rund 2,3 Milliarden Euro mehr kosten und die Bauzeit von 6,5 auf 12 Jahre nahezu verdoppeln, argumentiert sie. 

Die Fronten sind verhärtet. Oberbürgermeister Sören Link (SPD) bezeichnete die Pläne einer erweiterten Hochstraße als "verkehrspolitische Maßnahmen aus der Mottenkiste der 1960er Jahre" und schloss eine Klage ausdrücklich nicht aus. "Wir werden alle rechtlichen und politischen Mittel ausschöpfen", ließ er mitteilen. 

Autobahn GmbH verweist auf Lärmschutz

Eine erweiterte Autobahn im Duisburger Norden hätte in Hochlage laut Stadtangaben eine "Regelbreite" von 46 Metern – mit einem Abstand zur benachbarten Bebauung von teilweise unter zehn Metern, argumentieren die Gegner. Ein Bürgerverein in Duisburg-Meiderich plant am Montag eine Protestkundgebung am Rande des Spatenstichs. 

Alle fundierten Hinweise und Forderungen und die über 1.400 schriftlichen Einwendungen gegen die Hochtrasse würden ignoriert - "das ist menschenverachtend", schrieb der Vereinsvorsitzende Peter Dahmen. Deshalb werde der Verein demonstrieren. "Bringen Sie gerne alles mit, was Krach macht", hieß es in einem Aufruf. 

Dem hält die Autobahn GmbH umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen wie Schutzwände und lärmmindernde Fahrbahnbeläge entgegen, die eine "deutlich spürbare Verbesserung" zum Ist-Zustand brächten. Die Autobahn GmbH hat ein Bürgertelefon eingerichtet, um über ihre Pläne zu informieren. 

Zeitdruck: Die alte Brücke hält nur noch bis 2029

Zeit für lange Rechtsstreitigkeiten haben die Beteiligten nicht. Nach aktuellen Prognosen hält die alte Brücke noch bis 2029 – dann soll nach den bisherigen Planungen die erste neue Teilbrücke für den Verkehr in Richtung Süden fertig sein. Anschließend soll die alte Konstruktion abgerissen und eine zweite Brücke für den Gegenverkehr errichtet werden.

dpa

Mehr zum Thema