2. Fußball-Bundesliga
Das Dorf steht kopf: Elversberg betritt die Bundesliga-Bühne

Trainer Vincent Wagner führte die SV Elversberg erstmals in die Bundesliga. Foto: Uwe Anspach/dpa
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Freibier, Bierduschen und Stadion-Party: Vier Jahre nach dem letzten Regionalliga-Spiel ist Elversberg Bundesligist und schreibt sein Fußball-Märchen weiter. Es folgte eine lange Party-Nacht.

Als sich die Stadiontore in Elversberg öffneten und die Fans auf den Rasen strömten, gab es auch für Spieler und Trainer kein Halten mehr. Erst warfen sie sich in die Menge, später wurde auf der mobilen Bühne gefeiert. Allen voran: Vincent Wagner, der am Mikrofon den Chef-Einheizer gab und kräftig Bierduschen verteilte. Jeden Spieler, alle Betreuer bis hin zum Busfahrer würdigte er als Teil des historischen Bundesliga-Aufstiegs. 

"Oh, wie ist das schön", sangen die Fans und ließen ihre Helden hochleben. Vom Verein gab es Freibier. Danach startete die größte Party, die das 7.500 Einwohner zählende Elversberg jemals gesehen hat. Erstmals seit 33 Jahren ist das Saarland wieder in der Fußball-Bundesliga vertreten. 

"Ich habe die letzten Tage kaum geschlafen. Mir bedeutet das alles", sagte Luca Schnellbacher, der den Weg von der Regionalliga Südwest bis in die Bundesliga mitgemacht hat – mit drei Aufstiegen in nur fünf Jahren. "Letztes Jahr standen wir hier und haben geweint, weil wir es in der Relegation nicht geschafft haben. Da war Trauer und die Ungewissheit, ob das nochmal was werden kann. Dass wir so zurückkommen, ist unfassbar."

Märchenhafte Erfolgsstory

Der Aufstieg der SVE zählt zu den bemerkenswertesten Fußball-Geschichten der vergangenen Jahre. 2022 spielte der Club noch in der Regionalliga, nun reisen Bayern München, Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen ins kleine Elversberg. Trainer Horst Steffen und Sportvorstand Nils-Ole Book entwickelten ab 2018 eine Spielidee und ein Team, das unabhängig von Namen funktionierte. Elversberg stieg 2022 in die 3. Liga auf und schaffte direkt den Durchmarsch in die 2. Bundesliga. 

Seit Steffens Wechsel zu Werder Bremen schreibt Vincent Wagner die Geschichte fort. Der 40-Jährige kam vor der Saison von Hoffenheim II und führte die SVE in seiner Premierensaison mit 62 Punkten und der besten Zweitliga-Saison der Club-Geschichte direkt ins Oberhaus - trotz einiger Widrigkeiten wie dem Winter-Abgang von Top-Torjäger Younes Ebnoutalib zu Eintracht Frankfurt oder dem Wechsel von Book nach Dortmund. 

Ihrer Philosophie blieb die SVE aber stets treu. Die Mannschaft überzeugte mit mutigem Offensivfußball und einer klaren Spielidee. "Die Reise geht weiter", kommentierte Keeper Nicolas Kristof, der wie Schnellbacher für den märchenhaften Aufstieg des Vereins steht. "Wenn ich an mein erstes Regionalliga-Spiel denke, waren vielleicht 500 Zuschauer da. Heute sind es Zehntausend. Hätte mir das vor vier Jahren jemand gesagt, hätte ich ihn für verrückt erklärt."

Viel Arbeit im Sommer

Auf dem Platz schossen Bambasé Conté und David Mokwa die SVE beim 3:0 gegen Preußen Münster zum Aufstieg. Trotz aller Euphorie bleibt der Trainer realistisch. "Nächstes Jahr spielen wir in einer Liga, in der der Topverdiener eines Clubs wahrscheinlich so viel verdient wie unser ganzer Kader", sagte Wagner. "Auf uns wartet eine brutale Herausforderung. Aber wir werden unseren Weg konsequent weitergehen."

In puncto Kaderplanung geht die Arbeit nun erst richtig los. Top-Spieler wie Conté sind nur geliehen (Hoffenheim). Ob er auch in der Bundesliga das SVE-Trikot trägt? "Bamba ist ein außergewöhnlicher Spieler. Vielleicht sind unsere Chancen durch den Aufstieg von null auf etwas mehr gestiegen, aber wir müssen schauen, welche Möglichkeiten wir auf dem Transfermarkt haben", sagte der neue Sportdirektor Christian Weber. 

Vorher wird aber noch ein bisschen gefeiert. Nach einem Empfang vor dem Rathaus in Spiesen-Elversberg düst die Mannschaft nach Mallorca, kündigte Schnellbacher an. "Ich habe mich schon entschuldigt bei meiner Frau. Die war die ganze Saison da - jetzt muss sie allerdings nochmal ein paar Tage auf mich verzichten."

dpa