Kirche
Vor Jahrzehnten gestohlen - Madonnenfigur im Netz gefunden

Ortsvorsteher Marmitt (links) entdeckte ein Foto einer Auktion von 2009 im Netz, später schaltete sich Bistumskonservator Paulke
Ortsvorsteher Marmitt (links) entdeckte ein Foto
© Bischöfliche Pressestelle Bistum Trier /dpa
Die Figur verschwand 1977 aus einer Kapelle. Inzwischen ist bekannt, dass sie bei einer Auktion 2009 verkauft wurde. Ein ganzer Ort hofft auf die Rückkehr - dank akribischer Arbeit des Ortsvorstehers.

Im Fall einer vor fast 50 Jahren aus einer Kapelle in einem kleinen Ort im Saarland gestohlenen Madonnenfigur gibt es dank der Recherchearbeit eines Ortsvorstehers wieder Hoffnung auf ein Happy End. Geklaut wurde die Madonnenfigur aus einer Kapelle in einem Stadtteil von Wadern namens Wadrilltal-Gehweiler. Lange Zeit fehlte jede Spur, die Diebe wurden nie gefasst, wie das Bistum Trier mitteilte.

Im Jahr 2024 wurde der neu gewählte Ortsvorsteher des Wadrilltals, Alexander Marmitt, auf das Thema aufmerksam. Er unterhielt sich dem Bistum zufolge mit Menschen aus dem Ort, durchstöberte Archive und bemerkte bei all dem, welche Bedeutung die aus Holz geschnitzte, 94 Zentimeter große Madonnenfigur mit Jesuskind aus dem 15. Jahrhundert nach wie vor für den Ort hatte. Im weiteren Verlauf habe er intensiv auch auf Internetseiten von Auktionshäusern, Kunsthändlern und Sammlerplattformen recherchiert.

Für fast 20.000 Euro verkauft

Das führte Mitte Januar 2025 dem Bistum zufolge zu einem unerwarteten Fund: Auf der Seite eines Auktionshauses aus Süddeutschland stieß er auf Fotos von einer Auktion im Jahr 2009, bei der eine solche sogenannte Sitzmadonna für fast 20.000 Euro verkauft worden sei. Ortsvorsteher Marmitt wendet sich daraufhin an das Amt für kirchliche Denkmalpflege, der Bistumskonservator Matthias Paulke schaltet sich ein. 

Die Fotos von der Auktion werden geprüft und bewertet. Paulkes Fazit laut Bistum: "Die Figur war professionell restauriert worden, aber man erkannte sie einwandfrei." Der Konservator vermutet den Angaben zufolge, dass es damals ein Auftragsdiebstahl war. Bis weit in die 1990er Jahre seien solche Figuren noch deutlich mehr wert gewesen als heute. 

Bistum denkt über Schadenersatzansprüche nach

Der Fall landet der Bistumsmitteilung zufolge auch bei der Staatsanwaltschaft Saarbrücken. Die habe die Ermittlungen eingestellt, weil das Ganze lange verjährt sei. Das Bistum prüft nach eigenen Angaben noch, ob Schadenersatzansprüche gegenüber dem Auktionshaus geltend gemacht werden können. Allerdings erklärt Konservator Paulke, Auktionshäuser hätten zwar Zugang zu Onlineverzeichnissen solcher Kunstwerke, dieser Fall liege jedoch so weit zurück, dass er dort sicherlich nicht gelistet worden sei. 

Das Bistum machte den Fall nun öffentlich und hofft darauf, dass sich der Käufer von damals meldet. Denn die Unterlagen von der Auktion existieren laut dem Auktionshaus nicht mehr, wie eine Bistumssprecherin erklärte. Der Käufer ist also nicht bekannt. Ortsvorsteher Marmitt glaubt an das große Happy End. "Mein größter Wunsch wäre natürlich, dass unsere Sitzmadonna wieder nach Gehweiler zurückkehrt, wo sie hingehört", wird er in einer Mitteilung des Bistums zitiert.

dpa

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