Die Warnung vor möglichen globalen Folgen einer Eskalation im Iran-Konflikt sorgt auch in der Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt für Unruhe. Zwar gebe es derzeit keine Engpässe bei Düngemitteln, doch steigende Preise setzen die Betriebe zunehmend unter Druck, teilte der Landesbauernverband auf Anfrage mit.
Hintergrund sind gestörte Lieferketten und steigende Energiepreise infolge des Konflikts. Der Nahe Osten ist ein wichtiger Exporteur von Düngemitteln und Rohstoffen, zudem ist Erdgas ein zentraler Bestandteil der Produktion. Durch die Kämpfe und Probleme im Schiffsverkehr - etwa rund um die Straße von Hormus - geraten Märkte weltweit unter Druck.
Preise steigen deutlich
"Nach derzeitigem Kenntnisstand gibt es keinen konkreten Düngemittel-Engpass in Sachsen-Anhalt", sagte der Bauernverband-Sprecher Erik Hecht. Allerdings seien Preiseffekte für die Landwirtinnen und Landwirte bereits spürbar. "Die Düngerpreise sind seit Anfang des Monats um mehr als 20 Prozent gestiegen." Dies habe eine extreme Verteuerung der Produktion zur Folge.
Wirtschaftlicher Druck wächst
Steigende Preise träfen die Betriebe kurzfristig vor allem bei Liquidität, Planungssicherheit und Wirtschaftlichkeit, erklärte der Verband. "Noch bevor es zu Lieferproblemen kommt, wächst damit der wirtschaftliche Druck auf die Höfe." Um den Kostendruck zu mindern, fordert der Bauernverband unter anderem, die CO2-Besteuerung beim Diesel auszusetzen. "Das würde Bereichen wie der Landwirtschaft und dem Transportgewerbe eine spürbare Erleichterung bringen", so Hecht.
Kaum Spielraum für Einsparungen
Auf die Preisentwicklung könnten Landwirte nur begrenzt reagieren, erklärte der Verband. Eine weitere Reduzierung des Düngereinsatzes sei in der Praxis keine sinnvolle Option. "Wer aus Kostendruck deutlich weniger düngt, wird absehbar Ertragseinbußen und Qualitätsverluste erhalten", sagte Hecht.
Lehren aus vergangenen Krisen
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten die Betriebe zudem für Schwankungen bei wichtigen Betriebsmitteln sensibilisiert. Eine umfassende Bevorratung sei jedoch oft nicht möglich, da dies viele Betriebe finanziell überfordern würde. "Landwirtinnen und Landwirten wissen, dass die Versorgungssicherheit mit Produktionsmitteln in den letzten Jahren zunehmend unsicher geworden ist", sagte Hecht.
Umweltfolgen im Blick
Umweltverbände und Wissenschaft verweisen bereits seit Jahren auf die ökologischen Folgen intensiver Düngung. Forschende etwa vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung sehen weiterhin hohe Stickstoffüberschüsse in Europa, die Gewässer, Böden und Biodiversität belasten. Umweltorganisationen wie der Naturschutzbund (Nabu) fordern zudem, den Einsatz von Düngemitteln stärker zu reduzieren und die Landwirtschaft nachhaltiger auszurichten.
Allerdings weisen Studien darauf hin, dass geringere Düngemengen auch Folgen für die Produktion haben können. So zeigen Berechnungen von Forschern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, dass eine deutliche Reduzierung des Düngereinsatzes mit Ertragseinbußen verbunden sein kann.