Das Theater Magdeburg hat sich künstlerisch mit dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt auseinandergesetzt und bringt das Stück ab dem 23. Mai unter dem Titel "Wunde Stadt" auf die Bühne. Es gehe um Trauer, um Trauerbewältigung und Heilung, hieß es vorab. In keiner Weise werde der Anschlag nachgespielt oder der Täter in den Mittelpunkt gerückt.
Autor Kevin Rittberger hörte Betroffenen und auch Seelsorgern zu. Er habe verfolgt, wie es ihnen über längere Zeiträume erging. "Ich habe versucht zu verstehen, was Menschen durchmachen, was Menschen brauchen, was ihnen hilft, was ihnen nicht hilft, was zu Rückfällen führt", so Rittberger.
Figuren nehmen unterschiedliche Wege aus dem Schmerz
Was Rittberger gehört, mitgefühlt und aufgeschrieben habe, sei in Figuren geflossen, erklärte Regisseur Sebastian Nübling: eine Malerin in ihrem Atelier, eine Krankenschwester mit migrantischem Hintergrund, ein Trauerkreis, eine Seelsorgerin, die über ihren Job reflektiert. Diese Figuren machten Zeitsprünge ausgehend von kurz nach dem Anschlag bis deutlich später. "Die Figuren, die wir beobachten, nehmen sehr unterschiedliche Wege raus aus dem Schmerz, raus aus der Verletzung", sagte Rittberger. Zehn Ensemblemitglieder, die auch in Magdeburg lebten, seien an dem Stück beteiligt.
Kurz vor Weihnachten, am 20. Dezember 2024, war der damals 50-jährige Taleb Al-Abdulmohsen mit einem mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt gefahren. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge starben. Mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt. Derzeit läuft das Strafverfahren gegen den Todesfahrer. Im Juni könnte das Urteil fallen.
Auf die Ankündigung des Theaters Magdeburg, den Anschlag zum Thema zu machen, hatte es Gegenwind gegeben. Vor einer Operettenpremiere, die nichts mit den Plänen zu tun hatte, demonstrierten im November knapp 100 Menschen, erinnerte sich der Generalintendant. Viele davon seien offenbar mit einer anderen Agenda gekommen, was an Bannern zu erkennen gewesen sei, bei denen es um Migration gegangen sei. Es sei zudem die Forderung aufgekommen, das Stück zu verbieten.
Intendant: Diskussion und Widerspruch erwünscht
"Unsere Aufgabe ist es, einen Raum zu öffnen, in dem eine Gesellschaft ihre eigenen Brüche, Ängste und Widersprüche betrachten kann - mit Komplexität, mit Sensibilität und mit Freiheit", betonte Generalintendant Julien Chavaz. Das Theater wünsche sich Diskussion und auch Widerspruch. An der künstlerischen Freiheit dürfe aber nicht gerüttelt werden, Chavaz sprach von einer "roten Linie".