Polizei
Polizei trainiert gefährliche Einsätze mit Virtual Reality

Polizeibeamte üben in der neuen Virtual-Reality-Anlage an der Fachhochschule Polizei Sachsen-Anhalt ein Einsatzszenario. Foto: M
Polizeibeamte üben in der neuen Virtual-Reality-Anlage an der Fachhochschule Polizei Sachsen-Anhalt ein Einsatzszenario. Foto
© Matthias Bein/dpa
Ein Messerangriff, eine Amoklage an einer Schule oder ein Fall häuslicher Gewalt: Polizisten in Sachsen-Anhalt sollen dank modernster Technik besser auf solche Einsätze vorbereitet werden.

In einer neuen Virtual-Reality-Trainingsanlage können Polizistinnen und Polizisten in Sachsen-Anhalt gezielt auf lebensbedrohliche Einsatzlagen vorbereitet werden. Mit speziellen Brillen, Sensoren und Kameras tauchen die Beamten in virtuelle Szenarien ein, die in ihrem Dienstalltag vorkommen können: ein Fall häuslicher Gewalt, ein Tankstellenüberfall oder eine Amoklage in einer Schule etwa. Bis zu vier Teilnehmer plus ein Trainer können gleichzeitig in einem Szenario agieren.

Das Land Sachsen-Anhalt hat dafür 1,25 Millionen Euro aus dem Corona-Sondervermögen investiert, wie Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) bei der Präsentation der Anlage an der Fachhochschule Polizei in Aschersleben sagte. 

Aus einem alltäglichen Routineeinsatz könne sich eine lebensbedrohliche Situation entwickeln. Die Beamten sollen mit dem Training Handlungssicherheit in unterschiedliche Szenarien gewinnen. Es gehe speziell um Situationen, in denen Streifenbeamte als die Ersten am Einsatzort seien und nicht auf das Spezialeinsatzkommando warten könnten.

Streifenbeamten sind die Ersten am Tatort und müssen handeln

Zieschang erinnerte etwa an einen Messerangriff in Wolmirstedt im Juni 2024, bei dem ein 27-jähriger Afghane zunächst einen Landsmann getötet hatte. Er verletzte dann auf einer Fußball-EM-Party mehrere Menschen. Polizisten erschossen den Mann, als er mit einem Messer auf sie zukam. 

Bei den Trainings kann anhand von Aufzeichnungen ausgewertet werden, was gut lief und wo Verbesserungen nötig sind. Geschaut wird etwa, welche Bereiche nicht gesichert waren oder ob ein Schusswaffengebrauch rechtlich in Ordnung war. 

In einem Szenario etwa werden die Beamten zu einem Amoklauf in eine Schule gerufen. Sie gehen vom Flur aus in verschiedene Räume und suchen den Täter. Als sie ihn finden, wirft der seine Schusswaffe weg, hält aber ein Messer in der Hand und legt sich nicht auf den Boden. Nun muss gehandelt werden. Den Beamten stehen in dieser Simulation alle Einsatzmittel zur Verfügung, die sie auch sonst dabeihaben - von der Schusswaffe über ein Funkgerät, einen Schlagstock und eine Taschenlampe. 

35 Szenarien stehen zur Auswahl

Zur Auswahl stehen 35 Szenarien. Darunter sind etwa auch Gebäude mit Keller, in denen es dunkel ist und die Beamten auf eine Taschenlampe angewiesen sind. Tiere können vorkommen und auch Kinder - in der Realität wären sie nicht einfach in Übungen einzubauen. 

Die Trainings in der neuen Anlage sind vorrangig für Beamte gedacht, die schon im Dienst sind. Sie können aber auch in die Schlusssemester von Ausbildung und Studium eingebaut werden, hieß es. Ähnliche Virtual-Reality-Trainingsanlagen gibt es auch schon in andern Bundesländern, etwa in Niedersachsen und Hessen.

dpa