Zeugen der Geschichte
Raus aus der Werkstatt: Erste Formate des Zukunftszentrums

Wenn der Bau des Zukunftszentrums in Halle steht, sollen dort viel mehr Menschen arbeiten als jetzt. Foto: Jan Woitas/dpa
Wenn der Bau des Zukunftszentrums in Halle steht, sollen dort viel mehr Menschen arbeiten als jetzt. Foto
© Jan Woitas/dpa
Wie erleben Menschen gesellschaftlichen Wandel? Das Zukunftszentrum startet mit Gesprächen und sucht Geschichten aus Ost- und Mitteleuropa seit 1989.

Das Team des bundesweiten Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Europäische Transformation will seine Arbeit mit den Menschen in Deutschland und Europa aufnehmen. "Im Herbst dieses Jahres wollen wir dann richtig nach draußen gehen", sagte der Chef des Zentrums, Holger Lemme, der Deutschen Presse-Agentur. Das Zentrum soll ein Ort für die Transformationserfahrungen der Menschen in mittel- und osteuropäischen Ländern seit 1989/1990 sein – sie dokumentieren, archivieren und in unterschiedlicher Art verarbeiten.

Ab Herbst soll es einen "mobilen Raum", möglicherweise einen Bus oder einen Anhänger, geben, um unterwegs mit Menschen ins Gespräch zu kommen, kündigte Lemme an. Starten wolle sein Team im halleschen Stadtteil Neustadt, dann soll der Radius immer größer werden. 

DDR-Zeit nicht im Fokus

Während der Gespräche im mobilen Raum soll es vor allem um die Erfahrungen und Fragen rund um das Thema Transformation gehen. Keinen Forschungsschwerpunkt legt das Zentrum auf die DDR-Zeit, betonte Lemme. "Dieser Zeitraum wird von anderen Institutionen erforscht und aufgearbeitet." Für die Gestaltung des mobilen Raums läuft derzeit eine Ausschreibung. 

"Es wird Zeit, einen Ort für die Geschehnisse und vor allem die Erinnerungen an den gesellschaftlichen Wandel seit 1989/1990 zu schaffen", zeigte sich Lemme überzeugt. 

Derzeit arbeiten zwölf Menschen im Zukunftszentrum, bis der Neubau am Riebeckplatz in Halle in ein paar Jahren fertig ist, sollen es viele mehr werden. Das Team steckt derzeit in einer "Werkstattphase", wie es Lemme nennt. Sie bauen ein Netzwerk auf, knüpfen Kontakte zu potenziellen Kooperationspartnern in verschiedenen Städten und Ländern und testen auch unterschiedliche Formate für Veranstaltungen. 

Zukunftszentrum soll viele Menschen nach Halle locken

Bislang ist die Idee des Zentrums und seiner Aufgaben noch eher vage. Wissenschaft, Kunst, Kultur und Dialog sind die Schlagworte, unter denen das jetzige Team seine Arbeit einordnet. Ein "Archiv der Transformation" soll entstehen. Darin sollen Erinnerungen von Zeuginnen und Zeugen der Zeit ab 1989 bis heute dokumentiert werden. "Auf Basis dieser im Archiv gesammelten Erfahrungen werden Handlungsempfehlungen für Transformationen, die sich jetzt in Europa vollziehen oder noch bevorstehen, erarbeitet", erklärte Lemme. 

Außerdem sollen Ausstellungen und Veranstaltungen geplant werden - "für ganz unterschiedliche Gäste", so Lemme. Das Zentrum wolle mit seinem Angebot von Passantinnen und Passanten über Schulklassen bis hin zu internationalem Fachpublikum viele Menschen in die Saalestadt locken. Das Zentrum soll Raum und Möglichkeit sein, internationalen Diskurs über Transformationen zu führen.

dpa