Finale der Conference League
Streitbarer Titelsammler: Warum Glasner oft nur kurz bleibt

Oliver Glasner verhalf Crystal Palace zum ersten Pokalsieg. (Archivbild) Foto: Nick Potts/PA Wire/dpa
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Wo Oliver Glasner arbeitet, ist er erfolgreich. Doch seine Amtszeiten währten zuletzt nur gut zwei Jahre - jetzt auch bei Crystal Palace. Ist der Ex-Bundesliga-Trainer niemand für langfristige Jobs?

Eigentlich sind Ehrlichkeit und Ehrgeiz zwei löbliche Tugenden. Doch Oliver Glasner werden sie - so scheint es - am Arbeitsplatz bisweilen zum Verhängnis. Denn obwohl der Trainer von Crystal Palace mit dem vor seiner Amtszeit titellosen Mittelklasseclub am Mittwoch in der Conference League bereits die dritte Trophäe binnen zwei Jahren gewinnen kann, ist sein Abschied bereits beschlossen. Mal wieder.

Glasner anzustellen, kann eine Herausforderung sein. Er bringt unermüdlichen Tatendrang sowie massiven Ehrgeiz mit - und verlangt dasselbe von jedem im Club. Das führte in der Vergangenheit immer mal wieder zu Reibereien mit der Chefetage. "Für Oliver müssen die Bedingungen passen", erklärt Palace-Boss Steve Parish. "Es geht darum, dass er Bedingungen vorfindet, um seine Ziele zu erreichen. Oliver will Dinge gewinnen."

Zoff mit Schmadtke

Das kann der Österreicher mit Palace am Mittwochabend (21.00 Uhr/RTL Nitro) gegen den Madrider Vorstadtverein Rayo Vallecano. Den englischen Pokal sowie den Supercup hat Glasner bereits geholt. Entsprechend emotional war sein Abschied am Sonntag, als von den Fans ein wuchtiges "Oliver Glasner olé" durch den Selhurst Park im Süden Londons schallte.

Mit Eintracht Frankfurt hatte der 51-Jährige zuvor bereits die Europa League gewonnen und das DFB-Pokalfinale erreicht. Den VfL Wolfsburg hatte er in die Champions League geführt.

Mit Glasner nimmt man den Erfolg quasi direkt mit unter Vertrag. Doch das kann auch anstrengend sein. Vor allem, weil der Trainer keinem Konflikt aus dem Weg geht und öffentlich über Dinge redet, die über seinen Arbeitsbereich hinausgehen. In Wolfsburg überwarf er sich mit Sportchef Jörg Schmadtke, weil er immer wieder die Transferpolitik des Clubs kritisiert hatte. Angeblich sprachen die beiden monatelang nur über die nötigsten Dinge. Ein Jahr vor Vertragsende zog Glasner weiter nach Frankfurt.

Nach dem Europapokal-Triumph begann es dort zu kriseln. Glasner wollte, dass umgehend in die Qualität der Mannschaft investiert wird. Sportchef Markus Krösche wollte weiterhin junge Talente entwickeln und gewinnbringend verkaufen. Zudem verärgerte Krösche, dass Glasner sein Angebot zur Vertragsverlängerung nicht direkt annahm.

Frust auf Pressekonferenzen

Glasner wurde zunehmend emotionaler - sein Frust entlud sich auch auf Pressekonferenzen. Nachdem Glasner bei einer Frage eines Journalisten der Kragen geplatzt war, stutzte ihn Eintracht-Boss Axel Hellmann öffentlich zurecht. "Wenn Oliver Glasner darüber noch mal nachdenkt, weiß er, dass das weder gut noch richtig war, so zu reagieren", sagte Hellmann.

Nach der Trennung von Glasner sah sich Krösche letztlich genötigt, diese öffentlich zu verteidigen. Manchmal müsse man unpopuläre Entscheidungen treffen, meinte der Manager. Dass er mit dem diskussionsfreudigen Glasner ein Problem hatte, bestritt Krösche. "Oliver war sehr erfolgreich, hatte großen Anteil, dass wir den Europapokal gewonnen haben", sagte der 45-Jährige. "Dass man diskutiert und auch mal unterschiedlicher Meinung ist, ist doch auch ganz normal."

Im Finale gegen den Nachfolger?

Der Frust darüber, dass sein Arbeitgeber seinen Vorstellungen nicht folgt, holte ihn auch in London ein. Nach dem Gewinn des Pokals mahnte Glasner, der Club dürfe kein One-Hit-Wonder werden. Stattdessen wurden die beiden besten Spieler verkauft - Eberechi Eze im Sommer an den FC Arsenal, Marc Guéhi im Winter an Manchester City. Dass die Ablösesummen nicht entsprechend reinvestiert wurden, sorgte bei Glasner für erhöhten Puls.

Glasner scheut keine Konflikte und ist konsequent. Im Januar bestätigte er seinen Abschied offiziell, intern hatte er ihn schon länger kommuniziert. Er möchte Titel gewinnen und wenn ihm sein Club diese Möglichkeiten nicht bietet, zieht er eben weiter. Seinen Nachfolger in London könnte er am Mittwoch übrigens treffen. Laut Medienberichten zählt Rayo-Trainer Inigo Perez zu den Kandidaten.

dpa