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Supercup gegen Real Madrid "Merke, wie versaut das Geschäft ist“: Ärger bei Eintracht Frankfurt vor Traum-Finale wegen Kostic-Wechsel

Sieg im Europa-League-Finale: Filip Kostic im im Moment des größten Triumphes
Sieg im Europa-League-Finale: Filip Kostic im im Moment des größten Triumphes
© Arne Dedert / DPA
Filip Kostic von Eintracht Frankfurt verzichtet auf das Supercup-Finale gegen Real Madrid, weil er vor einem Wechsel zu Juventus Turin steht. Das sorgt bei einigen im Klub für Verstimmung. Dabei ist eine Frage wichtiger: Wo steht die Eintracht sportlich?

Am Abend vor dem großen Spiel gegen Real Madrid musste sich der Präsident von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, Luft machen: "Wenn du einmal die Chance hast, im Supercup-Endspiel (ab 20.15 Uhr live bei RTL) zu spielen, gegen Real Madrid, nicht gegen die Wetterau, Real Madrid! Wenn du dann noch da unten auf dem Platz die Auszeichnung als bester Spieler der Europa League bekommst, vor 500 Ländern, die irgendwo gucken, und du machst das nicht, dann merke ich doch, wie versaut das Geschäft am Ende des Tages ist", sagte Fischer, der selten ein Blatt vor dem Mund nimmt, wenn er erst mal in Stimmung ist.

Was Fischer und einige andere in Frankfurt ärgert: Filip Kostic, einer der besten und wichtigsten Frankfurter Spieler der vergangenen vier Jahre, möchte den Verein Richtung Juventus Turin verlassen. Die Verhandlungen laufen offenbar und die Italiener sollen darauf bestanden haben, dass der Linksaußen kein Spiel mehr für die Eintracht bestreitet. Das ist durchaus branchenüblich, schließlich will der verpflichtende Verein nicht das Risiko einer Verletzung eingehen. Für den Europa-League-Sieger aus Frankfurt ist das ärgerlich, weil Kostic zu den Leistungsträgern gehört. Ihn sportlich zu ersetzen, ist dabei die größte Herausforderung.

Andere sehen den Kostic-Verzicht gelassener

Andere im Verein sehen es gelassener. "Klar ist es schade, Filip hat mit dem Verein Geschichte geschrieben und sehr viel für den Verein geleistet. Er geht als Held, der einen großen Teil in diesem Ganzen gespielt hat", lobte Torwart Kevin Trapp den Kollegen. Genauso sehen es Trainer Oliver Glasner und Sportvorstand Markus Krösche, die Kostic lobten ("Held") und Verständnis zeigten. Er habe sich immer vorbildlich verhalten, deshalb lege man ihm keine Steine in den Weg.

Vielleicht ist Fischers Ärger einer gewissen Nervosität geschuldet. Am Mittwochabend stehen die Frankfurter im europäischen Supercup in Helsinki auf der ganz großen Bühne. Es geht ja nicht nur gegen den Champions-League-Sieger, sondern gegen den erfolgreichsten und größten Verein der Welt. Mehr Glamour geht kaum. Als die Eintracht zuletzt gegen Real Madrid spielte, zahlte sie den Spaniern noch ein Antrittsgeld. Es war ein Freundschaftsspiel in der Saisonvorbereitung im August 2008 und endete 1:1. Diesmal steht man sich in einem offiziellen Finale gegenüber, das zwar in Deutschland keinen großen Wert hat, aber immerhin.

Glasner betonte zwar, dass er sich "sehr gut" fühle und der Supercup eine "Belohnung" sei "für den Europa-League-Titel". Aber nach dem Debakel gegen die Bayern (6:1 verloren) am vergangenen Freitag zum Bundesliga-Auftakt dürfte die Euphorie nach dem Europa-League-Titel langsam verflogen und die Eintracht wieder in der Realität angekommen sein.

Gegen die Bayern versagte die Defensive

Die große Frage lautet: Wo steht die Eintracht? Gegen die Bayern offenbarte Frankfurt außergewöhnliche Schwächen in der Defensive. Mit einer solchen Leistung würde die Eintracht weder in der Bundesliga noch in der Champions League, für die sie qualifiziert ist, eine Rolle spielen. Dass die Bayern sich in bestechender Form präsentierten und vermutlich auch bei mehr Gegenwehr gewonnen hätten, ändert nichts daran. Eintracht Frankfurt will auf jeden Fall ein zweites Debakel vermeiden. Zwei deftige Niederlagen zu Beginn der Saison könnten ein bisschen zu sehr auf die Stimmung drücken.

Dennoch träumt so mancher bei der Eintracht insgeheim davon, den Europa-League-Rausch der vergangenen Saison in die neue Spielzeit zu verlängern – trotz der Außenseiterrolle. Leuchtendes Vorbild ist natürlich der unfassbare Erfolg beim FC Barcelona; ein Spiel fast wie von einem anderen Stern. 

"Wir holen uns dieses blöde Ding einfach – und dann saufe ich auch daraus", sagte Fischer in der Nacht zum Mittwoch. Immerhin bei den mitgereisten Fans haben die Frankfurter ein großes Übergewicht. Rund 10.000 unterstützen ihr Team in der finnischen Hauptstadt, an Real-Anhänger wurden nur 1800 Tickets verkauft.

Quellen: DPA, "Frankfurter Rundschau"


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