Finanzmisere
Theater Plauen-Zwickau in Geldnot: Spielzeit wird "mutig"

Das Zwickauer Gewandhaus ist eine der Spielstätten des Theaters Plauen-Zwickau. Doch weil das Geld nicht mehr reicht, muss das H
Das Zwickauer Gewandhaus ist eine der Spielstätten des Theaters Plauen-Zwickau. Doch weil das Geld nicht mehr reicht, muss das Haus auf mehrere große Produktionen verzichten. (Archivbild) Foto
© Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa
Finanzielle Engpässe, gestrichene Produktionen und fehlende Nachbesetzungen setzen dem Theater Plauen-Zwickau zu. Trotzdem sollen in der nächsten Spielzeit die Besucherzahlen weiter steigen.

Trotz erheblicher Finanzprobleme plant das Theater Plauen-Zwickau seine kommende Spielzeit 2026/2027 mit einem anspruchsvollen Programm. Unter dem Motto "Ganz. Schön. Mutig." stellte das Haus in Plauen die neuen Produktionen vor. "Es sind schwierige Zeiten, aber manchmal ist Zweckoptimismus besser als Galgenhumor", sagte Generalintendant Dirk Löschner. Für das laufende Jahr wird ein Fehlbetrag von rund 1,3 Millionen Euro erwartet.

Alle fünf Sparten des Theaters sollen auch weiterhin gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Die seit Jahren steigenden Besucherzahlen geben den Theatermachern recht, so Löschner. "Wir machen nie einfach nur weiter, sondern überlegen uns genau, was funktioniert und was das Publikum möchte." Dennoch halte die kommende Spielzeit einige Überraschungen bereit. 

Weiterhin große Produktionen

Über 20 Premieren und drei Uraufführungen warten auf die Besucher. Im Sommertheater soll das Musical "Der Graf von Monte Christo" am 28. August 2026 in Zwickau auf der Freilichtbühne am Schwanenteich Premiere feiern. Im Sommer 2027 folgt das Musical "Titanic" im Parktheater Plauen. Löschner zufolge sei das als "realistisches Gesellschaftsporträt mit unterschiedlichen Figuren und Hoffnungen angelegt". 

Bei den größeren Schauspielproduktionen setzt das Haus etwa auf die Uraufführung von "Ich schieß' auf den Adler! Eine romantische Rhapsodie in Tränen und Flammen" (Premiere Gewandhaus Zwickau am 26.09.2026/ Premiere Vogtlandtheater Plauen am 09.01.2027). Über die Bundesförderung "Lokal" erhält das Theater über vier Jahre 250.000 Euro, und am 5. Mai 2027 ist dazu in Plauen das erste Premieren-Projekt geplant. Ein Live-Audiowalk namens "Brot" will sich mit dem "Bäckereisterben" in der Region beschäftigen. 

Theaterbesuche zunehmend beliebt

Trotz der Einsparungen soll sich der Sparkurs nach Darstellung der Theaterleitung im Programm kaum widerspiegeln – trotz drei gestrichener Produktionen pro Spielzeit und nur noch sechs statt acht Sinfoniekonzerten. "Dem Spielplan ist der finanzielle Druck nicht anzumerken", sagte Geschäftsführerin Sandra Kaiser. Zwar sei das Haus noch nicht dort, "wo wir hinwollen", und im Hintergrund liefen weiterhin zahlreiche Gespräche. Gleichzeitig wolle man an den positiven Trend anknüpfen: Die Besucherzahlen steigen kontinuierlich, im vergangenen Jahr hätten dadurch Mehreinnahmen von rund 250.000 Euro erzielt werden können. 

Preisanpassungen sind in der kommenden Spielzeit nicht vorgesehen; das Theater bleibt bei seinem zweijährigen Rhythmus. Beim Sommertheater 2027 könnte es jedoch wieder eine "moderate Erhöhung" geben, so Kaiser. Tickets würden dann um etwa sechs Euro teurer, eine große Produktion im Parktheater Plauen könnte dann bis zu 48 Euro kosten.

Der jährliche Anstieg des Defizits am Theater Plauen-Zwickau dürfte bei rund 500.000 Euro liegen. "Die Rücklagen sind aufgebraucht, und im nächsten Jahr reicht die Liquidität nicht mehr aus, um alle Verbindlichkeiten zu bedienen", so Kaiser. 

Als Hauptursache der Finanzmisere gelten vor allem steigende Personalkosten, die mehr als 80 Prozent der Gesamtausgaben ausmachen. Tarifsteigerungen wirkten sich daher besonders stark aus. Gleichzeitig seien die öffentlichen Zuschüsse bislang nicht dynamisiert worden, während auch die kommunalen Haushalte unter Druck stünden.

dpa