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1. Mai: Rechtsextreme marschieren in Plauen mit Fackeln und Trommeln durch die Stadt

Martialische Szenen in Plauen: Mit rechten Parolen, Trommeln und Fackeln ist eine rechtsextreme Gruppierung durch die Stadt gezogen. Dort wie andernorts musste die Polizei linke Gegendemonstranten auf Abstand halten.

Durchtrainierte und tätowierte Männer demonstrieren in einheitlichen T-Shirts der Partei "Der 3. Weg" in Plauen

Parallel zu den traditionellen Maikundgebungen hat die Polizei in Sachsen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen mit einem Großaufgebot Teilnehmer rechter und linker Demonstrationen auseinander gehalten.

In Chemnitz folgten nach offiziellen Angaben rund 1100 Menschen einem Aufruf des parteiübergreifenden Bündnisses "Aufstehen gegen Rassismus". Die AfD hatte dort eine Versammlung mit etwa 500 Teilnehmern angemeldet, es kamen jedoch deutlich weniger. Als Rednerin trat unter anderen die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch auf. 

Plauen: Rechter Aufmarsch bestimmt Stadtbild

Im vogtländischen Plauen spielten sich verstörende Szenen ab. Dort bestimmte ein Aufmarsch der rechtsextremen Partei "Der Dritte Weg" zeitweise das Stadtbild. Die Polizei musste Hunderte Gegendemonstranten auf Abstand halten, um eine direkte Konfrontation zu vermeiden. Die Gruppierung war in Uniformen und mit Trommeln und Flaggen durch die Stadt gezogen. Dabei skandierten die Teilnehmer rechtsextreme Parolen.

Für Verwunderung sorgte auch das Abbrennen von Signalfackeln durch Mitglieder des "Dritten Wegs" mitten in der Innenstadt. Die Polizei teilte mit, dass dies legal sei. Die Behörden hätten das Abbrennen der Fackeln zu Beginn und am Ende der Veranstaltung erlaubt, hieß es via Twitter. Wegen des Verstoßes gegen das Vermummungsverbot nahmen die Beamten von vier Personen die Personalien auf.

Dresden: Verdacht auf Volksverhetzung bei NPD-Demo

In Dresden wollte die rechtsextreme NPD zusammen mit ihrer Jugendorganisation 300 bis 400 Menschen auf die Straße bringen, es kamen jedoch lediglich 150 bis 200. Immer wieder hielten Sitzblockaden den geplanten Marsch durch die Innenstadt auf.

Die Polizei prüft nach zwei Redebeiträgen auf der NPD-Demo den Verdacht der Volksverhetzung. Die Identität der 40 und 45 Jahre alten Redner sei festgestellt worden, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Die Männer sollen einen Slogan aus einem Wahlwerbespot der NPD verwendet haben, dessen Inhalt Gerichte als volksverhetzend eingestuft hatten. Im Vorfeld der NPD-Demo hatte die Polizei nach eigenen Angaben in einer Gefährderansprache deutlich gemacht, "dass sie das Zeigen entsprechender Plakate sowie das Skandieren solcher Parolen im Zuge der Versammlung" unterbinden werde.

Landesweit waren in Sachsen mehrere Hundertschaften der Bereitschaftspolizei im Einsatz, dazu war Verstärkung aus Sachsen-Anhalt und Bayern angefordert worden.

Erfurt: Polizei räumt Sitzblockade gegen AfD-Demo

In Thüringens Hauptstadt Erfurt blockierten etwa drei Dutzend Menschen sitzend eine Demonstrationsstrecke der AfD. Die Polizei forderte die Teilnehmer mehrfach auf, die Strecke zu räumen, und begann dann, die Menschen wegzutragen. Zuvor waren Polizisten bereits mit Reizgas eingeschritten, als Gegendemonstranten versuchten, in Richtung der AfD-Strecke zu laufen.

Wegen eines Versuchs, die Polizeiabsperrung zwischen beiden Lagern zu durchbrechen, gingen Polizisten nach offiziellen Angaben auch mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen linke Protestierende vor. Diese kamen demnach aus den Reihen der Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zum Tag der Arbeit, der sich offenbar auch andere Gruppen angeschlossen hatten. Bei dem Vorfall soll ein Polizist verletzt, ein weiterer Beamte bei einem weiteren sogenannten Durchbruchsversuch leicht verletzt worden sein. Insgesamt war von vier verletzten Polizisten die Rede.

Duisburg: Polizei rechtfertigt Vorgehen gegen Linke

Im nordrhein-westfälischen Duisburg musste die Polizei am Nachmittag einschreiten: Mehrere Hundertschaften hielten Demonstrationen von Rechtsextremen sowie mehrere Gegenproteste auf Distanz. Dabei sei es zu Auseinandersetzungen mit etwa 200 Personen aus dem linken Spektrum gekommen, sagte ein Sprecher. Mehrmals habe die Gruppe versucht, Polizeisperren zu durchbrechen. Die Beamten hätten Schlagstöcke und Pfefferspray, nicht aber die Wasserwerfer eingesetzt.

Das Bündnis RiseUp Duisburg, das zu einer der Gegendemos aufgerufen hatte, warf der Polizei über Twitter die Kriminalisierung des legitimen Protests vor. Die Einsatzkräfte entgegneten: "Die Polizei hat den Verfassungsauftrag, friedliche und nicht verbotene Demonstrationen zu schützen - und zwar unparteiisch und unabhängig vom Thema der Versammlung." Auf einer der rechten Demos wurde unter anderem die Freilassung der inhaftierten Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck gefordert. 

Aus Hakenkreuzen entstehen bunte Früchte.
dho / DPA / AFP