Sexualisierte Gewalt im Netz
Frauenministerin sieht Beratungsbedarf zu digitaler Gewalt

Thüringens Sozialministerin Katharina Schenk (SPD) sieht Bedarf an Beratungsangeboten für Betroffener sexualisierter Gewalt im d
Thüringens Sozialministerin Katharina Schenk (SPD) sieht Bedarf an Beratungsangeboten für Betroffener sexualisierter Gewalt im digitalen Raum. (Archivbild) Foto
© Martin Schutt/dpa
An wen können sich in Thüringen Betroffene digitaler Gewalt wenden? Thüringens Frauenministerin hält ein spezifisches Angebot für nötig. Was sich die Landesregierung dazu nun vornimmt.

Thüringens Frauenministerin Katharina Schenk sieht Bedarf an Beratungsmöglichkeiten für Betroffene sexualisierter Gewalt im digitalen Raum. "Ich würde sagen, das spezifische Beratungsangebot ist noch nicht ausreichend", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Zudem seien Schulungen nötig. Die Landesregierung arbeite an einem Maßnahmenplan. Dieser soll noch im April im Kabinett beraten und dann vorgestellt werden.

Schritthalten mit neuen technischen Entwicklungen 

Für Betroffene gebe es schon jetzt Anlaufstellen – etwa die Kinder- und Jugenddienste, Frauenhäuser und Frauendienste, erklärte Schenk. Wenn es um die Löschung von Inhalten geht, kann auch die Landesmedienanstalt ein Ansprechpartner sein. Schenks Einschätzung nach reicht das aber nicht. Es brauche eine "Diskussion darüber, wie man da vielleicht eindeutigere Ansprechstellen schaffen kann und vor allem wie die kompetent gehalten werden, um solchen technischen Entwicklungen und gesetzlichen Änderungen auch Schritt zu halten", sagte sie. 

Es brauche auch einen Austausch über die Fragen, was erlaubt und was verboten sei und wo Grauzonen bestehen. Und es gehe darum, Betroffene zu ermutigen, sich zu wehren. "Da finde ich dieses Motto "Seitenwechsel der Scham" schon relativ relevant und auch für unsere Arbeit leitend", sagte Schenk.

Vorwürfe von Collien Fernandes befeuern die Debatte

Hintergrund der aktuellen Debatte über digitale Gewalt sind schwere Vorwürfe der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der "Spiegel" berichtet hatte. Sie wirft ihm vor, Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte an, gegen die "initiale Berichterstattung" des "Spiegels" gerichtliche Schritte einzuleiten.

Die Debatte um sexualisierte und digitale Gewalt nahm in den anschließenden Wochen Fahrt auf. Bei Demonstrationen gingen in mehreren Städten Tausende auf die Straße. Auf Plakaten stand unter anderem "Die Scham muss die Seiten wechseln". Schenk zollte Fernandes Respekt für den Schritt, mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen. "Finde ich sehr gut, dass sie das gemacht hat. Mutig, beeindruckend", sagte die Ministerin. 

Digitale Gewalt auch Thema in Thüringen

In Thüringen wird das Thema schon länger im politischen Raum diskutiert. Der Landtag hatte in der vergangenen Legislaturperiode beschlossen, dass eine Definition für "geschlechtsspezifische Gewalt im digitalen Raum" erarbeitet werden solle, "damit ein Maßnahmenplan für die Bereiche Polizei, Justiz, Bildung und Jugend sowie die Beratungsstellen entwickelt werden kann". 

Außerdem hatte die Hatespeech-Beratungsstelle Elly vergangenes Jahr auf einen gestiegenen Beratungsbedarf beim Thema digitale Gewalt aufmerksam gemacht. So hatte sich beispielsweise eine Mutter an Elly gewandt, weil Nacktbilder ihrer Tochter im Netz verbreitet wurden. Die Thüringer Beratungsstelle Elly kümmert sich aber vor allem um Betroffene von Hass und Hetze im Netz.

dpa