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Sommerfest in Hasloh Wie die CDU zur Facebook-Party lud

Die CDU in Hasloh nahe Hamburg bereichert den Streit um Facebook-Partys auf eine ganz eigene Art: Sie wollte eine eigene veranstalten. Doch weil das Interesse zu gewaltig war, wurde sie wieder abgesagt.
Von Niels Kruse

In der Reiterscheune von Jochen Raeck an der Kieler Straße in Hasloh gibt es normalerweise die ganze Spanne von Reiterbedarf - vom Edelstahl-Steigbügel über Turnierfutterkrippen bis zur Outdoordecke "Alaska". Am 20. August wird es dort außer der Reihe auch Schnittchen und Bier geben, denn die örtliche CDU feiert in der Scheune an jenem Samstag traditionell ihr Sommerfest. Eingeladen sind alle 60 Parteimitglieder sowie Freunde. Es könnten in diesem Jahr sogar sehr viele Freunde werden, denn die Veranstalterin Dagmar Steiner lädt auch über Facebook ein - und hat leider vergessen, die Feier als "private Veranstaltung" zu markieren.

Nun hat die Partei den Partysalat: Denn wie schon bei der 16-Jährigen Thessa aus Hamburg, laden sich zurzeit Hinz und Kunz ein: Allein von Montagabend bis Dienstagmittag ist die Zahl Zusagen von 800 auf fast 1400 angeschwollen. Und ein Ende ist nicht absehbar. Sollte Ende August nur ein Bruchteil der Gäste in die kleine Gemeinde 20 Kilometer nördlich von Hamburg strömen, wird aus dem gemütlichen Sommerfest wohl eher ein ganz und gar unkonventionelles Chaosfest.

"Freisaufen durch Steuergelder"

Bislang sind es vor allem Witzbolde und Leute, die der CDU mutmaßlich nicht unbedingt nahestehen, die ihr Kommen androhen: Ob es wohl Freibier geben werde, ist die am häufigsten gestellte Frage in den Kommentaren der Veranstaltungsseite. "Ja, Freisaufen durch Steuergelder", schreibt ein Kommentator. Ein anderer: "Ab wann gibt es denn das Freibier? Komme extra aus Bayern und hab Riesendurst". Auch die Anarchos aus St. Paulis reiben sich bereits die Hände: "Ich bring die Punks vom Kiez mit!“, kündigt ein Hamburger freudig an.

Die Häme und Spott, die sich nun über die Partei ergießt, wundert nicht. Erst vor wenigen Tagen hatte CDU-Mann Uwe Schünemann, Innenminister von Niedersachsen, populistisch und lautstark ein Verbot von Facebook-Partys gefordert. Denn in den vergangenen fünf Wochen hatte es bundesweit zahlreiche "Facebook-Partys" gegeben, zu denen rund 6000 Menschen gekommen waren. Einige der Feste arteten derart aus, dass die Polizei einschreiten musste. Der Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) ging die Verbotsforderung zwar zu weit, dennoch verlangte sie bereits zuvor, dass vor allem junge Menschen mit Hilfe eines "Internetführerscheins" erst einmal lernen sollen, wie man Facebook bedient.

Zuviel Volk für die Volkspartei CDU

Und nun ist es ausgerechnet eine Parteifreundin Schnünemanns, der derselbe Fehler unterläuft. Falls es denn einer gewesen ist - und nicht nur eine geschickte PR-Aktion. Die Hasloher CDU-Chefin Dagmar Steiner jedenfalls war wegen ihrer Urlaubsreise nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Stefan Worthmann, ebenfalls stellvertretender Vorsitzender, geht zwar ans Telefon, will aber keinen Kommentar zur Sache abgeben.

Die Hasloher Union ist nicht der einzige Ortsverband in Deutschland, der über das soziale Netzwerk öffentlich zum Feiern einlädt. Auch für das Sommerfest CDU Bergisch Gladbach am 26. August steht die Gästeliste noch für jedermann offen. Die Einladung zum "Stallwächterfest der CDU Esslingen" am 19. August wurde am Dienstagmittag zurückgenommen. Und auch hier nimmt die Teilnehmerzahl schnell zu. Die Sommerfeste der CDU in Dietzenbach und in Offenburg dagegen werden zwar mit Datum und Zeit als öffentliche Veranstaltungen geführt, doch das Zu- oder Absagen ist nicht mehr möglich. Vielleicht ist der Volkspartei CDU zuviel Volk dann doch nicht geheuer.

Nachtrag, 17:44 Uhr

Am Dienstagnachmittag meldete sich der stellvertretende Vorsitzende Michael Witt in der stern.de-Redaktion und gab bekannt, dass das Sommerfest abgesagt wird. "Aus den Kommentaren zu der Veranstaltung ist ersichtlich, dass einige Teilnehmer zur Störung der Feier aufrufen", sagte Witt. Das wolle man nicht dulden. "Es ist schade, dass das Vertrauen, das man der Öffentlichkeit entgegen bringt, derart missbraucht wird, so der Hasloher CDU-Vizechef. Ob es nächstes Jahr wieder ein Sommerfest geben wird, ließ er offen.


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