Türkischer Bischof Padovese erstochen Geistig verwirrter Täter in U-Haft

Der Mann, der sein Leben schützen sollte, hat es nun auf dem Gewissen: Einen Tag nach dem Mord an dem Vorsitzenden der türkischen Bischofskonferenz, Luigi Padovese (63), ist dessen Fahrer und Leibwächter wegen dringenden Tatverdachts in Untersuchungshaft gekommen.

Nach dem gewaltsamen Tod eines katholischen Bischofs in der Türkei ist Mordanklage gegen dessen Fahrer erhoben worden. Das teilte das zuständige Gericht in der Hafenstadt Iskenderun am Freitag mit. Luigi Padovese, der Apostolische Vikar in Anatolien, war am Donnerstag in seinem Wohnhaus erstochen worden. Der 26-jährige Chauffeur Murat Altun habe die Tat gestanden, berichtete sein Anwalt, Cihan Onal. "Der Mord war nicht politisch motiviert", betonte Onal in einem Interview der amtlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

Sein Mandant sei psychisch krank, erklärte der Anwalt weiter. In seinem Geständnis habe der 26-Jährige erklärt, dass er unmittelbar vor der Bluttat "eine Botschaft von Gott" erhalten habe. Altun ist Muslim. Berichte, wonach der Fahrer zum Christentum konvertierte, wies sein Anwalt zurück.

Padovese wollte am Freitag eigentlich gemeinsam mit seinem Chauffeur nach Zypern fliegen, um Papst Benedikt XVI. während seines Besuchs auf der Mittelmeerinsel zu treffen. Kurz vor seinem Tod bat der Bischof indes eine Nonne, die Flugtickets zu stornieren, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA meldete. Padovese habe seinem Fahrer bei der Überwindung einer schweren Depression helfen wollen, berichtete ANSA unter Berufung auf die Nonne Eleonora de Stefano.

In der Türkei sind in den vergangenen Jahren wiederholt Angehörige der christlichen Minderheit angegriffen worden: Im April 2007 wurden bei einem Überfall auf einen Bibelverlag drei Christen getötet, darunter ein Deutscher. Acht Monate später wurde in Izmir der italienische Priester Adriano Franchini niedergestochen, er überlebte den Anschlag mit einer Bauchverletzung. 2006 erschoss ein 16-Jähriger in der Stadt Trabzon den katholischen Priester Andrea Santoro.

Zollitsch würdigt Toten als "großen Seelsorger"

Der Vatikan zeigte sich tief bestürzt über den gewaltsamen Tod Padoveses. In Rom herrsche "Fassungslosigkeit" über die Tat, die zeige, dass die christliche Minderheit in der Region unter "schwierigen Umständen" lebe, erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zeigte sich erschüttert. "Ein großer Seelsorger und Hirte der katholischen Kirche ist von uns gegangen", erklärte Zollitsch. Padovese habe in den vergangenen sechs Jahren als Bischof viel für die Christen in der Türkei bewirkt.

Die Unionsfraktion im Bundestag forderte nach einer Reise von Parlamentariern und Kirchenvertretern in die Türkei mehr Solidarität mit verfolgten Christen weltweit. "Der Einsatz für Religionsfreiheit ist Teil unserer wertegeleiteten Außenpolitik", erklärte Fraktionschef Volker Kauder am Donnerstag. Er kritisierte: "Religionsfreiheit wird in der Türkei nicht in vollem Umfang gewährt."

DPA/APN/AFP DPA

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